Maria

Freue dich, Jungfrau Maria

Die Laster des fünften Zeitalters

Ein wahrhaft geistliches Leben besitzen nur jene, die ihr Herz der Anhänglichkeit an die Hoffart, Güter und Vergnügungen dieses Lebens entziehen, um Gott allein zu dienen. Da sich aber viele diesen Namen, daß sie so leben, mit Unwahrheit beilegen, so tadelt Jesus hier vorzüglich das fünfte Zeitalter, wegen dieser Sünde, mit der es besonders belastet ist, wie sich aus Folgendem erweiset.
1. Alle Irrlehrer, welche in diesem Zeitalter der Kirche die Erde, wie die Heuschrecken anfüllen, rühmen sich mit dem Namen Christi, und nennen sich wahre Christen; sie sind aber tot, und werden ewig tot bleiben, wenn sie nicht (durch demütige Unterwerfung ihres Verstandes und Willens unter den Gehorsam des Glaubens und der Kirche) zur Wahrheit zurückkehren: weil sie Gott und seinen Sohn Jesum Christum nur im Munde, den Teufel aber im Herzen, und die Welt auf dem Arme tragen.
2. Wie viele tausend bloße Namen-Christen gibt es nicht in unsern Tagen, die (durch einen sündhaften Wandel den Glauben verleugnen, und statt Gott und seine Gebote) nur den glücklichen Erfolg zeitlicher Dinge vor Augen haben? Ebenso machen es auch die Verirrten (besonders aus den sogenannten gebildeten und höheren Ständen). Sie ahmen die Sitten der Anhänger der Kirche äußerlich nach (was nun auch, um Zeichen des noch immer wachsenden Verderbens, viele unterlassen), und behalten, um ihr Ansehen nicht zu verlieren, und aus menschlicher Furch, den Namen eines Katholiken bei, innerlich aber sind sie tot. Sie sind tot durch Gottesleugnung, durch Gleichgültigkeit gegen die Religion, durch die von der Kirche abweichenden Grundsätze des Calvinismus (Pelagianismus, Deismus etc.), und durch Afterpolitik (verkehrte, nachäffende Politik). Sie leben nur dem Namen nach, indem sie sich nur äußerlich fromm und religiös zeigen, und sich nur da gebärden, als hätten sie ein Gewissen, wo sie (das Jahr einmal, um den Namen eines ehrlichen Christen nicht zu verlieren, oder) in Gegenwart der Fürsten, ihrer Herren, mit den Gläubigen beichten, und die heilige Kommunion empfangen – wenn sie sonst zu erbaulichen Dingen hilfreich sind – mit Ordensgeistlichen (oder andern) Umgang pflegen – wenn sie zur Errichtung eines Stiftes oder Klosters mit Rat und Tat beitragen u. d. gl. Dies alles tun sie aber nur, um den Namen zu haben, daß sie leben; um die Gunst der Menschen und der Großen nicht zu verlieren; um ihre geheimen Anschläge und bösen Absichten unter dem Deckmantel der Frömmigkeit und Religion um so leichter und gewisser durchsetzen zu können.
3. Wenn wir die kleine Zahl der Katholiken selbst betrachten, gleicht nicht ihre Gerechtigkeit einem blutbefleckten Kleide? Denn die meisten dienen den Lüsten des Fleisches, und sind in ihren Sünden gestorben. Sie dienen Gott nur dem Scheine nach und rühmen sich mit dem Äußerlichen. Man kauft aber kein Schaf ohne Wolle. Die christliche Liebe ist erloschen, man denkt nur auf den eigenen Nutzen. Selbst in den Gerichtshöfen findet man die Gerechtigkeit, die unparteiliche Untersuchung und die Billigkeit selten; man sieht vielfältig nur auf die Personen und ihr Ansehen, und die Prozesse nehmen kein Ende. Statt der Demut tritt Stolz und Übermut hervor, und dies nennt man jetzt Anstand. Die christliche Einfalt wird verlacht, und als Torheit angesehen. Im stolzen Selbstdünkel alles besser verstehen wollen, und alle geistlichen und weltlichen Rechte und Satzungen, ja selbst die Glaubenswahrheiten mit verfänglichen und unsinnigen Fragen vermengen, nennt man Weisheit, so daß nun kein Grundsatz mehr so heilig, wahr und alt ist, daß er vor schnöder Verurteilung, beliebiger Auslegung, Einschränkung und Bekritelung der Menschen sicher wäre. Man geht zwar (weil es die äußere Rechtschaffenheit oder das Staatsgesetz fordert) in die Kirche; aber die Gegenwart des allmächtigen Gottes wird nicht geehrt; man lacht, schwätzt, sieht frei umher, spielt mit Händen und Füßen, und sucht durch Blicke zu gefallen. Den Leib ziert man mit Kleidern, und die Seele befleckt man mit jeder Art der Unreinigkeit. Die Anhörung des göttlichen Wortes in Predigten wird vernachlässigt und verachtet (man wähnt der Beiwohnung des öffentlichen Gottesdienstes Genüge geleistet zu haben, wenn man an Sonn- und Festtagen nur dem Meßopfer bewohnt). Die heilige Schrift verachtet man; im hohen Ansehen stehen aber die freisinnigen Schriften eines Macchiavell, Bodi und anderer, (die eine Staatskunst und Politik lehren ohne Rücksicht auf die Gesetze der Moral). Die Kinder werden im Ungehorsam, in der Unsittlichkeit, in allerlei Eitelkeit, im Mutwillen und Unglauben erzogen; weil sie von den Eltern unordentlich geliebt werden; weil man ihnen alles übersieht, sie nimmer straft, und keine heilige Zucht mehr im Hause herrscht. Man könnte aus ihnen gute, Wahrheit liebende und rechtschaffene Christen bilden; man trägt aber größere Sorgfalt für ihren Leib, und dafür, daß sie weltklug werden. Erst dann nennt man den Knaben hoffnungsvoll, wenn er fremde Sprachen versteht, und fremde Sitten an sich nimmt; wenn er sich zu stellen und zu verstellen weiß; wenn er anders denkt, und anders redet; wenn er sich wie ein Gaukler nach allem richtet, und ausländische Possen zu spielen gelernt hat…
Der Sinn der Worte Jesu ist also dieser: Du hast den Namen, daß du lebest, du bist aber tot durch deine falschen Grundsätze, tot durch deine Gottesleugnung und falsche Politik; tot durch deine Heuchelei und verstellte Gerechtigkeit; tot in deinen geheimen Sünden, und durch Verschweigung deiner Greueltaten; tot durch Wollüste und Vergnügungen; tot durch Stolz, Hoffart und Ehrfurcht; tot durch Sünden der Unwissenheit in den zur Seligkeit notwendigen Geheimnissen und Wahrheiten des Glaubens; tot durch Unglauben und Verachtung des göttlichen Wortes, und das Erloschensein aller Liebe, in der doch allein das wahre Leben in Jesu Christo besteht.

Was sich Holzhauser sicherlich noch in keiner Weise vorstellen konnte, das haben wir in den letzten Jahrzehnten erlebt. Diese Worte haben sich vollkommen in der Menschenmachwerkskirche bewahrheitet. Denn wie könnte man diese Pseudo- oder Afterkirche besser beschreiben als mit obigen Sätzen? Jeder kann es sehen, der es sehen will: Du hast den Namen, daß du lebest, du bist aber tot. Du hast die ganzen Heilsmittel, die dir Gott anvertraut hat, ins Gegenteil verkehrt. Du buhlst mit den Großen der Welt und schmeichelst den Feinden unseres Herrn Jesus Christus. Du hast dir die Politik der Gleichgültigkeit zu eigen gemacht und heuchelst Armut und Gerechtigkeit. Du hast die hl. Riten entweiht und zu einem Greuel in den Augen Gottes gemacht. Du buhlst mit allen Religionen der Welt und preist die Vergnügungen der Welt und machst dir selbst ihre schlimmsten Sünden zu eigen. Und über allem bist du tot durch Unglauben und Verachtung des göttlichen Wortes, weil du der sog. Weisheit der Welt mehr glaubst als der Weisheit Gottes, die der Welt seit jeher als Torheit erscheint. Darum ist jegliche übernatürliche Liebe in dir erloschen. Du redest viel von Brüderlichkeit, dabei weißt du in keiner Weise mehr, was wahre Nächstenliebe ist, welche doch immer die Gottesliebe und den wahren, göttlichen Glauben zur Grundlage hat.

Die Gottesmutter als Bewahrerin der göttlichen Geheimnisse

Diese Wahrheit wird uns am Leben Mariens in ganz außerordentlicher Weise offenbar, wie uns der hl. Pius X. in seiner Enzyklika darlegt: „Als nämlich zu Maria gesagt wurde: ‚Selig bist du, da du geglaubt hast, daß in Erfüllung gehen wird, was dir vom Herrn gesagt worden ist‘, so bezog sich das auf die Empfängnis und Geburt des Sohnes Gottes. Und so empfing sie in ihrem Schoße den, der die Wahrheit selber ist, damit er, ‚auf einem ganz neuen Wege und durch eine ganz neue Geburt erzeugt, unsichtbar seinem Wesen nach, sichtbar in unserer Natur würde‘. So ist der Sohn Gottes Mensch geworden, um ‚Urheber und Vollender des Glaubens zu werden‘. Aus all dem aber folgt notwendig, daß seine heiligste Mutter an diesen göttlichen Geheimnissen teilgenommen hat und daß diese ihr zur Bewahrung gleichsam anvertraut sind. Nach Christus muß Maria als das vornehmste Fundament angesehen werden, auf dem das Glaubensgebäude durch alle Jahrhunderte hindurch aufgeführt werden soll.“

Alles Heil stammt von Jesus Christus, dem menschgewordenen Sohn Gottes. Er ist der „Urheber und Vollender des Glaubens“. Diesen gottgeschenkten Glauben hat niemand so geübt wie Maria, die „an diesen göttlichen Geheimnissen teilgenommen hat“, indem sie bis zum Tod ihres Sohnes an Seiner Seite gelebt hat, wobei sie alle Geheimnisse, die sie miterleben durfte, in ihrem Herzen erwog und unversehrt bewahrte. Hierin nimmt Maria schon die Wesensaufgabe des kirchlichen Lehramtes vorweg. Wobei es noch weiter heißt, „daß diese ihr zur Bewahrung gleichsam anvertraut sind“.

Eine sehr schöne marianische Antiphon bringt dies eindringlich zum Ausdruck: „Gaude, Maria Virgo, cunctas haereses tu sola interemisti in universo mundo“ („Freue dich, Jungfrau Maria, du allein hast die Irrlehren der ganzen Welt besiegt“). Maria hat alle Irrlehren dadurch besiegt, daß sie niemals auch nur dem geringsten Irrtum im Glauben erlegen ist. Sie war vollkommen gefestigt in der Tugend des übernatürlichen Glaubens und hat jeden Augenblick alles für wahr gehalten, was Gott uns (und auch ihr) geoffenbart hat.

Es ist sicherlich lohnend, hierzu die Ausführungen Matthias Joseph Scheebens sich in Erinnerung zu rufen und zu bedenken: „Wenn daher die Jungfrau von alters her als die Ertöterin aller Häresien gepriesen wurde – und das nicht bloß deshalb, weil sie durch ihre Fürbitte denselben entgegentrat, sondern auch darum, weil die glorreiche Erscheinung ihres Wesens und ihre mit allen Geheimnissen des Glaubens verflochtene Stellung der Häresie nach allen Richtungen hin den Weg vertritt: So verdient sie bis heute diesen Preis umso mehr, weil sie durch den Glanz desselben Geheimnisses, in welchem sie als die Zertreterin des Kopfes der alten Schlange und als ‚der elfenbeinerne Turm‘, vor welchem der über das ganze Geschlecht ausgegossene Strom der Sünde stille stehen mußte, erscheint, auch die neuesten Gespinste der alten Schlange zerstört und der Flut der von derselben Schlange ausgespieenen Irrtümer glorreich und siegreich entgegentritt; weil sie heute namentlich die feinen Netze zerreißt, die man in die Kirche selbst hineingesponnen, und die feinen Gifttropfen entfernt, welche man den Kindern der Kirche auf dem Schoße und an der Brust ihrer Mutter hatte einträufeln wollen. Und wenn der Apostolische Stuhl von jeher gepriesen wurde als das feste Bollwerk und den strahlenden Leuchtturm der Wahrheit, als der sichere Hafen der Gläubigen und als der Fels, woran alle Wogen des Irrtums zerschellen: dann glänzt er, seit das Geheimnis seiner übernatürlichen Reinheit und Festigkeit ins helle Licht gesetzt worden, vollends als ein anderer ‚elfenbeinerner Turm‘ der Wahrheit weithin über die Länder und Meere, indem er, selbst stets unbefleckt und unerschüttert, nicht nur dem Anprall der offen anstürmenden Häresie, sondern auch dem Zahne der heimlich heranschleichenden Schlange widersteht und so die ganze Kirche vor der gefährlichsten Form der Häresie, vor der in ihrem eigenen Busen sich einwühlenden Schlange, beschützt“ (Alle auch folgenden Texte aus: Das ökumenische Konzil vom Jahre 1869, Periodische Blätter, Zweiter Band, 13. und 14. Heft, Friedrich Pustet, 1871).

Diese gefährlichste Form der Häresie, die sich ins Innere der Kirche einwühlte, ist der sog. Modernismus. Die wahren Päpste haben diese „pestis perniciosissima“, diese „allerverderblichste Pest“, immer zurückgewiesen und die Kirche Jesu Christi trotz allem Wüten der Feinde im göttlichen Glauben rein bewahrt. Aber der „in ihrem eigenen Busen sich einwühlenden Schlange“ ist es schließlich gelungen, gleichsam in einem Handstreich die Kathedra Petri zu übernehmen und zu einer Kathedra der Pestilenz zu machen. So ist es nicht verwunderlich, daß die Menschenmachwerkskirche in der sog. Liturgie-Reform die oben genannte marianische Antiphon sowohl aus dem Meßformular als auch aus dem Brevier entfernt hat. Denn wie sollte diejenige, die alle Irrlehren der ganzen Welt besiegt, zu einer „Kirche“ passen, die nicht nur voller Irrtümer ist, sondern sogar eine besondere Freude am Irrtum und an jeglicher Irrlehre hat! Im Mai 2015 hat der Spiegel auf der Titelseite Herrn Bergoglio alias Franziskus gleich neunmal im Profil abgebildet – einmal lachend, einmal grimmig, einmal staunend, einmal erschreckt, einmal gefaßt… – und darunter geschrieben: „DER ENTFESSELTE – Die fröhliche Fehlbarkeit des Papstes“. Knapper, besser und treffender könnte man die „Päpste“ der Menschenmachwerkskirche und damit natürlich auch die Menschenmachwerkskirche selber wohl kaum mehr beschreiben. Eine „Kirche“, die Freude am Irrtum hat und überaus fröhlich ihre verderblichen Irrtümer in der ganzen Welt verbreitet, das ist die neue „Kirche“ des sog. Vatikanum 2. Es ist schon unheimlich zu nennen, daß die allermeisten Katholiken nicht mehr fähig waren, diese Umwandlung der kirchlichen Institutionen in ihr Gegenteil wahrzunehmen.

Ein einfacher, vom übernatürlichen Glauben erleuchteter Blick auf die Jungfrau Maria, die allein alle Irrlehren der ganzen Welt besiegt hat, offenbart eine ganz andere Welt, nämlich die wahrhaft katholische, göttliche Welt des menschgewordenen Wortes Gottes, in der es keinerlei Irrtum gibt und auch nicht geben kann, weil ER die Wahrheit ist! Und diese Welt der göttlichen Wahrheit ist uns Katholiken in ganz besonderer, einmaliger Weise gegenwärtig in der hl. Kirche, die als übernatürliche Gemeinschaft nicht nur von Gott gegründet, sondern auch durch die Unfehlbarkeit des Papstes in ihrem übernatürlichen Sein über Jahrhunderte hinweg unversehrt erhalten worden ist. Daß dies inzwischen nur noch ganz wenige einsehen wollen zeigt, wie erfolgreich der höllische Drache gearbeitet hat.

Die Übernatürlichkeit des Christentums

In seinem Artikel in der Zeitschrift „Das ökumenische Konzil vom Jahre 1869“, Die theologische und praktische Bedeutung des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes, besonders in seiner Beziehung auf die heutige Zeit, führt der große deutsche Dogmatiker Matthias Joseph Scheeben diesen Gedanken in beeindruckender Tiefe aus.

Die Übernatürlichkeit des ganzen Christentums als des Reiches göttlicher Gnade und Wahrheit beruht in der letzten Instanz auf dem übernatürlichen Wesen, der Gottheit Christi, auf der göttlichen Würde und Macht desjenigen, der die christliche Weltordnung auf sich selbst als deren ewiges Fundament gegründet und in seiner Kirche sich mit der menschlichen Natur als deren Haupt und Bräutigam verbunden hat. Damit also die Übernatürlichkeit des Christentums sich lebendig und kraftvoll erweise, muß die göttliche Würde und Macht des Gottmenschen sich in glänzender Weise namentlich an den Punkten geltend machen, von wo aus er seine Verbindung mit dem Menschengeschlechte hergestellt hat und unterhält: Je mehr sein Einfluß auf diese Punkte verdunkelt wird, desto mehr muß auch seine eigene göttliche Macht zurücktreten; je deutlicher und glänzender jener in die Augen springt, desto mehr muß auch die letztere in den Vordergrund treten.
Der richtige Blick des gläubigen Christen sagt demselben instinktmäßig: Die Würde des Gottmenschen erheische notwendig, daß diejenige, aus deren Schoß der Sohn Gottes seine Menschheit annehmen sollte, an Leib und Seele unbefleckt und rein, durchaus heilig und herrlich sei, daß sie vom ersten Augenblicke ihres Daseins an in übernatürlicher Reinheit und Schönheit erstrahle; seine Macht verlange, daß er in ihr, dem Erstling der Erlösung, den vollsten Triumph über die Sünde und die Gebrechlichkeit der menschlichen Natur feiere; seine göttliche Liebe zu ihr, der von Ewigkeit von ihm für sich auserwählten Braut und Mutter, nötige ihn, ihr die reichste Fülle übernatürlicher Gnade bei ihrer Schöpfung als Mitgift zu geben; kurz, so wahr Christus Gott sei, so wahr müsse der Eckstein, durch welchen Gott das Menschengeschlecht in seinen Sohn und seinen Sohn in das Geschlecht hineingründete, ein durchaus unantastbarer reiner und heiliger Stein sein; so wahr müsse der Schoß, aus welchem mit dem Gottmenschen und durch ihn die übernatürliche Wiedergeburt des Geschlechtes ausgehen sollte, absolut unentweiht und vom Heiligen Geiste durchaus erfüllt sein.
Dieselbe Konsequenz des Glaubens an die Gottheit Christi sagt uns aber auch: Seine Würde erheische, daß die Kathedra der Wahrheit, auf welche seine Lehre forterhalten werden sollte, niemals durch gottlosen Irrtum entweiht werde; seine Macht fordere, daß er wenigstens in seinem Stellvertreter auf der Erde den Thron seiner Wahrheit und seiner Herrschaft über die Geister unentwegt allen Angriffen der Hölle gegenüber aufrecht erhalte; seine göttliche Liebe zur Kirche lasse es nicht zu, daß der ihr zum Schutz gegebene Lehrstuhl der Wahrheit auch nur einen Augenblick zu einer „Kathedra der Pestilenz“ werde; kurz, so wahr Christus Gott sei, so wahr müsse auch der Grundstein, den er selbst gelegt, um den äußeren Organismus der Kirche in der Wahrheit aufrecht und zusammenzuhalten; in dieser seiner Funktion ebenso unentweiht und unerschütterlich dastehen, wie der Eckstein, durch den die Kirche in ihn hineingebaut worden und innerlich mit ihm zusammenhängt, in jeder Beziehung heilig und unantastbar sein mußte . Ja, mit dem zweiten Steine ist die Gottheit Christi um so mehr verkettet, als er in Bezug auf ihn noch ausdrücklicher, als beim ersten, seine alles bewältigende göttliche Allmacht verpfändet und ihn als fortdauerndes sichtbares Denkmal derselben hingestellt hat. Die zwischen dem Weibe und ihrem Samen bestehende unauflösliche Gemeinschaft ewiger Feindschaft gegenüber der alten Schlange ist zwar im Urevangelium ausdrücklich ausgesprochen, die Gemeinschaft des Triumphes jedoch ist nur angedeutet. Dem heiligen Petrus aber hat Christus ausdrücklich die Verheißung unüberwindlicher Felsenfestigkeit gegenüber der Hölle gegeben, und sein göttliches Wort „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ ist vor allem auf diese feierliche Verheißung zu beziehen. Wenn wir daher in den ununterbrochenen und stets vergeblichen Angriffen der Hölle auf das „Weib“ die teilweise Erfüllung des Urevangeliums vor Augen haben: so ist die ganze Kirchengeschichte ein fortgesetzter Beweis von der Erfüllung des Wortes Christi, indem der Heilige Stuhl sichtbar durch eine übernatürliche Macht in der Bewahrung der christlichen Wahrheit gegen alle Ränke der Hölle und der Welt geschützt wird.

Das katholische Empfinden, das „sentire cum ecclesia“ läßt den Katholiken leicht und sicher, ja „instinktmäßig“ einsehen: „Die Würde des Gottmenschen erheische notwendig, daß diejenige, aus deren Schoß der Sohn Gottes seine Menschheit annehmen sollte, an Leib und Seele unbefleckt und rein, durchaus heilig und herrlich sei, daß sie vom ersten Augenblicke ihres Daseins an in übernatürlicher Reinheit und Schönheit erstrahle.“ Denn das allein entspricht der Wirklichkeit und Heiligkeit des menschgewordenen Gottessohnes. Denn „auf dem übernatürlichen Wesen, der Gottheit Christi, auf der göttlichen Würde und Macht desjenigen, der die christliche Weltordnung auf sich selbst als deren ewiges Fundament gegründet und in seiner Kirche sich mit der menschlichen Natur als deren Haupt und Bräutigam verbunden hat“, beruht das ganze Christentum „als des Reiches göttlicher Gnade und Wahrheit“. Nur die makellose Jungfrau ist würdig, Mutter Gottes zu sein.

Dasselbe gilt aber auch für die hl. Kirche, die gleichfalls die makellose Braut Jesu Christi ist, wie M. J. Scheeben hervorhebt und betont: „Dieselbe Konsequenz des Glaubens an die Gottheit Christi sagt uns aber auch: Seine Würde erheische, daß die Kathedra der Wahrheit, auf welche seine Lehre forterhalten werden sollte, niemals durch gottlosen Irrtum entweiht werde; seine Macht fordere, daß er wenigstens in seinem Stellvertreter auf der Erde den Thron seiner Wahrheit und seiner Herrschaft über die Geister unentwegt allen Angriffen der Hölle gegenüber aufrecht erhalte; seine göttliche Liebe zur Kirche lasse es nicht zu, daß der ihr zum Schutz gegebene Lehrstuhl der Wahrheit auch nur einen Augenblick zu einer ‚Kathedra der Pestilenz‘ werde.“

Letzteres aber behaupten heutzutage nicht nur die Modernisten, sondern auch ein Großteil der sog. Traditionalisten. Auch für sie ist die Kirche Jesu Christi eine Kirche voller Irrtümer, eine Kirche der entheiligten und zumindest zweifelhaften Sakramente, eine Kirche, die durch eben diese Irrlehren und deren Umsetzung in der kirchlichen Ordnung die Seelen massenweise in die Hölle stürzt. Diese Leute können offensichtlich nicht mehr zwischen der makellosen Braut Christi und den sündigen Gliedern der Kirche unterscheiden. So fabulieren sie von einer sündigen oder kranken Kirche, die letztlich ein grausiges, seelenmordendes Monster ist, womit sie die hl. Kirche als makellose Braut Jesu Christi verunehren, ja schmähen – und damit zugleich die Unbefleckte Empfängnis Mariens. Mit anderen Worten, diese Glieder der Monsterkirche können keine wahren Marienverehrer mehr sein. Letztlich beinhaltet Ihre Marienverehrung nur noch sentimentale Phrasen.

Die fröhliche Fehlbarkeit und der häretische „Papst“

Diesen Sektierern ist es meistens in keiner Weise mehr beizubringen, daß sie einem grundlegenden Irrtum erlegen sind. Sie projizieren nämlich, um ihre eigenen Irrtümer zu rechtfertigen, die durch und durch häretische Eigenart der gegenwärtigen Menschenmachwerkskirche geschichtlich zurück auf die Kirche der Vergangenheit und biegen alles gemäß ihrer häretischen Auffassungen zurecht. Sie übernehmen dazu bedenkenlos die „Kirchengeschichtsschreibung“ der Häretiker von den allzeit irrenden Päpsten und freuen sich wie ein kleines Kind, wenn sie irgendeinem Papst scheinbar wieder eine Häresie anhängen können.

Dasselbe taten übrigens schon die Protestanten. Weshalb der hl. Robert Bellarmin die Päpste Honorius, Liberius und Vigilius gegen deren Verleumdungen in Schutz nehmen mußte. Merkwürdigerweise sind das dieselben Päpste, welche bei keinem Konservativen oder Pseudotraditionalisten der Menschenmachwerkskirche fehlen, wenn sie ihre Beispiele von angeblich häretischen Päpsten anführen. Im Grunde müßten diese sich doch über ihren Herrn Bergoglio und seine „fröhliche Fehlbarkeit des Papstes“ genauso freuen, wie sie sich über ihre häretischen „Päpste“ freuen. Wenn sie ehrlich wären – die Protestanten und auch die Altkatholiken waren wenigstens so konsequent und ehrlich – müßten sie zugeben, daß sie letztlich überhaupt keinen unfehlbaren Papst brauchen, denn sie wissen ja sowieso immer besser als ihr „Papst“, der sich jederzeit irren kann und nur allzuoft sich auch geirrt hat, was katholisch ist und was nicht. D.h. aber, theologisch ausgedrückt: Sie selbst sind jeweils die letzte Norm ihres Glaubens und ihrer Tradition und nicht mehr ihr „Papst“. Wie gesagt, befinden sie sich damit in unguter Gesellschaft mit den Häretikern aller Jahrhunderte.

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