Als Mann und Frau erschuf er sie

von antimodernist2014

Die aufrechte Statur kommt dem Menschen zu aus vier Gründen. Erstens, weil dem Menschen die Sinne nicht nur gegeben sind, sich die zum Leben notwendigen Dinge zu bereiten wie bei den anderen Lebewesen, sondern auch zur Erkenntnis selber. Während die übrigen Lebewesen an den sinnlichen Dingen nur Freude finden, sofern diese zur Speise oder Geschlechtlichkeit dienen, hat allein der Mensch Freude an der Schönheit der Dinge selbst als solcher. Weil aber die Sinne vor allem im Gesicht liegen, tragen die meisten Tiere ihr Gesicht zur Erde geneigt, wie um nach Nahrung und allem Lebensnotwendigen zu suchen, der Mensch aber hält sein Gesicht nach oben, damit er durch die Sinne und namentlich den Gesichtssinn, welcher der feinste und detailreichste ist, frei alles Sinnliche erkennen kann, sowohl das himmlische wie das irdische, um so aus allem die geistige Wahrheit zu schauen. Zweitens, damit die inneren Kräfte sich freier bewegen können, wenn nämlich das Gehirn, in welchem sie gewissermaßen ihren Gipfel haben, über alle übrigen Körperteile erhaben ist. Drittens, weil der Mensch, hätte er eine geneigte Statur, seine Hände zur Fortbewegung benutzen müßte und sie nicht für die verschiedenen Tätigkeiten frei hätte. Viertens, weil er dann, da er die Hände zum Laufen bräuchte, die Nahrung mit dem Mund aufnehmen müßte, was eine Schnauze, harte und grobe Lippen und eine entsprechende Zunge mit sich brächte, wie die Tiere es haben, um besser fressen zu können und sich dabei nicht zu verletzen. Das aber würde beim Menschen das Sprechen behindern, welches doch das der Vernunft eigene Werk, „proprium opus rationis“, ist (ad 3).

Wie sehr ist der menschliche Leib ganz auf die menschliche, geistige Seele hingeordnet und von ihr geprägt! Wie sehr unterscheidet er sich daher ganz grundsätzlich von den Leibern der Tiere! Wo also sollte es da eine ursächliche Verbindung geben? Der heilige Thomas geht übrigens noch auf einen weiteren Einwand ein, nämlich daß doch die Pflanzen immerhin auch eine aufrechte Statur hätten. Dennoch, sagt er, unterscheide sich der Mensch gänzlich von den Pflanzen. Er nämlich trage sein Oberes, das Haupt, dem Höheren der Welt entgegen, sein Unteres jedoch nach unten. Er sei somit bestens verfaßt im Hinblick auf die Gesamtausrichtung. Bei den Pflanzen hingegen sei es genau umgekehrt. Sie tragen ihr Oberes nach unten, die Wurzeln nämlich, die gleichsam dem Mund entsprechen, während sie ihr Unteres nach oben tragen, die Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane. Die Tiere hingegen hielten sich in der Mitte, denn der Teil, welcher die Nahrung aufnehme, sei der höhere und der, welcher die Ausscheidung vornehme, der untere, wobei beides bei ihnen einigermaßen auf einer Ebene liegt (ebd.).

11. In Artikel 4 endlich beschäftigt sich der heilige Thomas noch mit der Frage, ob denn die Hervorbringung des menschlichen Leibes in der Heiligen Schrift angemessen dargestellt sei. Den Beweis dafür, daß es so ist, sieht er in der Autorität der Heiligen Schrift selber als dem Wort Gottes. Darum beantwortet er auch gleich die Einwände, ohne die Frage ausführlicher zu behandeln. Die Tatsache, daß die Erschaffung des Menschen eigens und detailliert beschrieben wird, während die anderen Schöpfungswerke mehr allgemein dargestellt sind, begründet er damit, daß die Heilige Schrift hier zeigen will, daß alle anderen Werke des Menschen wegen geschaffen worden sind. „Das nämlich, was wir vor allem im Sinn haben, pflegen wir mit größerer Überlegung und Eifer zu vollbringen“ (ad 1).

Gegen die Auffassung einiger, der Leib des Menschen sei zuerst geformt und dann erst beseelt worden, wie man vielleicht aus dem Bericht der Genesis folgern könnte, führt der Aquinate an, daß es gegen die Vollkommenheit der ursprünglichen Schöpfungsordnung wäre, wenn Gott einen Leib ohne Seele oder eine Seele ohne Leib hervorgebracht hätte, ist doch beides jeweils Teil der menschlichen Natur. Die Beschreibung der Heiligen Schrift ist vielmehr so zu verstehen, daß das Einhauchen des Lebensgeistes nur ausführt, was vorher geschildert wurde, nämlich die Formung des Leibes, „denn die Seele ist die Form des Leibes“. D.h. also Gott hat nicht zuerst den Leib geformt und dann eine Seele eingehaucht, sondern Er hat den Leib geformt, indem Er ihm (bzw. dem „Lehm der Erde“) gewissermaßen die Seele einhauchte (ad 3).

Wir wüßten nicht, was an dieser Darstellung des heiligen Thomas unklar ist, die vollkommen der Heiligen Schrift, der Theologie, dem Glauben, der vernünftigen Philosophie und dem gesunden Menschenverstand entspricht und obendrein keinerlei Widersprüche zu (echten) naturwissenschaftlichen Erkenntnissen aufweist. Dennoch meinten die Katholiken und meint auch unser „traditionalistischer“ Referent, die Dinge anders sehen zu müssen. Der Bericht der Genesis ist nur „bildlich“ zu verstehen, d.h. er ist falsch. Denn Gott nahm tatsächlich, so glauben sie, nicht „Lehm der Erde“, sondern ein „tierisches Gewebe“, um daraus den ersten Menschen zu formen. Unser „Dozent“ will darin eine Parallele zur Formung Evas aus einer Rippe Adams erkennen.

Abgesehen davon, daß es nichts ändern würde und der angeblich beweiskräftige „Gendefekt“ auch dann nicht auf Adam übergegangen wäre, wenn Gott tatsächlich „Affengewebe“ für die Formung des ersten Menschenleibes genommen hätte – denn der Leib wird, wie wir gesehen haben, durch die Seele geformt, und wäre somit ohnehin ganz neu geworden –, fragen wir uns, wieso wir die Bildung des Leibes Evas aus der Rippe des Adam wörtlich nehmen sollen, während die Formung des Leibes Adams aus dem Lehm der Erde nur bildlich ist. Entweder beides hat sich so ereignet, wie es in der Heiligen Schrift geschrieben steht, oder beides ist nur ein Märchen und die Bibel ein nettes, aber wertloses Märchenbuch.

Mann und Frau

12. Der heilige Thomas von Aquin hat den Bericht von der Erschaffung Evas ebenso ernst genommen wie den von der Hervorbringung Adams. Darüber handelt er gleich in der folgenden Quaestio 92 des ersten Teils seiner „Summa“. Gegen gewisse frauenfeindliche Tendenzen seiner Zeit betont er mit der Heiligen Schrift, daß Gott auch die Frau gleich zu Beginn, noch vor dem Sündenfall, in einem eigenen Schöpfungsakt erschaffen hat (a. 1). Er führt dazu an die Stelle Gen 2, 18, da Gott spricht: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Lasset uns ihm eine Gehilfin machen, die ihm gleiche.“ Daß Adam eine Frau als Gehilfin und nicht ein Mann als Gehilfe gegeben wurde, deutet der engelgleiche Lehrer auf jenes Werk, welches nur Mann und Frau gemeinsam vollbringen können, nämlich die Erzeugung von Nachkommenschaft. Darum sei die Frau nicht, wie manche damals meinten, eine Art „Unfall“ und eher zufällig entstanden, sondern liege ganz in den Absichten der Natur und Gottes, der sie ebenso wie den Mann gleich zu Beginn erschuf.

Warum wurde nun die Frau aus der Rippe des Mannes hervorgebracht? Das untersucht der heilige Thomas ausführlich im zweiten Artikel. Er nennt dafür vier Gründe. Erstens sollte dem ersten Menschen seine Würde gewahrt bleiben, indem er als Gottes Ebenbild gleichsam zum Ursprung des ganzen menschlichen Geschlechts wurde, so wie Gott der Ursprung des ganzen Universums ist. Daher sagt der heilige Paulus, daß Gott „aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht hat“ (Apg 17, 26). Zweitens sollte dies dazu führen, daß der Mann seine Frau mehr liebt und ihr desto unverbrüchlicher anhange, da sie doch Fleisch von seinem Fleisch und Gebein von seinem Gebein ist. „Darum wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und beide werden ein Fleisch sein“ (Gen 2, 24). Der heilige Paulus nimmt darauf Bezug, wenn er an die Epheser schreibt: „So sind auch die Männer schuldig, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer sein Weib liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat noch sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er hebt und pflegt es, wie auch Christus die Kirche“ (Eph 5, 28 f).

Der dritte Grund besteht darin, daß Mann und Frau nicht nur zum Zwecke der Erzeugung von Nachkommenschaft verbunden sind wie bei den Tieren, sondern auch wegen des häuslichen Lebens, in welchem Mann und Frau verschiedene Tätigkeiten zukommen und der Mann das Haupt der Frau ist. Das hören Feministinnen natürlich nicht gerne. Der vierte Grund schließlich ist ein sakramentaler, denn durch die Entstehung Evas aus der Rippe Adams sollte das Hervorgehen der Kirche von Christus vorgebildet werden. Davon spricht wiederum der heilige Paulus an der genannten Stelle im Epheserbrief, wenn er fortfährt: „… weil wir Glieder seines (Christi) Leibes sind, von seinem Fleisch und von seinem Gebein. Darum wird der Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dieses Geheimnis ist groß, ich sage aber in Christus und der Kirche“ (Eph 5, 30-32). Damit ist nebenbei der ganze Unsinn von „Genderismus“ und „Ehe für alle“ vom Tisch gefegt.

Wieso aber war es ausgerechnet die Rippe? Dies wird uns in Artikel 3 erklärt. Erstens sollte dadurch angedeutet werden, daß es zwischen Frau und Mann eine Bindung nach Art von Gefährten geben sollte. Daher wurde die Frau nicht aus dem Haupt des Mannes gebildet, denn sie sollte nicht über ihn herrschen, sie sollte aber auch vom Manne nicht verachtet und gleichsam als Sklavin betrachtet werden, weshalb sie nicht aus seinen Füßen gemacht wurde. Sie sollte ihm als Gefährtin zur Seite stehen und wurde deshalb aus seiner Seite gebildet. Der zweite Grund ist wiederum der sakramentale, denn wie die Kirche durch die Sakramente von Blut und Wasser aus der Seitenwunde des am Kreuz entschlafenen Heilands hervorging, so wurde Eva aus der Seite des schlafenden Adam geformt. Der Aquinate geht auch auf den Einwand ein, wie Gott aus einer kleinen Rippe einen ganzen Körper gemacht haben soll. Er erinnert mit dem heiligen Augustinus daran, wie Christus mit fünf Broten eine Menge von fünftausend Menschen gespeist hat. Ebenso war es für Gott kein Problem, aus einer Rippe einen ganzen Leib zu formen.

Die letzte Frage der Quaestio lautet, ob die Frau tatsächlich unmittelbar von Gott erschaffen worden sei (a. 4). Selbstverständlich wurde sie das, sagt der engelgleiche Lehrer. Denn es gab nur zwei Möglichkeiten, wie sie entstehen konnte: Entweder durch natürliche Zeugung, die aber vor Erschaffung der Frau gar nicht möglich war, oder eben durch einen Schöpfungsakt Gottes. Einmal mehr verteidigt er damit die Würde der Frau, gemäß der Heiligen Schrift: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde; nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau erschuf er sie“ (Gen 1, 27). Die Einzahl, „schuf er ihn“, steht für die Mann und Frau gemeinsame geistige Natur und Würde als Ebenbild Gottes, die Mehrzahl, „schuf er sie“, steht für ihre geschlechtsbedingten Unterschiede.

13. Wollten wir, wie es unser „Dozent“ tut, nun eine Parallele ziehen zwischen der Hervorbringung der ersten Frau aus der Rippe des Mannes und der Hervorbringung des ersten Mannes aus „Affengewebe“, und wollten wir die Gründe des heiligen Thomas entsprechend anpassen, so ergäben sich folgende Aussagen: „Erstens sollte dem Affen seine Würde gewahrt bleiben, indem er als Gottes Ebenbild (!) gleichsam zum Ursprung des ersten Menschen und damit des ganzen menschlichen Geschlechts wurde, so wie Gott der Ursprung des ganzen Universums ist.“ Zweifellos eine Blasphemie! „Zweitens sollte dies dazu führen, daß der Affe den Menschen mehr liebt und ihm desto unverbrüchlicher anhange, da dieser doch Fleisch von seinem Fleisch und Gebein von seinem Gebein ist.“ Was für ein Unsinn! Drittens sollten Affe und Mensch auch im häuslichen Leben verbunden werden, „in welchem Affe und Mensch verschiedene Tätigkeiten zukommen und der Affe das Haupt des Menschen ist“. Kein Kommentar. Was schließlich die Anwendung auf Christus und die Kirche angeht, so wollen wir davon völlig schweigen, um uns nicht zu versündigen. Wir weisen nur darauf hin, daß der Teufel gerne als „Affe Gottes“ bezeichnet wird.

Was für einen ernsthaften Grund sollte es also geben, warum Gott den ersten Menschen ausgerechnet aus „Tiergewebe“ erschaffen haben soll, und das auch noch in Parallele zur Erschaffung Evas aus der Rippe Adams? Der „Dozent“ meinte, Gott habe damit eine „Verwandtschaft“ zwischen Mensch und Tier herstellen wollen. Nun kann zwischen Mensch und Tier keine Verwandtschaft bestehen. Eine solche basiert immer auf Zeugung. Eine bloße Verwendung organischer Materie würde ohnehin keine Verwandtschaft herstellen. Ganz abgesehen von den unsinnigen und blasphemischen Implikationen, die sich ergeben würden, wie wir gesehen haben.

14. Im Fazit bleibt uns festzustellen, daß die Harmonisierungsbemühungen zwischen Evolutionismus und katholischem Glauben gescheitert sind und auch scheitern mußten. Es gibt kein Sowohl-als-Auch zwischen kontradiktorischen Gegensätzen, sondern nur ein Entweder-Oder. Wofür wir als Katholiken uns zu entscheiden haben, steht fraglos fest. Wünschenswert wäre, daß die Katholiken das begreifen, daß sie ihr Inferioritäts-Denken überwinden und dem „neuen Weltbild“ der atheistischen materialistisch-evolutionistischen fälschlich so genannten „Wissenschaft“ wieder das klare Weltbild einer wahren, katholischen Wissenschaft entgegenstellen.

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