Zum Tod eines Popstars

Der Popstar der Wissenschaftswelt ist tot. Stephen Hawking, der britische Physiker, Erfolgsautor und Wissenschaftsstar, ist am 14. März 2018 in Cambridge im Alter von 76 Jahren gestorben. Keinem anderen Physiker wurde in jüngster Zeit eine solche Aufmerksamkeit zuteil wie diesem, und kein anderer Wissenschaftler ist in einer solchen Weise von den Medien hochgelobt worden wie er. Er erhielt weltweit zahlreiche Auszeichnungen, Medaillen und Preise, wie etwa die Copley-Medaille der Royal Society, den Albert-Einstein-Preis, die Goldmedaille der Royal Astronomical Society, den Fundamental Physics Prize und den BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Award für Grundlagenwissenschaften. Er war Mitglied der Royal Society, Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und Mitglied der US National Academy of Sciences.

Der britische Astrophysiker wird als einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten bezeichnet. So würdigte Göran K. Hansson von der Royal Swedish Academy of Sciences, die den Nobelpreis verleiht, ihn im Nachruf mit den Worten: „Hawking war ein großer Wissenschaftler, der beachtliche Beiträge für die Forschung geleistet hat. Sein Tod ist ein Verlust für die Welt der Wissenschaft.“ Dem schlossen sich zahlreiche Politiker, Wissenschaftler und Fernsehstars an.

Der britische Physiker Brian Cox kommentierte den Tod so: „Was für ein bemerkenswertes Leben. Seine Beiträge zur Wissenschaft werden genutzt werden, so lange es Wissenschaftler gibt, und es gibt mehr Wissenschaftler wegen ihm. Er sprach über den Wert und die Zerbrechlichkeit des Lebens und der Zivilisation und verbesserte beide enorm.“ Der US-Astrophysiker Neil De Grasse Tyson resümierte: „Sein Ableben hat ein intellektuelles Vakuum zurückgelassen. Aber es ist nicht leer. Betrachte es eher als eine Art Vakuumenergie, die das Gewebe der Raumzeit durchdringt, das sich der Messung widersetzt.“ Und der US-Physiker Lawrence M. Krauss schwärmt: „Stephen Hawking kämpfte und zähmte den Kosmos mutig über 76 Jahre hinweg und lehrte uns alle etwas Wichtiges darüber, was es wirklich heißt, es zu feiern, Mensch zu sein. Ich werde ihn vermissen.“

Liest man diese Lobesworte auf den Verstorbenen, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sie mit der Wirklichkeit ebenso wenig zu tun haben wie die Forschungen des britischen Physikers. Wenn das Fehlen Hawkings ein intellektuelles Vakuum hinterläßt, dann muß es um die Wissenschaft der Welt verheerend bestellt sein – und das bei zig-Milliarden an Forschungsgeldern jährlich! Der Nachsatz soll dann wohl auch zeigen, daß das mit dem intellektuellen Vakuum doch nicht so ernst gemeint war, der US-Physiker würde damit ja letztlich auch sein eigenes intellektuelles Vakuum eingestehen müssen. Auch fragt man sich spontan, worin soll den Hawking irgendetwas in unserer Welt verbessert haben? Das einzige, was er (?) erreicht hat, ist doch wohl nur, daß durch seine Bekanntheit die Leute nun wirklich jeden Unsinn glauben, den die Wissenschaftler von sich geben – und deswegen auch nicht mehr zwischen Science und Science-Fiction unterscheiden können.

Aber warum war eigentlich Hawking so überaus bekannt und beliebt? Warum wird er als der unbestritten bekannteste Physiker seiner Zeit angepriesen, obwohl die Fachkollegen doch gegenüber seinen „Entdeckungen“ äußerst skeptisch waren und sind? Man kann immer wieder die Meinung lesen, Hawking sei deswegen so bekannt worden, weil er den gängigen Gesetzen der Wissenschaft widersprach. Das ist schon eine sehr merkwürdige Ansicht, denn es gibt doch auch viele andere Wissenschaftler, die dasselbe tun, aber gerade deswegen von der ganzen Wissenschafts- und Medienwelt totgeschwiegen werden. Was machte also Hawking trotz seines Widerspruchs so interessant – interessant vor allem für die Medienmacher?

In seinem Nachruf auf Stephen Hawking „Die unglaubliche Geschichte“ auf http://www.spektrum.de erklärt Robert Gast dieses Phänomen. Nachdem er darauf hingewiesen hat, daß Hawking bereits in seiner Doktorarbeit aus dem Jahr 1966 Überlegungen zum expandierenden Universum anstellte, fährt er fort: „Kurz darauf folgte der wissenschaftliche Durchbruch. Gemeinsam mit seinem Kollegen Roger Penrose zeigte Hawking, dass alle Lösungen der einsteinschen Feldgleichungen eine Singularität enthalten. Also einen Punkt im Raum, an dem die Materie so eng zusammengeballt ist, dass die Gleichungen von Einsteins Theorie unendliche Werte liefern.“ Was aber macht diese Entdeckung so aufregend – und vor allem so bedeutsam, daß sie sogar die Medienwelt interessiert? „Die Physiker erkannten, dass dies nicht nur für sehr schwere Sterne gilt, die am Ende ihres Lebens zu einem Schwarzen Loch kollabieren. Hawking übertrug den Gedanken letztlich auf das gesamte Universum. Auch an dessen Anfang könnte eine Singularität gestanden haben, spekulierte er damals und half so der noch jungen Urknalltheorie zum Durchbruch.“

Die Urknalltheorie ist nun beileibe nicht irgendeine Theorie, sie ist der atheistische Gegenentwurf zur biblischen Schöpfungslehre und darum das Lieblingskind der modernen atheistischen „Wissenschaft“. Weil nun der Urknall trotz dieser Einsicht noch etwas wackelig auf den Füßen stand, mußte die Theorie noch etwas nachgebessert werden, was Hawking auch den Erwartungen entsprechend unternahm. Dazu nochmals Robert Gast: „Seine wichtigste Arbeit stammt indes aus dem Jahr 1974. Darin wandte er die Regeln der Quantenphysik auf Schwarze Löcher an – und erkannte, dass diese mit der Zeit Masse verlieren müssten. Denn am Rand der Objekte müssten ständig ‚virtuelle‘ Elektron-Positron-Paare entstehen, von denen jeweils ein Teilchen über den Rand des Schwarzen Lochs hüpfen würde. Bis heute hat niemand die nach Hawking benannte Strahlung beobachtet. Die Vorhersage markierte dennoch einen Wendepunkt in der Physik Schwarzer Löcher. Denn sie brach mit dem Dogma, dass die Massemonster ewige Gebilde sind, die bis ans Ende aller Zeit bestehen. Laut Hawking müssten die Giganten im Lauf der Äonen verdampfen.“

So einfach ist das alles in der theoretischen Physik geworden, da hüpfen ein paar Teilchen über den Rand des Schwarzen Lochs, und schon ist der Blick auf unendlich viele mögliche Welten offen. Hawking wird später von Multiversen sprechen, unendlich vielen möglichen Universen. Bei so viel Entdeckungen im theoretischen Bereich macht es auch gar nichts, wenn bis heute noch „niemand die nach Hawking benannte Strahlung beobachtet“ hat.

In ihrem Nachruf zum Tod von Stephen Hawking „Der All-Erklärer“ erwähnen Sascha Karberg und Ralf Nestler „tagesspiegel.de“ auch diese Tatsache: „‚Das ist eine sehr schöne Idee, die Quantentheorie und Relativitätstheorie verbindet‘, sagt Jean-Luc Lehners vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam, der zwischen 2007 und 2009 in Hawkings Team gearbeitet hat. Mit allem Respekt hat sich Lehners dennoch daran gemacht, Hawkings Ideen, die letztlich alle auf mathematischen Berechnungen beruhen, nachzuprüfen. Das Problem dabei sei, dass die Formeln sehr viele verschiedene mögliche Entstehungsgeschichten des Universums berücksichtigen müssen. Lehners setzte neue mathematische Methoden ein – und kam zu einem anderen Ergebnis als Hawking. ‚Jedenfalls kommt dabei kein Universum heraus, wie wir es kennen.‘ Hawking selbst habe auf die Ergebnisse nicht mehr reagiert, seine Mitarbeiter schon. Lehners Berechnungen konnten sie aber nicht widerlegen. ‚Vielleicht ist die Idee aber noch zu retten‘, so Lehners. Selbst wenn das ‚No boundary proposal‘ sich nicht bestätigen sollte, war Hawking kreativ genug, um die Köpfe noch vieler Physikergenerationen mit seinen Ideen zu beschäftigen. Dazu gehört auch, dass Schwarze Löcher doch nicht ganz so schwarz sein könnten, wie zunächst angenommen – dass sie eben doch nicht alles auf ewig verschlucken, sondern Strahlen, inzwischen Hawking-Strahlen genannt, aussenden. ‚Damit hat er die Quantenphysik mit Einsteins Relativitätstheorie verknüpft, das waren revolutionäre Erkenntnisse‘, sagt Bernard Schutz. Der ehemalige Direktor am Potsdamer Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik gehörte damals zu Hawkings Team. Bewiesen wurde die Existenz der Hawking-Strahlung bis heute nicht, dafür ist sie – den Berechnungen zufolge – viel zu schwach. ‚Paradoxerweise müsste sie bei sehr kleinen Schwarzen Löchern – von der Größe eines Atoms – stärker und einfacher zu messen sein‘, sagt Lehners.“