Freue dich, Jungfrau Maria

von antimodernist2014

Die unfehlbare Lehrgewalt des Papstes

Weil diese irrige Haltung gar so weit verbreitet ist, ist es durchaus angebracht, uns von M. J. Scheeben nochmals etwas eingehender erklären zu lassen, wie es eigentlich gemäß dem katholischen Glauben richtig ist, um sich selbst in eigenem Denken womöglich dementsprechend korrigieren zu können: „In ähnlicher Weise begegnet das Dogma von der übernatürlichen Unfehlbarkeit des Papstes dem Naturalismus der sich auf sich selbst zurückziehenden Vernunft. Die Unfehlbarkeit des Heiligen Stuhles, selbst auf übernatürlichem Grunde ruhend, beweist der sich selbst vergötternden Vernunft, daß dieselbe die Unfehlbarkeit, nach welcher sie ringt, seit der Sünde verloren hat und wie ein schwankendes Rohr allen Winden des Irrtums preisgegeben ist, daß sie aber im Anschluß an die ihr dargebotene übernatürliche Hilfe Gottes im Glauben sie wieder erringen kann und soll; stellt ihr in dem Glauben, dessen Regel und Stützpunkt die unfehlbare Lehrgewalt des Papstes ist, eine übernatürliche Vollkommenheit der Erkenntnis in Aussicht, durch die wir in der Tat an der Gott eigentümlichen Unfehlbarkeit teilnehmen, und die deshalb das Unterpfand ist einer noch volleren Teilnahme an der Gott eigentümlichen Erkenntnis, welche wir in der Ewigkeit in der unmittelbaren Anschauung und dem vollen Genusse der ewigen Wahrheit erreichen sollen.“

Jeder Mensch ist irrtumsfähig und irrt sich auch oft, wie sicherlich jeder schon oft erlebt hat. Das ist ganz einfach eine Erfahrungstatsache. Wer nun sagt und betont: Der Papst ist auch nur ein Mensch wie jeder andere, der zeigt, daß er gar nicht verstanden hat, um was es beim Papstamt seinem Wesen nach geht. Er ist schon unfähig geworden, das Wesentliche des Charismas der Unfehlbarkeit und dessen eigentlichen Sinn einzusehen. Die unfehlbare Lehrgewalt des Papstes ist eine übernatürliche Vollkommenheit der Erkenntnis, durch die wir aufgrund der ordentlichen Lehrtätigkeit der hl. Kirche in der Tat an der Gott eigentümlichen Unfehlbarkeit teilnehmen. Gott verhindert durch den Beistand des Heiligen Geistes, daß Seine Kirche in Irrtum bezüglich des Glaubens oder der Sitte fällt. Nur durch diese tatsächliche Teilnahme an der göttlichen Erkenntnis vermittels der unfehlbaren Kirche ist ein übernatürlicher, göttlicher Glaube möglich und eine absolute Glaubenssicherheit gewährt.

Damit aber diese Vollkommenheit der Erkenntnis konkret möglich wird, darf die Unfehlbarkeit nicht auf wenige Akte des außerordentlichen oder feierlichen Lehramtes eingeschränkt werden, sondern diese muß ebenfalls im gewöhnlichen, alltäglichen Lehrbetrieb der Kirche wirksam sein und das kirchliche Lehramt in allen Akten, welche den Glauben oder die Sitten der Gesamtkirche betreffen, vor Irrtümern bewahrt sein. Weil gerade diese Unfehlbarkeit des ordentlichen Lehramtes von vielen nicht mehr eingesehen, ja z.T. sogar von manchen schon positiv geleugnet wird, löst sich bei ihnen die Unfehlbarkeit im konkreten Leben der Kirche vollständig auf und geht diese von den meisten unbemerkt vom Papst auf die Gesamtkirche über, wie M. J. Scheeben weiter erklärt: „Man sage nicht, diesen Dienst leiste auch schon die Unfehlbarkeit der Gesamtkirche überhaupt; denn diejenigen, welche so sehr die Unfehlbarkeit der Gesamtkirche gegenüber der päpstlichen betonen, haben eben von dem übernatürlichen Charakter der ersten gar keinen klaren Begriff; sie lassen dieselbe mehr getragen sein von der natürlichen Autorität, die in der Übereinstimmung vieler Geister liegt, als von der Einwirkung und der Autorität des Heiligen Geistes, und gerade der Mangel jenes natürlichen Rückhaltes ist es, der ihnen die Unfehlbarkeit des Papstes so unbegreiflich und unausstehlich macht. Sie leugnen oder verdunkeln in der Unfehlbarkeit des Papstes namentlich die Idee einer ordentlichen, führenden und richtenden Gewalt, welche im Namen Gottes und in Kraft des Heiligen Geistes die Erkenntnis der Gläubigen regelt und stützt und mithin ihre Grundlage allseitig in Gott selbst hat, der durch seinen Stellvertreter selbst unsere Erkenntnis auf seine eigene stützt und, zu den Menschen herabsteigend, als deren wahrer Lehrer und Erzieher sie zu der Höhe seiner eigenen Erkenntnis erheben will.“

Die Unfehlbarkeit der Gesamtkirche

Bei den meisten Konservativen und Traditionalisten hat es sich eingebürgert, sich gegen ihren allzeit irrenden „Papst“ auf den Kanon des hl. Vinzenz von Lerin zu berufen – „Was immer, überall und von allen geglaubt worden ist“, das allein sei katholisch. Dementsprechend haben sie sich systematisch angewöhnt, alle Verlautbarungen und Entscheidungen des kirchlichen Lehramtes anhand des „Lehramts von immer“ zu überprüfen. Scheeben nennt das die „Unfehlbarkeit der Gesamtkirche“.

Der Fürst der deutschen Scholastik, den übrigens 1935, also 100 Jahre nach dessen Geburt, Papst Pius XI. als geniale Persönlichkeit bezeichnete und ihn den Studenten als Vorbild darstellte, erkennt ganz klar, welche weitreichenden Folgen dieser Irrtum hat: „Diejenigen, welche so sehr die Unfehlbarkeit der Gesamtkirche gegenüber der päpstlichen betonen, haben eben von dem übernatürlichen Charakter der ersten gar keinen klaren Begriff; sie lassen dieselbe mehr getragen sein von der natürlichen Autorität, die in der Übereinstimmung vieler Geister liegt, als von der Einwirkung und der Autorität des Heiligen Geistes, und gerade der Mangel jenes natürlichen Rückhaltes ist es, der ihnen die Unfehlbarkeit des Papstes so unbegreiflich und unausstehlich macht.“

Wer den Kanon des hl. Vinzenz von Lerin in der oben angeführten Weise gegen das kirchliche Lehramt anwendet, ersetzt die „übernatürliche Autorität“ des unfehlbaren kirchlichen Lehramtes durch die „natürliche Autorität“ einer zeitlichen (immer) oder räumlichen (überall) Übereinstimmung vieler Geister. Da er diese Übereinstimmung der Geister immer selber erarbeiten und feststellen muß, beruht sein Glaube letztlich auf einem allein mit der „natürlichen Vernunft“ gewonnenem Urteil. Jeder, der auf diese Weise den katholischen Glauben meint bewahren zu können, bewahrt jedoch nicht diesen, sondern er schafft sich seinen eigenen Glauben und seine eigene Tradition. Da er seinen allzeit irrenden „Päpsten“ notwendigerweise mit dauerndem Mißtrauen begegnen muß, ist es letztlich allein der natürliche Rückhalt der eigenen Prüfung, auf welchem sein ganzer Glaube beruht.

Unbemerkt ist also aus dem übernatürlichen göttlichen Glauben ein Menschenglaube geworden, der natürlich sehr gut zur neurömischen Menschenmachwerkskirche paßt. Weil er durch dieses allseitige Mißtrauen ganz und gar unfähig geworden ist, dem kirchlichen Lehramt wahren Glaubensgehorsam zu schenken, macht ihm „der Mangel jenes natürlichen Rückhaltes die Unfehlbarkeit des Papstes so unbegreiflich und unausstehlich“. Man kann nur mit tiefem Bedauern feststellen, für diese Leute scheint ein unfehlbarer Akt des Lehramtes wirklich das Schlimmste zu sein, was ihrer „Kirche“ überhaupt passieren kann. Diese Leute sind offensichtlich von einer tiefen Angst vor der Unfehlbarkeit erfüllt, weil sie den eigentlichen Sinn und den unermeßlichen Segen dieser Gottesgabe in keiner Weise mehr verstehen. Sie gleichen darin vollkommen den von M. J. Scheeben genannten Fallibilisten, also jenen, die dem Lehramt der Kirche jeglichen Irrtum zutrauen und deswegen auch konsequenterweise dessen Unfehlbarkeit leugnen: „Es gehört der ganze blinde Fanatismus unserer Fallibilisten dazu, um sich für diese träge, unorganische Masse zu begeistern, in ihr den vollkommenen Typus des kirchlichen Organismus zu erblicken und nicht einzusehen, wie alle Feinde der lebendigen, wirksamen kirchlichen Unfehlbarkeit für ihre Theorie gerade deshalb so lebhaft sich interessieren, weil dieselbe die aktive Unfehlbarkeit der Kirche, wenigstens für den gewöhnlichen Lauf der Dinge, nicht bloß stumm, sondern völlig regungslos macht…“

Das wahre, übernatürliche Wesen der hl. Kirche

Es ist absolut notwendig, wenn man das wahre, übernatürliche Wesen unserer hl. Kirche recht verstehen und daran wirklich glauben will, sich ein rechtes Verständnis von deren Unfehlbarkeit anzueignen. M. J. Scheeben faßt seine Erwägungen dazu folgendermaßen zusammen: „So erscheint denn der Apostolische Stuhl in seiner Unfehlbarkeit als das leuchtende Wahrzeichen, als der Thron und das Szepter der Herrschaft Christi über die gesamte Natur des Menschen, über Geist und Leib, über sein individuelles und soziales Leben. Man begreift jetzt, warum der berühmte Obelisk, der vor dem Vatikan, worin der Stammhalter des Apostolischen Stuhles begraben liegt und das vatikanische Konzil die Unfehlbarkeit des Papstes definiert, gerade zu der Zeit aufgerichtet worden ist, in der die Anfänge des jetzigen Kampfes gegen das Königtum Christi liegen – warum, sage ich, dieser Obelisk die herrliche Inschrift trägt: Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat (Christus siegt, Christus regiert, Christus herrscht). Ja nirgendwo fühlt man so sehr, wie im Vatikan vor dem Stuhle Petri, daß Christus noch auf dieser Erde fortlebt, als ob er sichtbar dort weilte, daß Christus noch fortregiert als König aller Völker und Jahrhunderte, daß Christus noch fortherrscht in seiner göttlichen Macht und Majestät, daß Christus noch beständig triumphiert als Sieger über alle seine Feinde. Man begreift aber auch, warum alles, was irgendwie der Herrschaft Christi widerstrebt oder auf Emanzipation von derselben abzielt, sich gegen die Unfehlbarkeit des Heiligen Stuhles kehren und auf die Untergrabung und Verdunkelung desselben hinarbeiten muß.“

Der römische Lehrstuhl der geistigen Pestilenz

Seitdem der Teufel die Kathedra Petri erobert und zu einem Lehrstuhl der geistigen Pestilenz verkehrt hat, kann nur noch derjenige den wahren katholischen Sinn bewahren, der diese Tatsache einsieht. Nur wenn der Katholik weiß, er lebt in der papstlosen Zeit, kann er seinen kindlichen Sinn gegenüber seiner hl. Mutter, der Kirche bewahren. Wer sich dieser Einsicht verweigert, muß sich notwendigerweise über das von ihm anerkannte Lehramt der geistigen Pestilenz in freiem Urteil erheben. Er verfällt damit in die Grundhaltung der Gegner, bzw. Leugner der Unfehlbarkeit der Kirche, wie sie Scheeben beschreibt:

„Die stärkste Waffe, womit man den kindlichen Sinn angreift, besteht darin, daß man ihn als kindisches, mit der Würde eines weisen Mannes unverträgliches Wesen darstellt. Das gläubige Kind Gottes ersieht aber aus der unbefleckten Empfängnis seiner himmlischen Mutter, daß diese eben deshalb, weil sie im Gegensatz zur alten Eva den Schatz himmlischer Weisheit, den sie in ihrem Ursprung empfangen, in kindlichem Sinne bewahrte, ohne den Einflüsterungen der Schlange Gehör zu geben, die virgo prudentissima ist und aus der Taubeneinfalt die wahre Schlangenklugheit geschöpft hat. Es weiß daher auch, daß der Vorwurf kindischen Wesens nichts anderes ist, als eine Wiederholung der Worte der falschen alten Schlange, die Eva und ihr ganzes Geschlecht grausam betrogen und in namenloses Elend gestürzt hat. Das Kind der Kirche weiß ferner, daß nach den Worten des Apostels die Hirten und Lehrer der Kirche – also namentlich der oberste unfehlbare Hirt und Lehrer – uns eben dazu gegeben sind, daß wir nicht seien wie schaukelnde kleine Kinder, die von jedem Winde der Lehre hin und her getrieben und durch böse Arglist in Irrtümer verstrickt werden (Eph. 4, 14), auf daß wir vielmehr auf dem festen Felsen der Wahrheit stehend heranwachsen in aller Wissenschaft und Weisheit zum Maße des Vollalters Christi. Im Lichte unserer beiden Dogmen erscheinen dagegen wirklich als kleine Kinder, voll kindischen Wesens mit allen seinen Unarten und Schwächen, diejenigen, von denen der Apostel sagt: ‚sich selbst für weise ausgebend, sind sie töricht geworden,‘ (Röm. 1, 22), diejenigen, welche nicht dem Lichte der Gnade, sondern den finsteren Eingebungen der alten Schlange und der durch deren Betrug verfinsterten Natur folgen, und nicht dem von Gott bestellten Führer, sondern ihrer und anderer Menschen Weisheit sich anvertrauen wollen.“

Der bischöfliche Quasi-„Papst“

Wie viele Traditionalisten gibt es, die in vollster Überzeugung ihrem „Papst“ jeglichen Gehorsam oder ihn auf die ganz wenigen außerordentlichen Fälle feierlicher Unfehlbarkeit, die es ihrer Meinung nach – Gott sei Dank! – nur alle 100 Jahre gibt, verweigern. Sie müssen dies tun, weil diese ja, wie sie meinen, ständig irren können. Absurderweise hängen sich sodann an irgendeinen Bischof und machen diesen zu ihrem Quasi-„Papst“, dem sie auf einmal blind folgen, als wäre dieser viel unfehlbarer als ihr allzeit irrender „Papst“. Diesem Irrtum können sie nur erliegen, weil sie schon lange den wahren Glauben an die Unfehlbarkeit der hl. Kirche verloren haben, weshalb sie „den finsteren Eingebungen der alten Schlange und der durch deren Betrug verfinsterten Natur folgen, und nicht dem von Gott bestellten Führer, sondern ihrer und anderer Menschen Weisheit sich anvertrauen wollen“.

Wie kindisch sind all diejenigen, die, sich selbst für weise ausgebend, töricht geworden sind. Dagegen weiß das Kind der Kirche, „daß nach den Worten des Apostels die Hirten und Lehrer der Kirche – also namentlich der oberste unfehlbare Hirt und Lehrer – uns eben dazu gegeben sind, daß wir nicht seien wie schaukelnde kleine Kinder, die von jedem Winde der Lehre hin und her getrieben und durch böse Arglist in Irrtümer verstrickt werden (Eph. 4, 14), auf daß wir vielmehr auf dem festen Felsen der Wahrheit stehend heranwachsen in aller Wissenschaft und Weisheit zum Maße des Vollalters Christi“.

Die Erde – das Schlachtfeld des Kampfes zwischen Himmel und Hölle

Am Ende seiner Darlegungen geht der Fürst der deutschen Scholastik noch auf einen Einwand ein, der auch von manchen Traditionalisten ähnlich formuliert wird, die nur allzu gerne von der menschlichen Seite der Kirche schwafeln.

„Vielleicht kommt dem einen oder anderen unserer Leser diese Auffassung von der jüngsten Vergangenheit und nächsten Zukunft etwas zu mystisch vor. Man ist eben gewohnt, die Geschichte der Menschheit und der Kirche allzu menschlich anzusehen, nur mit menschlichen Mächten und Leidenschaften in derselben zu rechnen. Der Christ aber sollte wissen, daß nicht bloß die göttliche Vorsehung die Geschichte der Menschen lenkt, sondern daß die Erde das Schlachtfeld ist, auf welchem Himmel und Hölle miteinander im Kampfe liegen, und daß namentlich um den Mittelpunkt des Reiches Gottes auf Erden dieser Kampf in der energischsten, oft recht sichtbaren Weise geführt wird. So ist insbesondere der Kampf gegen die zeitliche Herrschaft des Papstes, so sehr es sich dem Anschein nach dabei nur um irdische Interessen der Angreifer und der Angegriffenen handelt, im Grunde ein Kampf gegen die geistige Herrschaft des Stellvertreters Christi, weil diese zeitliche Mitgift derselben als Garantie ihrer äußeren Freiheit, ähnlich, wenn auch nicht in demselben Grade, wie die geistige Mitgift der Unfehlbarkeit als die Garantie ihrer inneren Kraft, eine Bedingung ihrer vollen ungeschwächten Wirksamkeit ist; und wir sehen es nur allzuoft in unserer nächsten Nähe, z. B. im ‚Rhei. Merkur‘, wie die Gegner des lebendigen, wirksamen Primates beide Attribute desselben mit gleich mißgünstigen Augen ansehen. Wie daher dieser Kampf den Zwecken der Hölle dient, so wird er auch von der Hölle inspiriert, und es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß beide Prärogativen des Primates jetzt, wie nie zuvor, zu gleicher Zeit aufs Heftigste angegriffen wurden. Gewiß wissen es nicht alle, die in dem Kampfe mitwirken, daß sie den Plänen der Hölle dienen, noch weniger wollen sie es, am wenigsten wollen sie damit das Reich Gottes aufbauen und vollenden helfen. Wer aber auch nur ein wenig mit dem Geist der italienischen Revolution, welche unmittelbar und hauptsächlich den Umsturz der weltlichen Herrschaft betrieb, bekannt war, der wußte längst, daß die italienischen Einheitsbestrebungen nur als Deckmantel benutzt werden, um das nackte Antichristentum, die ungeschminkte Satanokratie aufzurichten. In den öffentlichen Schandtaten, welche die italienischen Revolutionäre jetzt verübt haben und noch üben werden, muß auch das blödeste Auge erkennen, daß Held Satan leibhaftig dabei ist, wenn man schon nicht wüßte, daß die Mazzinianer einen förmlichen Satanskult organisiert haben. Es ist schon gesagt worden, daß wir in einer Zeit leben, wo die Scheidung zwischen dem Reiche Christi und dem Lager Belials immer schärfer und schroffer hervortritt. Nun wohl: gerade in den jüngsten Ereignissen scheinen durch Zulassung Gottes die Gegensätze beider Reiche in ausgeprägtester Form und nächster Nähe sich gegenübertreten zu wollen, indem dasselbe Rom unmittelbar nacheinander im vollen Glanze der jungfräulichen Stadt Gottes und unter dem Drucke der apokalyptischen ‚Hure von Babylon“‘erscheint. Gerade deshalb, weil sonst der böse Geist unter dem Mantel des Liberalismus – velamen malitiæ habens libertatem – Ehrfurcht vor Christus heuchelt und aus lauter Ehrfurcht die Herrschaft Christi aus der profanen Welt in das Heiligtum der Sakristei zurückgedrängt wissen will, läßt Gott ihm zuweilen das Vergnügen, sich förmlich als Antichrist auszuspeien. Die Zeit des Antichrists ist noch nicht da, aber sie kommt näher heran, und der gegenwärtige Augenblick scheint ein Vorspiel derselben sein zu sollen.“

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