Unversöhnliche Logik

von antimodernist2014

Der NOM – „das platte Produkt des Augenblicks“

Wir nannten die Feststellung „vermeintlich“, denn immerhin spricht Klaus Gamber diese Worte in eine kirchliche Welt hinein, die seit der vatikanischen Revolution von 1962-1965, die man fälschlicherweise „Konzil“ nennt, vollkommen im Aufruhr ist, weil in der Folge durch die eigenen Hirten nicht nur der Glaube, sondern selbst das Allerheiligste angetastet wurde. In der „Gedenkschrift für den verstorbenen Liturgiewissenschaftler Msgr. Dr. Klaus Gamber ‚Simandron – der Wachklopfer‘“, herausgegeben von W. Nyssen, Köln 1989, schrieb „Kardinal“ Joseph Ratzinger auf S. 14f.: „An die Stelle der gewordenen Liturgie hat man die gemachte Liturgie gesetzt… Man wollte nicht mehr das organische Werden und Reifen des durch die Jahrhunderte hin Lebendigen fortführen, sondern setzte an dessen Stelle – nach dem Muster technischer Produktion – das Machen, das platte Produkt des Augenblicks.“

Nicht die Auskunft, die „neue Messe“ sei in jedem Fall ungültig, hat also die Katholiken in Unruhe versetzt, sondern „das platte Produkt des Augenblicks“, das man an die Stelle des katholischen Meßopfers gesetzt hat. Klaus Gamber lenkt jedoch mit seiner Formulierung von diesem grundlegenden Sachverhalt ab und unterstellt den Kritikern an der Gültigkeit dieses Menschenmachwerks von vorneherein eine schlechte Absicht, nämlich gläubige Katholiken in Unruhe versetzen zu wollen. Zudem suggeriert er dem unaufmerksamen Leser, wenn man nur behaupten würde, die Neue Messe sei nicht in jedem Fall ungültig, dann wäre das in Ordnung und dann bräuchte man sich nicht zu beunruhigen! Man könne also schon mit einer zweifelhaften Gültigkeit der Sakramente durchaus zufrieden sein, was freilich falsch und gegen die Lehre der Kirche ist.

Es geht aber bei der Frage nach der Gültigkeit der Neuen Messe gar nicht darum, ob die Gemeinde in Unruhe versetzt oder in Ruhe gelassen wird, sondern es geht darum, ob dieses „platte Produkt des Augenblicks“ ein katholischer Ritus, also überhaupt für einen Katholiken legitim und gültig sein kann! Wenn das aber wirklich so ist, wenn dieser bugninische Antiritus nicht nur ungültig ist, sondern eine Erneuerung des von Gott verworfenen Kainsopfers sein will, dann kann die Unruhe der Gemeinde gar nicht groß genug und nur heilsam sein. Dementsprechend wäre aber die Unterdrückung dieser heilsamen Unruhe durch Scheinargumente ein Verbrechen an den unsterblichen Seelen.

Im Laufe seiner Ausführungen wird Klaus Gamber zumindest zugeben müssen, daß der Ritus der Neuen Messe schwere Mängel aufweist, also die nichtigen Gründe der Gegner gar nicht so nichtig sind. Aber wie nicht anders zu erwarten, sieht er sodann dennoch einen Ausweg: All diese schwerwiegenden Mängel reichten nämlich nicht aus, den Ritus als solchen ungültig zu machen. Das überrascht ein wenig, denn man hätte angenommen, der Liturgiewissenschaftler würde sich wenigstens ein paar Gedanken darüber gemacht haben, was nochmals Josef Ratzinger so formulierte: „Eine Gemeinschaft, die das, was ihr bisher das Heiligste und Höchste war, plötzlich als strikt verboten erklärt und das Verlangen danach geradezu als unanständig erscheinen läßt, stellt sich selbst in Frage. Denn was soll man ihr eigentlich noch glauben? Wird sie nicht morgen wieder verbieten, was sie heute vorschreibt?“ (Joseph Kardinal Ratzinger, Salz der Erde, Heyne, 2001, S. 188).

Wenn eine Gemeinschaft das Heiligste und Höchste, das sie besitzt, plötzlich als strikt verboten erklärt, dann soll das die gläubigen Katholiken nicht zutiefst beunruhigen? Was sollte es denn für eine Gemeinschaft überhaupt für einen vernünftigen Grund geben, das Heiligste und Höchste, das sie besitzt, zu verbieten! Ist nicht vielmehr das Gegenteil ihre gottgegebene Aufgabe, das Heiligste und Höchste, das sie besitzt, unversehrt zu bewahren? Darum stellt sich auch jedem Katholiken bei diesem Sachverhalt sofort und unmißverständlich die entscheidende Frage: Was verbirgt sich denn für eine Autorität hinter dieser Absicht, das Heiligste und Höchste, das unser göttlicher Herr und Meister seiner Kirche anvertraut hat, mit einem Mal strikt zu verbieten?

Es sei hier kurz erwähnt, wir wissen natürlich, daß Joseph Ratzinger seine eigene Aussage nicht ernst genommen hat und wir wissen auch, bei dem theologischen Chamäleon Joseph Ratzinger könnte man problemlos auch eine ganze Reihe anderslautender Aussagen zitieren. Aber gemäß dem Sprichwort, „Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn“, wollen wir diese durchaus richtigen und bedenkenswerten Sätze Ratzingers hier als Kontrast zu Klaus Gambers Ausführungen, sozusagen von modernistischen Kollegen zu modernistischen Kollegen, stehen lassen.

Der Regensburger Liturgiewissenschaftler spinnt seinen Gedanken so weiter: „Man muss sich jedoch ernsthaft fragen, ob der Herr, der seinen Beistand bis zum Ende der Zeiten versprochen hat, es tatsächlich zulässt, daß ein großer Teil der Gesamtkirche, also mehrere 100 Millionen Gläubige, der Gnaden des heiligen Messopfers verlustig gehen.“ Dies ist doch ein überraschender Gedankensprung, denn das angeführte Argument hat mit der Sache – nämlich dem platten Produkt des Augenblicks, das man in der Menschenmachwerkskirche Neue Messe nennt – zunächst einmal gar nichts zu tun. Oder wird seit neuestem eine theologische Frage dadurch gelöst, daß man deren Konsequenzen als allzu aufregend qualifiziert?

Nun ist die Konsequenz aus der Ungültigkeit der Neuen Messe zwar durchaus schwerwiegend für diese 100 Millionen Gläubige (?), aber weshalb sollte man daraus auf die Unmöglichkeit schließen können? Übrigens könnte man mit dieser Art der Schlußfolgerung auch zum gegenteiligen Ergebnis kommen, wie etwa: Durch die weltweite Einführung der Handkommunion zusammen mit der Neuen Messe ist es doch sicherlich besser, wenn das Brot erst gar nicht verwandelt wird, also all diese „Messen“ ungültig sind, weil dadurch Hunderte Millionen von Sakrilegien verhindert werden. Das wäre es doch sicherlich ein Ausdruck der Güte und Barmherzigkeit Gottes!

Wir wollten nun unsererseits mit dieser Erwägung nicht vom eigentlichen Thema ablenken, sondern nur darauf hinweisen, daß eine derartige Argumentation durchaus nicht eindeutig ist und auch nicht sein kann. Dabei ist es eigentlich der Mühe wert, der Frage nachzugehen, ob es wirklich undenkbar ist, daß die meisten Katholiken der Gnaden des heiligen Messopfers verlustig gehen und man sich wirklich hierbei auf den bis zum Ende der Zeiten versprochen Beistand Jesu Christi berufen kann?

Das heilige Meßopfer – Der Daseinsgrund der Schöpfung

In seinem Buch „Die Heilige Messe“ geht Dom Prosper Guéranger kurz und eindringlich auf diese Frage ein: „Die heilige Kirche beruft alle ihre Glieder zur Teilnahme an dem großen Opfer; und wenn es möglich wäre, daß das Meßopfer einmal zu Ende ginge, daß es der Flamme gleich, die keine Nahrung mehr findet, erlösche, dann würden wir sofort aufs Neue in jenen unwürdigen Zustand zurücksinken, in welchem sich die mit dem Götzendienst befleckten Völker befanden. Darauf wird auch das Streben des Antichrist gerichtet sein. Er wird alle Mittel anwenden, um die Darbringung des heiligen Meßopfers zu verhindern, damit dies mächtige Gegengewicht gegen seine Herrschaft in Wegfall komme, und Gott die Schöpfung vernichte; denn es ist dann kein Grund mehr vorhanden, dieselbe bestehen zu lassen. Wir erfahren diese Tatsache seit dem Bestehen des Protestantismus, der die Messe abgeschafft hat. Seit dieser Zeit hat die Kraft im Schoß der Gesellschaften eine bedeutende Abnahme erlitten. Ein gesellschaftlicher Kampf hat sich erhoben, der trostlose Zustände im Gefolge hat, und dessen letzte Wurzel darin zu suchen ist, daß das heilige Meßopfer nicht mehr in der gleichen Ausdehnung dargebracht wird. Das ist der Anfang dessen, was geschehen wird, wenn der über die Erde entfesselte Teufel und seine Anhänger Verwirrung und Trostlosigkeit verbreiten; wie dies Daniel vorherverkündigt hat. Er wird die Weihen verhindern, die Priester aussterben lassen, und so der Darbringung des großen Opfers immer engere Grenzen ziehen. Dann aber kommen die Tage des Unglücks“ (Dom Prosper Guéranger „Die Heilige Messe“, Sarto-Verlag 2004, S. 79).

Jedem Katholiken ist unmittelbar einleuchtend, wenn einst der Antichrist kommen wird, wird er „die Weihen verhindern, die Priester aussterben lassen, und so der Darbringung des großen Opfers immer engere Grenzen ziehen“. Man muß es schon aufmerksam lesen und bedenken, es heißt hier: „immer engere Grenzen ziehen“. Das geschah etwa schon vor Jahrhunderten durch den Protestantismus, als fast halb Europa vom katholischen Glauben abfiel und damit das hl. Meßopfer für diese Länder verloren war – und weil das nur „der Anfang dessen ist, was geschehen wird“, geschah es durch den Modernismus, daß fast die ganze übrige Welt für das hl. Meßopfer verloren ging, weshalb auch alle ehemals katholischen Länder „aufs Neue in jenen unwürdigen Zustand zurücksinken, in welchem sich die mit dem Götzendienst befleckten Völker befanden“. „Das sieht doch ein Blinder!“ möchte man da nur ausrufen. Aber warum sahen und sehen es so viele Konservative, wie etwa Klaus Gamber, und Traditionalisten nicht?

Klaus Gamber über den neuen Ritus

Klaus Gamber mußte immerhin auch zugeben, es gebe viele Gründe, die für die Ungültigkeit der sog. Neuen Messe sprechen: „Wahr ist, daß im neuen Missale und im neuen Messritus im besonderen eine Reihe wichtiger Elemente des überlieferten Glaubensgutes zu kurz kommen. Wahr ist, daß auch der äußere Ritus eine starke Wandlung mitgemacht hat. Diese macht die modernen dogmatischen Anschauungen auch nach außen hin deutlich, so die Zelebration des Priesters zum Volk hin, sowie die verstärkte Einbeziehung der Laien als Kommunionhelfer und Prediger in die Liturgie – und dies gegen eine fast 2000jährige Tradition der Kirche. Wahr ist auch, daß der Glaube an den eucharistischen Herrn unter den Gestalten von Brot und Wein heute vielfach neuen unklaren Vorstellungen gewichen ist, wobei die Einführung der Handkommunion in mehreren Ländern diese negative Entwicklung gefördert und zum Schwinden der Ehrfurcht vor diesem heiligen Sakrament geführt hat …“

Diese Litanei, die sich noch beliebig erweitern ließe, zählt der Regensburger Liturgiewissenschaftler auf, ohne sich die dadurch aufdrängende Frage zu stellen: Und das soll ein Ritus der katholischen Kirche sein? Dieser glaubenszerstörende Ritus soll den würdigen und gottwohlgefälligen Rahmen bilden für das vollkommene Opfer des Neuen Bundes? Ein Ritus „gegen eine fast 2000jährige Tradition der Kirche“? Und sollte dieser Ritus dennoch gültig sein, sollte in diesem vollkommen unwürdigen, gegen den Glauben der Kirche zeugenden Ritus eine Gültige Wandlung vollzogen werden, könnten dann die Gläubigen beruhig sein? Was für ein Irrsinn!

Dom Prosper Guéranger über den heiligen Ritus

Bei solch abenteuerlichen Gedanken ist es gut, einen katholischen Autor zu Rate zu ziehen. Lesen wir einfach im obigen Text bei Dom Prosper Guéranger weiter: „Wir brauchen uns darüber nicht zu verwundern; denn die heilige Messe ist vor Gott ein Ereignis gerade wie für uns. Dies Ereignis zielt unmittelbar auf seine Verherrlichung. Er kann darum das Gehör nicht verschließen, wie das ja vorkommen kann, wenn wir privatim ein Gebet an ihn richten. Er muß der heiligen Messe eine besondere Aufmerksamkeit widmen; denn seine Herrlichkeit ist dabei interessiert; sein Sohn selbst, das ewige Wort, Jesus Christus, bietet sich ihm als Opfer dar, und bittet für uns seinen Vater. So müssen wir allezeit drei Dinge in der heiligen Eucharistie wohl erwägen: zuerst das Opfer, welches zur Verherrlichung Gottes dient, sodann das Sakrament, welches die Nahrung unserer Seelen bildet, und endlich drittens den Besitz unseres Herrn, den wir darin anbeten können, und welcher den Trost in unserem Exil ausmacht“ (Ebd. S. 79f).

Wenn das so ist, die heilige Messe ist vor Gott ein Ereignis gerade wie für uns, dann muß selbstverständlich der Ritus der Gottesverehrung in der Kirche Jesu Christi vollkommen heilig sein. Darum spricht man in der wahren Kirche von der „göttlichen Liturgie“, denn: „Dies Ereignis zielt unmittelbar auf seine Verherrlichung“. Wenn also stimmt, was Klaus Gamber über die Neue Messe sagt, wie kann dieser dann ein gültiger Ritus der heiligen Kirche sein? Aber dem Regensburger Liturgiewissenschaftler kommen solcherlei Gedanken gar nicht er erst in den Sinn, er ist schon zufrieden, wenn er meint sagen zu können: „Dies alles beweist jedoch noch lange nicht, daß die von einem gläubigen Priester im Gehorsam gegenüber den kirchlichen Vorschriften nach dem neuen Missale gefeierte Messe ohne weiteres ungültig ist.“ Nein, nein, natürlich beweist das nichts… – nichts für den, der die eigentlichen Tatsachen einfach nicht sehen will, weil er im Grunde ein Modernist ist, wenn auch ein konservativer, weshalb ihm die klaren Unterscheidungen verloren gegangen sind. Ein Modernist findet immer seine Ausreden und meint sodann erleichtert: Man muß immer besonnen blieben und darf nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten! So einfach ist das, wenn man Modernist ist.

Wir wollen nun dem Leser die eher irreführenden als klärenden Ausführungen Gambers nicht auch noch zumuten und uns ein wenig weiter umschauen…

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