Katholische Familie heute

Zum Fest der Heiligen Familie scheint es sinnvoll, die jüngsten Entwicklungen etwas genauer in den Blick zu nehmen.

Am Neubau des Turmes von Babel wird nun schon über 300 Jahren gearbeitet. Eine neue Stadt soll gebaut, eine neue Gesellschaft errichtet, eine neue Weltordnung eingerichtet werden. Damit das möglich wird, muß die „alte“ Ordnung weichen, sie muß umfunktioniert oder zerstört werden. Diese „alte“ Ordnung ist hauptsächlich die christliche. Diese wird nun schon seit etwa drei Jahrhunderten systematisch demontiert. Bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein hat vor allem die katholische Kirche noch ihren ganzen internationalen Einfluß geltend gemacht, um dieses Zerstörungswerk aufzuhalten.

Von Anfang an entlarvten die Päpste die Pläne der Feinde Jesu Christi, sie deckten deren subversives Vorgehen und deren subversive Irrtümer auf. Unter dem Deckmantel der Freiheit wurde die Diktatur der Gottlosigkeit und Sünde propagiert. Der sog. Liberalismus war letztlich nichts anderes als eine Auflehnung gegen Gott und Seine Gebote in einem philosophischen Gewand. Lange Zeit konnten die Päpste aufgrund ihres weltweiten moralischen Einflusses mit Hilfe der Bischöfe die Katholiken vor der Verwirrung des Geistes bewahren. Dennoch wurde seit der Aufklärung der Widerstand dagegen allmählich geschwächt, viele Priester und Bischöfe verfielen zunächst den Irrtümern der modernen Philosophie, um sodann auch in die damit verbundenen Glaubensirrtümer hineingezogen zu werden.

Mit dem Tod Pius‘ XII. brach der letzte geordnete Widerstand zusammen, nur noch ein verschwindend kleiner Teil der Katholiken hat diesen Einbruch der Moderne in die Hierarchie noch als Bedrohung ihres übernatürlichen Glaubens wahrgenommen. Die meisten wollten nicht nur die Bequemlichkeiten, welche die moderne Technik ihnen zu bieten hatte, genießen, sondern auch den neuen Lebensstil annehmen. Daß dieser neue Lebensstil ideologisch vorgeprägt und gebunden war, wurde nicht mehr gesehen und die meisten wollten dies auch gar nicht mehr sehen. Das Glaubensfundament war schon zu brüchig geworden, und auf den Verrat der ganzen kirchlichen Hierarchie war fast niemand vorbereitet. In einer sorgfältig geplanten Nacht- und Nebelaktion, die man 2. Vatikanum nannte, wurde handstreichartig das Ruder übernommen und der Fürst dieser Welt zum Herrn erhoben, der Christkönig jedoch entthront. Auch das wurde nur noch von einer kleinen Minderheit richtig erkannt und gewertet.

Natürlich mußten die zum Feind übergelaufenen „Hirten“ zunächst noch ein scheinkonservatives Spiel spielen, um die armen Schafe nicht allzu sehr zu ängstigen oder womöglich sogar zum Widerstand zu reizen. Eigentlich war jedem wachen katholischen Geist deren modernistische Grundüberzeugung leicht erkennbar, weil doch das Schaffell der Wölfe schon recht löchrig war und sehr komisch wirkte. Wenn man nur wollte, konnte man es erkennen, hinter dem dialektischen Spiel zwischen dem konservativen Rom, den Bischöfen und den progressiven Theologieprofessoren verbarg sich ein gemeinsames Ziel: Die Revolution der neuen Weltordnung.

Sozusagen spielend soll das katholische Volk durch den modernistischen Irrglauben in den Massenabfall gelenkt werden. Wenn der Katholik heute um sich schaut, sieht er nur noch Ruinen. Die wahren Katholiken sind überall in der Diaspora, in der Zerstreuung. Den meisten Konservativen oder Traditionalisten fehlt es leider an dieser alles entscheidenden Grundeinsicht, wobei sie sich in den letzten Jahrzehnten den Zugang dazu selbst systematisch verbaut haben und so durch die Revolutionäre leicht zu deren Hilfstruppen umfunktioniert werden konnten. Ganz ehrlich, wer schützt die Revolution wirksamer als die sog. Konservativen und Traditionalisten, die Steigbügelhalter der Modernisten?

Die Deformierung der Moral

Nachdem die Feinde auf dem 2. Vatikanum die Glaubenslehre atomisiert hatten, wendeten sie sich auch sogleich der Moral zu. Ein Irrglaube hat auch immer eine falsche Moralvorstellung zur Folge, denken wir etwa an den Wüstling Martin Luther, für den selbstverständlich die Ehe ein weltlich Ding und kein Sakrament mehr war und der sogar ohne Bedenken Vielweiberei zuließ, wenn es nur seiner Sache nutzte.

In den Fragen der Moral war das Vorgehen der Zerstörer vorsichtiger und umsichtiger als auf dem Gebiet der Glaubenslehre. Erfahrungsgemäß ist nämlich der Mensch auf dem Gebiet der Praxis empfindsamer als bei der Theorie. Die praktischen Folgen sind schließlich viel spürbarer und konkret lebensprägend, wohingegen die Theorie leicht übersehen und zur Seite geschoben werden kann, weil sie ja angeblich nur Theorie ist.

Als Beispiel dazu soll nun das Vorgehen der Revolutionäre in der Frage der künstlichen Empfängnisverhütung dienen. Bei dieser grundlegenden Frage der katholischen Ehemoral wählten die Zerstörer ein anderes Vorgehen als sonst. Hier zeigte sich Rom ganz unnachgiebig und prangerte mit klarer Sprache den Mißbrauch der Ehe an. Montini alias Paul VI. legte die katholische Lehre in seiner Enzyklika „Humanae vitae“ dar, wenn auch schon mit modernem Gedankengut durchmischt. Erwartungsgemäß stieß die von Montini verkündete Lehre auf großen Widerstand.

Auf der „Online“-Enzyklopädie „Wikipedia“ ist dazu zu lesen: „Der Theologe Johannes Neumann äußerte in einem Rundfunkinterview, das in Humanae Vitae vertretene Weltbild sei ‚anachronistisch‘. Das kirchliche Lehramt verkünde nicht die frohe Botschaft, sondern verstehe sich als ‚Lehrerin der Völker‘ und ignoriere zudem medizinisch oder soziologisch anerkannte Tatsachen… Der deutsche Moraltheologe Alfons Auer sieht mit der Enzyklika einen Wendepunkt des katholischen Lehramtes erreicht. Mit Humanae vitae sei eine bestimmte Form verbindlichen lehramtlichen Sprechens über Fragen der sittlichen Lebensgestaltung ‚unverkennbar an ihre Grenze gekommen‘ und habe damit sich selbst in Frage gestellt.“ Seine Entschiedenheit in dieser Frage der Ehemoral brachte Montini den Spitznamen „Pillenpapst“ ein.

Das persönliche, irrige Gewissen über dem inspirierten, unfehlbaren Lehramt

Während sich das modernistische Rom hier also noch als Bollwerk der katholischen Moral betätigte, zeigten sich die Bischöfe viel flexibler und dem modernen Lebensstil mit seiner sexuellen Freiheit entgegenkommender. In Deutschland gab es die sog. Königsteiner Erklärung, in der die deutschen Bischöfe die Entscheidung über die Frage der künstlichen Empfängnisverhütung dem persönlichen Gewissen überließen. Mehrere Bischofskonferenzen anderer Länder folgten dem deutschen Beispiel. Professor May schrieb einmal, daß durch diese Erklärungen ganze Bischofskonferenzen schismatisch wurden, wobei er bezeichnenderweise keinerlei Konsequenzen aus dieser Einsicht zog – und zudem geflissentlich etwas Wesentliches übersah: Rom rügte nämlich die Bischofskonferenzen in keiner Weise ob ihres Ungehorsams, sondern duldete diesen Abfall ganzer Länder von der katholischen Morallehre stillschweigend. Seitdem war also in der Tat die katholische Morallehre zumindest in den meisten westlichen Ländern außer Kraft gesetzt. Jeder Katholik konnte und durfte sich gegen Gottes Gebot und die Lehre der Kirche auf sein eigenes irrendes Gewissen berufen!

Da diese Erklärungen der Bischofskonferenzen niemals zurückgenommen wurden, weil die Römer es niemals verlangten, ist das im Grunde genommen immer noch der „status quo“, also die geltende Rechtsregelung in der Menschenmachwerkskirche. Dabei ist es gar nicht einzusehen, warum dasselbe, wenn es bezüglich der Lehre der Kirche in dieser Frage möglich ist, es nicht auch bei anderen Lehren möglich sein und gelten sollte. So stimmt zumindest insgesamt gesehen das oben zitierte Urteil Alfons Auers, damit hat sich tatsächlich eine bestimmte Form verbindlichen lehramtlichen Sprechens selbst in Frage gestellt. Wir haben in unserer Broschüre „Vom Lehramt zum Leeramt“ ausführlich darüber gehandelt.
Es zeigt sich wieder einmal, wie sehr die Anhänger der Konzilssekte an Gedächtnisschwäche leiden, wenn sie jetzt meinen, sich über die „Liebesfreud’“ (Amoris laetitia) ihres Herrn und Meisters in Rom, Jorge Mario Bergoglio, so sehr erregen zu müssen. Letztlich erlaubt er jetzt den geschiedenen Wiederverheirateten nur das, was die meisten Bischöfe der Welt damals schon allen Katholiken bezüglich der Sexualmoral erlaubten, nämlich sich auf ihr eigenes irriges Gewissen zu verlassen – und zwar ausdrücklich gegen das göttliche Gebot und die Lehre der Kirche!

Die Königsteiner Erklärung

Nur dann, wenn man diese Tatsache bedenkt und entsprechend ernst nimmt, kann man auch das totale Versagen der deutschen „Bischöfe“ dieser Menschenmachwerkskirche bei der Verteidigung der katholischen Familie verstehen. Mit der Königsteiner Erklärung war die katholische Familie schon ins Mark getroffen, standen doch damit die meisten katholischen Eltern (d.h. alle, die ihren „Bischöfen“ Glauben schenkten) nicht mehr auf dem Boden einer dem göttlichen Gebot entsprechenden Ehemoral. In der UNA VOCE – KORRESPONDENZ vom März/April 1987 wird Prof. Georg May mit folgendem Urteil zitiert: „In der Königsteiner Erklärung vom 30. August 1968 mahnten die deutschen Bischöfe den Klerus, ‚insbesondere in der Verwaltung der hl. Sakramente die verantwortungsbewußte Gewissensentscheidung der Gläubigen‘ – d.h. die Entscheidung gegen die zum Glaubensgut gehörende amtliche, vom Papst eingeschärfte Sittenlehre – zu achten. Hier wurden die Priester mit bischöflicher Autorität gezwungen, gegen Grundsätze des Glaubens und gegen ihr mit der Lehre der Kirche übereinstimmendes Gewissen zu handeln“ (S. 68).

Die deutschen „Bischöfe“ haben also mit der Königsteiner Erklärung ihre Priester gezwungen, „gegen Grundsätze des Glaubens und gegen ihr mit der Lehre der Kirche übereinstimmendes Gewissen zu handeln“. – Warum aber haben sich die Priester das eigentlich gefallen lassen, obwohl sie immerhin ihren „Papst“ auf ihrer Seite hatten und sich gegen ihren „Bischof“ auf diese Enzyklika des Papstes berufen konnten? Waren etwa auch die meisten Priester ebenfalls schon vom katholischen Glauben abgefallen, denn dieser hätte doch von ihnen gefordert, dem Bischof mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten? Zudem betraf diese Fehlentscheidung der „Bischöfe“ das Fundament der katholischen Ehemoral, weshalb die Auswirkungen, wie Prof. May zu bedenken gibt, verheerend sein mußten: „Die deutschen Bischöfe haben mit ihren Erklärungen eine schwere Verantwortung auf sich geladen. Sie tragen dazu bei, daß sich die Gläubigen ein falsches Gewissen bilden. Mit ihrer wiederholten irreführenden Stellungnahme zu der Frage der Empfängnisverhütung ist eine Entwicklung eröffnet worden, die, wenn sie konsequent durchgeführt wird, zur Zerstörung der gesamten katholischen Sittenlehre führen muß“ (Ebd.).

Heute wissen wir, damit hat Prof. May zweifelsohne Recht gehabt und auch Recht behalten. Denn wenn eine Familie ihr Leben schon auf einer Sünde aufbaut, wie soll auf dieser noch der Segen Gottes ruhen? Und wenn diese „Bischöfe“ hier einmal die Sünde zugelassen haben und sogar ihre Priester dazu zwingen, diese Sünde ebenfalls zuzulassen, was wollen sie dann eigentlich in anderen Fällen noch sagen? Daß damit nicht nur die Moral bei den meisten Katholiken, sondern auch bei den „Bischöfen“ zerstört worden war, zeigte sich in der Folge immer mehr. So haben diese „Bischöfe“ etwa jahrelang die Abtreibung aktiv unterstützt und unterstützen sie auch heute noch weitgehend, wenn auch „nur noch“ passiv. Sobald man all das nur einigermaßen ernst nimmt, wundert einen nicht mehr, wenn der sittliche Verfall des Klerus mit Riesenschritten voranschreitet. In einem Bild bringt Prof. May seinen Eindruck zu Papier: „Es ist erschütternd, zu sehen, wie das Licht, das Vernunft und Offenbarung über die sittliche Ordnung der Geschlechtlichkeit verbreiten, von den Bischöfen unter den Scheffel gestellt wird“ (S69f). Wobei das Bild sicherlich noch als eine Beschönigung des Sachverhalts bezeichnet werden muß, denn die Bischöfe stellen das Licht nicht nur unter den Scheffel, sie verbreiten vielmehr selbst überall Finsternis.

Es sei nochmals auf die Tatsache hingewiesen, die von Prof. May bezeichnenderweise nicht thematisiert wurde: Rom hat diese „Bischöfe“ niemals dazu gezwungen, ihre Erklärungen zurückzuziehen! Vielmehr wurden alle „Bischöfe“ weiter in ihrem Amt belassen, also jahrzehntelang stillschweigend als Zerstörer der katholischen Moral geduldet. Das mag mithin ein Grund sein, weshalb sich jetzt die Konservativen und Traditionalisten so über Bergoglios „Liebesfreud‘“ ereifern, ignorierten sie doch diese Tatsachen und taten jahrzehntelang so, als wäre wenigstens im Bereich der Sitte kirchlicherseits noch alles in Ordnung. Dabei folgte in der Tat dem Abfall vom katholischen Glauben unmittelbar der Abfall von der katholischen Sittenlehre auf den Fuß. Nur drei Jahre nach dem sog. 2. Vatikanum wurde der Abfall von der katholischen Moral ebenfalls öffentlich und für alle wahrnehmbar erklärt. Nur kümmerte sich kaum noch jemand darum, war doch der neue moderne Lebensstil für den erbsündlich geschwächten Menschen allzu verlockend.

Nur auf diesem Hintergrund ist auch verständlich, daß heute überhaupt nichts mehr von diesen „Bischöfen“ zur Verteidigung der katholischen Familie gegen die vielfältigen staatlichen An- und Eingriffe getan wird. Vielmehr verschanzen sich diese hinter den 17 Theologieprofessoren, die unlängst ein „Umdenken der katholischen Kirche bei Sexualmoral und Familie“ gefordert haben. Und Mitte Januar 2014 machte der Freiburger Diözesanverband des „Bundes der Deutschen Katholischen Jugend“ auf sich aufmerksam, indem er verkündete: „Katholische Jugendverbände sind für die Förderung der Akzeptanz sexueller Vielfalt im neuen Bildungsplan.“ Eine derartige Verwirrung der jugendlichen Geister ist in keiner Weise überraschend, da ihnen doch seit über 50 Jahren die kirchliche Führung vollkommen fehlt.

Eine Ansprache des russischen Präsidenten

Man muß sogar feststellen, während der Westen völlig im moralischen Morast unterzugehen droht, bemüht sich der ehemalige kommunistische Osten, wieder ein wenig Boden unter den Füßen zu gewinnen. Das heutige Rußland unternimmt den mühsamen und langwierigen Versuch, sich aus dem Lügenwirrwarr des misslungenen Konstruierens des neuen Menschen herauszuwühlen und zurückzufinden zu den altbewährten Grundwahrheiten des menschlichen Seins, welche im und mit dem christlichen Glauben über Jahrhunderte bewahrt wurden und zur Rettung der Familie unerläßlich sind. Der russische Präsident Wladimir Putin gab am 19. September 2013 auf dem Internationalen Diskussionsklub Valdai zu bedenken: „Ohne moralische Werte, die im Christentum (….) begründet liegen, ohne Normen und Werte, die sich Jahrtausende lang formuliert und entwickelt haben, werden die Menschen unvermeidlich ihre Menschenwürde verlieren und zu Unmenschen werden.“

Mit seinem Vortrag wendet sich der russische Präsident an jene Minderheit, die noch bereit ist, den Kampf gegen den Bau des neuen Menschen in einer neuen Welt aufzunehmen. Wobei man den Eindruck gewinnt, er weiß sehr wohl, mit welch teuflischen Methoden heute jeder Versuch schon im Ansatz unterdrückt wird, die durch Jahrhunderte hindurch bewährten christlichen Wahrheiten auch nur auszusprechen. Während man also im Osten aus dem Desaster der Vergangenheit zu lernen versucht und die Familie wieder durch die Politik stärken möchte, läuft man im Westen immer schneller dem Abgrund entgegen. Dabei ist es hier genauso wie bei der katholischen Ehemoral und dem Verhalten der Bischöfe. Die Sache hat eine viel weiter zurückreichende Wirkgeschichte als man gemeinhin meint. Schon lange vor der Parteigründung der Grünen hat der Ungeist der 68er Revolution Eingang in die Politik gefunden.

Noch während der Regierungszeit von Helmut Schmidt wurde dafür gesorgt, daß die christliche Familie zum Feindbild erklärt wurde. In dem Zweiten Familienbericht wurden damals unter Einfluß der Theorien und der revolutionären Ziele der 68er-Revolten neue Theorien ausformuliert. Im ganz und gar kommunistischen Jargon wurde behauptet, die bürgerliche Familie stelle eine durch patriarchalische Gewalt zusammengehaltene Zwangsgemeinschaft dar, in der vor allen Dingen die Frau und die Kinder ausgebeutet und unterdrückt würden. Wörtlich heißt es darin: „Die Familie tradiert und stabilisiert das bestehende System sozialer Ungleichheit. Dies lässt sich nur in dem Maße durchbrechen, in dem der Sozialisationseinfluss der Familie zurückgedrängt wird.“ Die Eltern-Kind-Beziehung braucht nicht aufgegeben zu werden, „lässt sich aber aufbrechen“, doch „nur die vollständige Preisgabe der Familie und damit einhergehend eine totale Kollektivierung der Erziehung würde die Chance schaffen, im Sozialisationsprozess den Kindern gleiche Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten“.

Wie man sieht, wurde in den vergangen Jahrzehnten ganze Arbeit geleistet, denn diese Ideologie ist heute Allgemeingut fast aller Parteien. In der Folge dieser Ideologie wird die Grundlage jeder wahren Bildung des Kindes ausgehebelt, nämlich die Herzensbildung durch die vom Schöpfer der Mutter geschenkte Liebe. Für die Erbauer des neuen kommunistischen Menschen muß die Mutter in den Prozess der wirtschaftlichen Produktion eingespannt werden, während man die Kinder in den Kitas kaserniert.

Vielleicht wird manchem beim Lesen dieser Zeilen besser verstehbar, weshalb die Mauer 1989 nicht in den Osten hinüber, sondern in den Westen herüber gefallen ist, d.h. warum wir seitdem vollkommen kommunistisch infiltriert wurden.

Der Zweite Familienbericht von 1975

Dieser Zweite Familienbericht von 1975 forderte zudem, daß „nicht legalisierte Partnergemeinschaften, Wohngemeinschaften, Kollektive etc. gegenüber der historischen Form der heutigen ‚Normalfamilie‘ nicht diskriminiert werden dürfen“. Wer sich im politischen Jargon ein wenig auskennt, weiß, was damit gesagt werden soll: Die „Normalfamilie“ ist nunmehr zur allseitigen Diskriminierung freigegeben. Manche Politiker getrauen sich inzwischen das Wort „Familie“ schon gar nicht mehr in den Mund zu nehmen, geschweige denn wirklich irgendetwas Vernünftiges für die Familie zu tun. Wer sich jedenfalls heute über die allgegenwärtige familienfeindliche Politik wundert, der hat die letzten Jahrzehnte verschlafen.

Dabei sollte jedem Katholiken unmittelbar klar sein, wessen Geistes Kind diese Politik ist. Mit der Zerstörung der Familie wird jegliche Identität des Kindes zerstört und somit das Kind jeder Manipulation ausgeliefert. Ein Kind aber, das keine Identität mehr hat, kommt mit dem Leben nicht mehr zurecht und wird infolgedessen psychisch krank. Deswegen sind inzwischen die meisten Kinder und Jugendlichen verhaltensauffällig, weil ihnen nämlich eine der menschlichen Natur gemäße Entwicklung in einer Familie versagt wurde. Wenn heute immer mehr Kinder die Hilfe eines Psychiaters brauchen, dann zeigt diese Tatsache zunächst vor allem eins: Diese Gesellschaft ist krank, todkrank!

Da wir als moderne Menschen schon in diese kranke Gesellschaft hineingeboren wurden, fällt es uns recht schwer, uns noch eine gesunde Gesellschaft vorzustellen. Hierbei können uns jedoch Texte aus jenen Zeiten helfen, in denen die christliche Sittenordnung noch allgemein prägend war. Der österreichische Dichter Adalbert Stifter schreibt etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts:

„Daher also ist die Familie, der Inbegriff von Eltern und Kindern, die natürlichste und innigste Körperschaft auf Erden. Durch diese Bande wird der Mensch erst sanft, gut und mitleidig, er wird ein Wächter der Sitte und der Zukunft, der ja seine Kinder angehören. Wo der Hausvater keinen glücklicheren Ort kennt als sein Haus, dessen Dach sein Liebstes deckt, als seine Hütte, in der die Seinigen sind, als seinen Tisch, an dem er die fröhlichen Kinder um sich eint …, da ist das Land angefüllt mit edlen und gelassenen Menschen, die den Staat wieder wie eine größere Familie anschauen, dessen Gesetze befolgen, sie auf ruhigem Wege einer reineren Verbesserung zuführen und an der Dauer und Festigkeit guter Einrichtungen arbeiten.
Die Familie ist es, die unseren Zeiten nottut; sie tut mehr not als Kunst und Wissenschaft, als Verkehr, Handel, Aufschwung, Fortschritt oder wie alles heißt, was begehrenswert erscheint. Auf der Familie ruhen die Kunst, die Wissenschaft, der menschliche Fortschritt, der Staat. Wenn Ehen nicht beglücktes Familienleben werden, so bringst du vergeblich das Höchste in der Wissenschaft und Kunst hervor, du reichst es einem Geschlechte, das sittlich verkommt, dem deine Gabe endlich nichts mehr nützt und das zuletzt unterläßt, solche Güter hervorzubringen.“

Das Glück der Familie besteht nicht in sich selbst, es ruht seinerseits auf dem Glück der Ehegatten auf. Unser göttlicher Erlöser hat das Glück der Familie im Neuen Bund neu begründet, indem er das Sakrament der Ehe eingesetzt hat. Da die vielen Verlautbarungen, die zu diesem Thema in den letzten Jahrzehnten aus Rom kamen, schon nicht mehr mit der katholischen Lehre übereinstimmten, sei hier ein Auszug aus der Eheenzyklika Papst Pius‘ XI. wiedergegeben. Der Ernst der Sprache und die Klarheit der Gedanken bilden einen wohltuenden Kontrast zu all dem modernen Geschwätz.