Gesellschaft

Katholische Familie heute

Der reinen Ehe Hoheit und Würde

10. Kapitel aus dem Rundschreiben Pius‘ XI. „Casti conubii

Die Ehe von Gott
Nicht von Menschen ist die Ehe eingesetzt und wieder hergestellt worden, sondern von Gott. Nicht von Menschen, sondern vom Urheber der Natur selbst, von Gott und vom Wiederhersteller der Natur, Christus dem Herrn, ist sie durch Gesetze gesichert, ist sie gefestigt und erhoben worden. Diese Gesetze können also in keiner Weise dem Gutdünken von Menschen unterworfen sein.

Das Gut des Kindes
Die erste Stelle unter den Gütern der Ehe nimmt das Kind ein. So hat es der Schöpfer des Menschengeschlechtes, der sich in seiner Güte zur Weitergabe des Lebens der Menschen als seiner Gehilfen bedienen wollte, selbst gelehrt, indem er im Paradies bei der Einsetzung der Ehe zu den Stammeltern, und in ihnen zu allen künftigen Gatten sprach: Wachset und mehret euch und erfüllet die Erde. Welch eine Wohltat Gottes und welch ein Ehesegen das Kind ist, erhellt aus der Würde und dem hohen Ziele des Menschen. Die christlichen Eltern mögen außerdem bedenken, daß es auch ihre Aufgabe ist, der Kirche christliche Nachkommenschaft zuzuführen, damit das dem Dienste Gottes geweihte Volk von Tag zu Tag zunehme. Mit der Schenkung neuen Lebens ist aber das Gut der Nachkommenschaft noch keineswegs erschöpft. Ein anderes muß noch hinzukommen, nämlich die erforderliche Erziehung des Kindes. Völlig unzureichend hätte ja der allweise Gott für das neugeborene Kind und damit für das ganze Menschengeschlecht gesorgt, wenn er nicht auch das Recht und die Pflicht der Erziehung denen zugewiesen hätte, denen er die Fähigkeit und das Recht der Weckung des Lebens gegeben hat.

Das Gut der Treue
Das zweite Gut der Ehe ist die Treue. Sie besteht in der gewissenhaften Einhaltung des Ehevertrages durch beide Gatten, so daß, was nur dem anderen Teil zusteht, weder diesem verweigert, noch einem Dritten zugestanden, und daß ferner nicht dem eigenen Gatten gestattet wird, was dem göttlichen Recht und Gesetz zuwiderläuft, mit der ehelichen Treue unvereinbar ist und deshalb niemals erlaubt sein kann. Daher verlangt die eheliche Treue an erster Stelle unbedingt eine Einehe. Die eheliche Treue verlangt außerdem, daß Gatte und Gattin durch eine besondere, reine, heilige Liebe miteinander verbunden sind; daß sie sich nicht lieben wie solche, die keine Ehetreue kennen, sondern wie Christus seine Kirche geliebt hat.

Ordnung der Liebe
In der Familiengemeinschaft, deren festes Gefüge die Liebe ist, muß dann auch die Ordnung der Liebe zur Geltung kommen. Sie besagt die Überordnung des Mannes über Frau und Kinder und die willfährige Unterordnung, den bereitwilligen Gehorsam von seiten der Frau. Die Unterordnung der Gattin unter den Gatten leugnet und beseitigt nun aber nicht die Frei­heit, die ihr auf Grund ihrer Menschenwürde mit vollem Recht zusteht. Sie verlangt auch nicht von ihr, allen möglichen Wünschen des Mannes zu willfahren, auch denen, die vielleicht unvernünftig sind oder der Frauenwürde weniger entsprechen. Was sie aber verbietet, ist Ungebundenheit und übersteigerte Freiheit ohne Rücksicht auf das Wohl der Familie. Was sie verbietet, das ist, im Familienkörper das Herz vom Haupt zu trennen zum größten Schaden, ja mit unmittelbarer Gefahr seines völligen Unterganges.

Unauflöslichkeit der Ehe
Was die Unauflöslichkeit des Ehebundes betrifft, so betont sie Christus selbst mit den eindringlichen Worten: Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen. Diese unantastbare Festigkeit gehört doch zu allen wahren Ehebündnissen. Denn jenes Wort des Herrn: ‚Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen‘, ist von der Ehe der Stammeltern dem Ur- und Vorbild jeder zukünftigen Ehe gesagt und muß folgerichtig von allen wahren Ehen ohne Ausnahme gelten.
Welch ein reicher Segen aus der Unauflöslichkeit der Ehe fließt, kann uns nicht entgehen, wenn wir auch nur flüchtig an das Glück der Ehegatten und Kinder, sowie an das allgemeine Wohl der menschlichen Gesellschaft denken.

Die Gnaden der Ehe
Die Ehe als Sakrament enthält außer der unlösbaren Festigkeit noch viel erhabenere Werte. Weil Christus den gültigen Ehevertrag zwischen Gläubigen zum sakramentalen Gnaden­zeichen bestimmt hat, ist das Wesen des Sakramentes mit der christlichen Ehe so innig verbunden, daß es zwischen Getauften keine wahre Ehe geben kann, die nicht zugleich Sakrament wäre.
Die Gläubigen öffnen sich deshalb von selbst dadurch, daß sie sich aufrichtigen Sinnes das Jawort geben, die Schatzkammer der christlichen Gnade, um daraus die übernatürlichen Kräfte zu schöpfen, die sie befähigen, ihre Pflichten und Aufgaben treu, heilig und beharrlich bis zum Tode zu erfüllen. Denn in jenen, die kein sogenanntes Hindernis entgegenstellen, vermehrt dieses Sakrament nicht nur die heiligmachende Gnade, sondern es fügt besondere Gaben hinzu, gute seelische Regungen, ja es erhebt und vervollkommnet sogar noch die natürlichen Kräfte, damit die Ehegatten ihre Aufgaben, Zwecke und Pflichten nicht nur verstandesmäßig erfassen, sondern ebenso innerlich verkosten, beharrlich festhalten, ernstlich wollen und im Werk vollbringen können. Das Sakrament verleiht ihnen das Recht auf wirksame Gnadenhilfe, die so oft zu erflehen ist, als sie deren zur Erfüllung ihrer Standespflichten bedürfen.

Mißbrauch der Ehe
Viele gehen so weit, die Nachkommenschaft eine beschwerliche Ehelast zu nennen und den Rat zu geben, die Eheleute sollten das Kind nicht durch ehrbare Enthaltsamkeit, sondern durch Verkehrung des natürlichen Aktes fernhalten. Solche verbrecherische Freiheit nehmen einige für sich in Anspruch, weil sie aus Widerwillen gegen den Kindersegen die Last vermeiden, aber trotzdem die Lust genießen wollen; andere, weil sie angeblich keine Enthaltsamkeit beobachten, aber auch nicht den Kindersegen zulassen können, da es ihre persönlichen Verhältnisse oder die der Mutter oder die schwierige Vermögenslage nicht ge­statten.
Aber es gibt keinen auch noch so schwerwiegenden Grund, der etwas innerlich Naturwidriges zu etwas Naturgemäßem und sittlich Gutem machen könnte. Da nun aber der eheliche Akt seiner Natur nach zur Weckung neuen Lebens bestimmt ist, so handeln jene, die ihn bei seinem Vollzug absichtlich seiner natürlichen Kraft berauben, naturwidrig und tun etwas Schimpfliches und innerlich Unsittliches.

Verletzung der Treue
Die Treue tasten jene an, die die Meinung vertreten, man müsse den Zeitanschauungen über gewisse falsche und durchaus nicht harmlose Freundschaften mit dritten Personen in etwa Rechnung tragen. Sie verfechten die Ansicht, man müsse den Ehegatten hier nach außen eine größere Denk- und Bewegungsfreiheit zugestehen. Daher halten sie die strenge Anschauung ehrbarer Gatten für eine rückständige Enge des Geistes und des Herzens oder sehen in ihr unwürdige und verächtliche Eifersucht. Und darum wollen sie auch, daß alle staatlichen Strafgesetze über die Wahrung der ehelichen Treue für wirkungslos erklärt werden.
Edelgesinnte und keusche Gatten werden schon aus dem unmittelbaren natürlichen Empfinden heraus alle diese Dinge als eitel und schimpflich zurückweisen und verachten. Die Stimme der Natur erhält hier ihre volle Bestätigung und Bekräftigung durch das Gottesgebot: Du sollst nicht ehebrechen! Keine menschlichen Gepflogenheiten, keine verkehrten Beispiele, keine Art angeblichen, menschlichen Fortschrittes können jemals die Verpflichtung dieses Gottesgebotes entkräften.
Verletzung der Liebe
An Stelle der echten und wahren Liebe, die das Fundament des Eheglücks und der innigsten Seelengemeinschaft ist, setzen die heutigen Feinde der Ehe eine mehr triebhafte Übereinstim­mung und Zuneigung, die sie Sympathie nennen. Hört sie auf, so lockert sich, wie sie behaupten, das Band, durch das allein die Gatten miteinander verbunden sind, ja, es wird völlig gelöst. Was heißt das anders als ein Haus auf Sand bauen, das beim ersten Ansturm der Wogen des Unglücks sofort ins Wanken gerät und einstürzt? Das Haus hingegen, das auf den Felsen der echten, gegenseitigen Liebe der Gatten gebaut ist, einer Liebe, die durch die klar gewollte und dauernde Eintracht der Seelen gefestigt wird, kann durch kein Unglück erschüttert oder auch nur schadhaft gemacht werden.

Die Mischehe
Schwer und oft nicht ohne Gefahr für ihr ewiges Heil fehlen jene, die ohne triftigen Grund und leichtsinnig eine Mischehe eingehen, vor der die mütterliche Liebe und Vorsicht der Kirche ihre Kinder aus den gewichtigsten Gründen abhält. Wenn auch die Kirche zuweilen mit Rücksicht auf die Zeiten, Verhältnisse und Personen eine Dispens von diesen strengen Vorschriften nicht verweigert, so läßt sich doch nur schwer ein ernster Schaden des katholischen Teiles aus solcher Ehe vermeiden.
Nicht selten kommt es bei Mischehen dazu, daß sich die Kinder in beklagenswerter Weise von der Religion abwenden oder wenigstens, und zwar überraschend schnell, in den sogenannten religiösen Indifferentismus verfallen, der der Religionslosigkeit und völligen Gottentfremdung sehr nahe steht. Außerdem gestaltet sich in den Mischehen jene lebendige einheitliche Formung der Seelen viel schwieriger, die das erwähnte große Geheimnis, die geheimnisvolle Verbindung der Kirche mit Christus nachahmt.
Nur zu leicht wird auch die Einheit und Einigkeit der Herzen versagen. Denn das Band, das die Herzen aneinanderfügt, löst sich ganz oder lockert sich wenigstens, wenn in dem Letzten und Höchsten, was dem Menschen heilig ist, nämlich in den religiösen Wahrheiten und Anschauungen Ungleichheit der Ansichten und Verschiedenheit der Bestrebungen sich geltend machen. Daraus entsteht die Gefahr, daß die Liebe zwischen den Gatten erkaltet, der häusliche Friede und das Familienglück erschüttert werden, die ja in erster Linie nie aus der Herzenseinheit hervorwachsen.

Der Wahnsinn der Genderideologie

Eine der radikalsten und zerstörerischsten Zwangsmaßnahmen des modernen Staates ist die mit Milliarden an EU Fördermitteln verbreitete Genderideologie. Wer die Wirklichkeit der zwei Geschlechter leugnet und sie durch eine Mehrheit von Geschlechtern ersetzen will – „man hat nicht ein Geschlecht, sondern man verhält sich entsprechend“ –, der muß schon von einem satanischen Haß gegen das Menschengeschlecht erfüllt sein, denn er zerstört damit die natürliche Grundlage des Menschseins.

Es ist der breiten Öffentlichkeit bislang weitgehend entgangen, daß in den staatlichen Kitas bereits für drei- bis sechsjährige ein Genderumerziehungsprogramm vorgesehen ist. So hat etwa in Baden-Württemberg das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren eine entsprechende Arbeitshilfe herausgegeben. Verfasst wurde diese Arbeitshilfe von dem Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts (SOWIT), einem Dipl.-Pädagogen und Dipl.-Theologen(!). In dem Papier heißt es: „Geschlechter werden gemacht, können aber auch neu ausgebildet und verbessert werden…..“ Alle Ausführungen sind von der Hybris durchzogen, man könne und müsse die menschliche Natur, die Familie und die Gesellschaft „korrigieren“. D.h. man muß nun alles besser machen als der Schöpfer – an den man natürlich nicht mehr glaubt. Über die Kitas soll die traditionelle Familie umgeformt werden und die traditionellen „Rollenmuster“ der Familie ausgemerzt werden. Auf diese Weise sollen in den Kitas – also für Dreijährige! – „Respekt und Toleranz für die moderne Vielfalt von Geschlechterrollen, Geschlechteridentitäten und Familienformen“ anerzogen werden. Mit anderen Worten: In den Kinderkrippen soll der beliebig manipulierbare Massenbürger für die neue Weltordnung geformt werden.

Um unmittelbar einsehen zu können, wie krank diese Vorstellungen sind, und welch irreparable Schäden für die Psyche der Kinder aus diesen grausamen Menschenversuchen entstehen, soll als Kontrast ein „alter“ Text wiedergegeben werden, in dem noch vollkommen die christliche Wertewelt gegenwärtig ist.

Vom rechten Vater und der guten Mutter

Aus den Schriften des Gesellenvaters Adolf Kolping

Lob des Vaters
Der Vater ist der Stellvertreter Gottes im Kreise der Seinen. Hier in seinem Hause ist er das Abbild des Schöpfers und Erhalters, hier ist er Herr und König im reinsten, edelsten, etwas mehr noch als bloß menschlichem Sinne, hier ist er Vater. Seine Kraft schafft, seine Kraft trägt, seine Kraft hebt das Ganze.
Wie und weil er Gottes Stellvertreter ist in seiner Familie, so hat er vor allen Dingen sich dem unterzugeben, den er vertritt, aber den Seinen gegenüber auch den darzustellen, in dessen Namen er wirken soll.
Des Mannes Liebe sei ein Abglanz der Liebe Gottes im Hause gegen die Seinen. Wie Gott nur das wahre, ewige Wohl seiner Kinder im Auge hat, so soll der Mann das ewige Wohl der Seinen unter allen Umständen fest und sicher im Auge behalten. Wie Gott mit heiliger Gerechtigkeit und doch mit unerschöpflicher Güte die Menschen behandelt, so soll der Vater der Familie heilige Gerechtigkeit gegen die Seinen üben, ohne je das Vaterherz zu verleugnen. Wie Gott mit allumfassender Sorge das Schicksal der Menschen lenkt, so soll der Hausvater das Wohl und Wehe der Seinen zum eigenen machen.
Von den Frauen und Müttern hängt nicht die Hauptsache ab, sondern von den Männern und Vätern. Und daß sie aus der Art geschlagen sind, daß sie im praktischen Christentum erlahm­ten oder gar aus ihm herausgeraten sind, das ist ein Schaden, der sich durch gar nichts anderes reparieren oder gar ausgleichen läßt. Mich dünkt, man überschätzt leicht die meist einseitige Frömmigkeit der Frauen und schlägt ihren Einfluß auf die Erziehung jedenfalls viel zu hoch an. Wen hat denn Gott der Herr zunächst und zu allererst nach seinem Ebenbild geformt, wenn nicht den Mann? Wen hat er so recht eigentlich zum Herrn, d. h. zu seinem Stellvertreter auf Erden gemacht, wenn nicht den Mann? Wem ist das Weib zur Gehilfin beigesellt, wenn nicht dem Manne? Wer ist das Haupt, also auch die Hauptsache in der Familie, wenn nicht der Mann? Nach welchem Namen wird sie genannt? Wer muß für sie einstehen, in Ehre und Schande, wer sie ernähren, wer soll naturgemäß sie leiten, wenn nicht der Mann? Wessen Ebenbilder sollen deshalb vorzüglich die Kinder werden, nach wessen Art werden sie naturgemäß am leichtesten ausschlagen, wenn nicht des Vaters? Mich dünkt, der Mann sei nun einmal nicht umsonst das Haupt des Hauses, ihm werde das Weib nicht umsonst angetraut, daß es ihm folgen soll auf seinen Lebenswegen. Weil er das Haupt des Hauses ist, der erste Stellvertreter Gottes, deswegen liegt ihm auch von Gottes und Rechts wegen die Hauptsache in der Erziehung auf der Seele.
Von den Männern muß die Umkehr zum Besseren kommen, von den Männern muß das Glück in den Familien seinen Anfang nehmen, oder es kommt schwerlich hinein.
Des Mannes Liebe sei ein Abglanz der Liebe Gottes im Hause gegen die Seinen.
Wenn der Mann rechtschaffene Religion hat, dann hat die Frau im Manne ihren irdischen Himmel.
Des Vaters Liebe ist wohl stark und groß; aber der Mutter Liebe ist reich und innig.
Wenn der Mann rechtschaffene Religion hat, welch ein Glück für die Frau!
Wahrlich selig ist auch die Frau, die einen guten Mann hat!
Wenn der Mann wahrhaft Religion hat in Wort und Tat, dann hat die Frau auch gründlich Respekt vor ihm, dann ehrt sie ihn auch willig als ihr Haupt.

Lob der Mutter
Daß ich deine Brust getrunken und nicht die Brust einer fremden Amme, ob auch darüber eine Falte mehr sich in dein ehrwürdiges Antlitz gelegt — mir noch mit grauen Haaren ein Ehrenzug in deinem mütterlichen Angesichte —, daß deine Arme mich getragen, deine Hände mich gepflegt, daß ich habe täglich tief und immer tiefer dir ins Mutterauge schauen dürfen, deine Lippen mein unschuldiges Antlitz nur berührten, du mich zu Bette gebracht, du mich aufgeweckt, das heilige Kreuz du mir auf die Stirne gedrückt, nicht fremde Hände, — das danke ich dir heute noch, teure, unvergeßliche Mutter, stille, bescheidene Frau, Zierde deines Geschlechtes; das wird, das kann dein Kind nie vergessen. Daß du mich mit mütterlicher Sorge umgeben, als ich größer ward und der innere Beruf den werdenden Mann nach außen trieb, damit er seiner Bestimmung heranreife, daß deine Pflege, stets sich selbst vergessend, wie es einer wahren Mutter geziemt, mich nicht bis zu deinem Tode verlassen, das danke ich dir im Grabe noch darum, weil dein Herz das meine weich und warm gehalten, wo es ohne dich wahrscheinlich kalt und hart geworden wäre zwischen der Selbstsucht fremder Menschen. Was irgend Gutes in dem Kinde gelegen, du hast es gepflegt, auch äußerlich behütet; du hast mich zur Ordnung, zur Tätigkeit angeleitet, weil ich dich selbst nie müßig sah. Deine Liebe, selige Mutter, hat die Geschwister sich lieben gelehrt, und diese Liebe, die aus dem Mutterherzen zuerst hervorgegangen, ist doch die beste geblieben im langen, wechselvollen Leben!
Von Natur aus, und das heißt doch nichts anderes als durch die göttliche Einrichtung, ist das Weib in das Innere der Familie gestellt, und all seine Kräfte und Fähigkeiten gelten fast ausschließlich diesem geheiligten Kreise. Die innere Pflege der Familie ist seine Hauptaufgabe, ich möchte sagen, seine einzige. Für diesen Zweck hat Gott der Herr das Weib nach Seele und Leib geschaffen, auch wieder in einer nicht genug zu bewundernden Harmonie dieser beiden Teile untereinander. Um der Pflege der Familie willen, um der Pflege des Menschen und des Geschlechtes willen hat Gott der Herr das Weib so eigentümlich organisiert und mit fraulichen Eigenschaften ausgestattet, daß man sagen muß, göttlicher hätte die Einrichtung einmal gar nicht getroffen werden können.
Wohin hat Gott der Herr, nach der natürlichen Ordnung der Dinge in der Welt, die Hausfrau, weil sie Hausfrau ist, hingestellt? Wir sagen, vorzüglich und hauptsächlich in die Küche. Die Herrichtung des Familientisches ist ihre Hauptaufgabe. Deshalb ist jede ehrbare Hausfrau auch Herrin und Meisterin in der Küche und deren Besorgung, so daß, wenn auch der Mann das Haupt des Hauses ist und ihm die Familie in schuldiger Ehrfurcht soll untergeben sein, er doch ebenso wenig in die Küche gehört, wie die Frau ins Rathaus.
Was die Mutter gekocht, hat noch immer am besten geschmeckt. Warum? Weil es die Mutter gekocht, die personifizierte Familienliebe.
Der Mann soll und will in der Familie nicht bloß wie das Arbeitspferd essen, um leiblich satt zu werden, sondern er will an dem sich leiblich sättigen, was die eigene Hausfrau, die eigene personifizierte Familienliebe, ihm hergerichtet hat und daran sich zugleich im Gemüt erquicken. Daß und weil ihm die Frau das Essen bereitet, ihre Liebe tätig gewesen ist, ihm die Lebensnahrung zu bereiten, weil sie ihre Kocherei, möge sie fett oder mager sein, ihm vorsetzt und mit der Liebe Behagen an seinem Appetit sich erfreut, deshalb schmeckt ihm die Kost anders und besser, als sie in der besten und fettesten Volksküche kann gekocht werden.
Wo das Herz der Hausfrau nicht ist wie eine stille, heilige Kapelle, drinnen dem ewigen lebendigen Gott die heilige Flamme der Gottesliebe als Ewige Lampe Tag und Nacht lodert und leuchtet, in der es jedem Bewohner des Hauses, jedem Mitglied der Familie heiliger, andächtiger zumute ist, in der der ewige Friede gleichsam wohnt, ein besonders begnadigter Ort, wohin der Sturm des Lebens, der Streit der Leidenschaften niemals dringt, wo diese ‚Hauskapelle‘ fehlt, zerstört oder entweiht ist, dort wird’s im Hause niemals so recht gemütlich, dort fröstelt es uns mitten im Sommer an, dort fehlt etwas Wesentliches, das, weil wir es im Grunde nicht missen wollen noch mögen, uns nach und nach das ganze Haus verleidet.
Seid lauter, seid wahr und tief fromm, dann werdet ihr ehrwürdig sein; seid Muster weiblicher Tugend, dann wird der Name ‚Mutter‘ noch wie süße Musik im Herzen eures Kindes wiedertönen, sollte auch der Schnee des Alters seinen Scheitel decken.
Seid das Abbild der göttlichen Liebe in eurem Kreise, dann werdet ihr euch einen heiligen Tempel der Dankbarkeit in den Herzen der Kinder errichten, der in Ewigkeit nicht einstürzt.
Das Weib soll wie der sichtbare Engel Gottes im Hause erscheinen, weil es der Träger der tätigen Liebe und Barmherzigkeit ist. Das Weib soll in der Familie der besondere Träger der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit sein, gleichsam die göttliche Güte praktisch darstellen.
Die leibliche Pflege des Menschen in der Familie, da sie aus der unerschöpflichen Liebe geschieht, wenigstens geschehen soll, ist so recht eigentlich die leibliche Pflege des menschlichen Herzens selbst; und ein Beruf ist das, so heer, groß und schön, daß schon darum allein das weibliche Geschlecht mit Dank gegen Gott seinen wahren Beruf im Auge behalten sollte.
Das Innere des Hauswesens ist das schönste Kleid, der untrüglichste Schmuck, die berechtigte, im Grunde die einzig berechtigte Zierde des Weibes.

Pages: 1 2

Kategorien:Gesellschaft