Nachgedanken zum Fronleichnamsfest

von antimodernist2014

Die ökumenische „Fronleichnamsprozession“

Hierzu eine wichtige Bemerkung: Es scheint, als hätten inzwischen die Protestanten ihrerseits mehr Schwierigkeiten mit so einer ökumenischen Fronleichnamsprozession als die Anhänger der Menschenmachwerkskirche. Was wohl daran liegen mag, daß die Protestanten ihren Irrglauben immerhin noch ernster nehmen als diese den ihren. Jedenfalls ist auch von offizieller Seite inzwischen viel geschehen, um die immer noch vorhandenen Unterschiede kleinzureden. Prof. Fuchs verweist auf das Dokument „Das Herrenmahl“ von 1978: „Gemeinsam bekennen katholische und lutherische Christen, dass die eucharistische Gegenwart des Herrn Jesus Christus auf den gläubigen Empfang ausgerichtet ist, dass sie gleichwohl nicht nur auf den Augenblick des Empfangens beschränkt ist. Lutherischerseits hat man an gewissen Formen der eucharistischen Frömmigkeit, die mit dieser Überzeugung zusammenhängen, nicht selten Anstoß genommen. Man wertet sie als unzulässige Trennung vom Mahlgeschehen. Wiederum verletzt mancher lutherischerseits praktizierte Umgang mit den übrig gebliebenen Elementen das katholische Empfinden und signalisiert eine noch nicht bewältigte Diskrepanz. Was die eucharistische Anbetung betrifft, sollten die Katholiken darauf achten, dass ihre Praxis nicht der gemeinsamen Überzeugung vom Mahl-Charakter der Eucharistie widerspricht und ‚dass ihre Formen eucharistischer Verehrung sich gegenüber der ursprünglichen Bedeutung der Eucharistie als Speise nicht verselbstständigen‘. Lutheraner sollten ihrerseits bedenken, ‚dass die Anbetung des reservierten Sakramentes‘ nicht nur ‚in hohem Maße ein Teil katholischen Lebens und eine bedeutsame Form der Frömmigkeitspraxis für viele Jahrhunderte gewesen ist‘, sondern dass auch für sie ‚Gottesdienst, Verehrung und Anbetung so lange angemessen sind, wie Christus sakramental gegenwärtig bleibt‘.“

Abschließend möchten wir noch einen Rückblick wiedergeben, den ebenfalls Prof. Fuchs in seinem Vortrag erwähnt und der einen sehr nachdenklich stimmt, denn wir vergessen nur allzu leicht, daß diese Menschenmachwerkskirche inzwischen seit Jahrzehnten den Glauben der Leute deformiert: „‚Wenn das ganze Jahr hindurch keine Andacht mehr vor ausgesetztem Allerheiligsten und keine Betstunde vor dem Tabernakel gehalten wird, wenn es kaum noch einen Segen mit der Monstranz gibt, wenn man die Ewige Anbetung, das vierzigstündige Gebet und andere Übungen eucharistischer Frömmigkeit aus der Gottesdienstordnung gestrichen hat, und wenn die Besuchung in der Kirche und das Knien vor dem Tabernakel dem gläubigen Volk kaum noch ermöglicht wird, dann kann man nicht erwarten, dass einmal im Jahr eine freudige Zustimmung der Pfarrangehörigen zur Fronleichnamsprozession erfolgt‘, hieß es in einem Beitrag zu Fronleichnam in einer Zeitschrift schon 1974.“

Man muß es sich schon ganz klar vor Augen stellen: Das war vor inzwischen 48 Jahren, also noch zu Beginn der systematischen Zerstörung der katholischen Liturgie durch die sog. Neue Messe. Aufgrund der eigenen Erfahrungen muß Prof. Fuchs einräumen: „Allerdings wird man auch hier nicht einfach Altes wiederbeleben können, zumal nicht in der herkömmlichen Andachtsform, die eine Krise durchleidet. Und viele neue Feierformen zielen mehr auf ‚Aktionen‘ als auf Stille.“ Eine sehr euphemistische Art der Resignation angesichts des allgemeinen Trends zu immer mehr „Event“ muß man das wohl nennen.

Fronleichnam in der modernen Pfarrgemeinde – eine Predigt

Aber verlassen wir nun die universitäre Ebene und begeben wir uns einmal mitten hinein in eine konkrete moderne Pfarrgemeinde. An Fronleichnam hätte es sein können, daß wir uns während der Predigt folgende Überlegungen des Herrn Pfarrers hätten anhören müssen: „Ich habe diese Lesung aus dem 1. Korintherbrief gewählt – ich sag‘s ganz ehrlich, weil ich mit den beiden anderen, die die Liturgie heute vorschlägt zur Zeit, nicht zurechtkomme. Besonders nicht mit der zweiten aus dem Hebräerbrief, der diese unselige Kastenordnung, hier Priester hier Laien, begründet hat, und das bewegt mich zur Zeit negativ.“

Es ist leicht vorzustellen, daß ein unglücklicherweise in der Menschenmachwerkskirche Priester Gewordener sich mit der Zeit etwas unwohl fühlt aufgrund der „unseligen Kastenordnung“ – „hier Priester hier Laien“. Schon mit der Einleitung zieht der moderne Mahlvorsteher seine Zuhörer mitten in den Modernismus hinein, muß dieser doch hören, daß der Pfarrer sowohl mit dem Wort der Heiligen Schrift als auch mit seinem Stand unzufrieden ist. Ihm wäre es viel lieber, wenn es gar keinen Unterschied zwischen Laien und Priester geben würde, auch wenn in der Heiligen Schrift etwas ganz anderes steht. Für einen Modernisten ist nämlich die Heilige Schrift nur Menschenwort, mit dem man natürlich schon einmal unzufrieden sein kann, und seine Kirche ist nur Menschenwerk, dessen „Kastenwesen“ einem durchaus Unbehagen bereiten kann.

Der Prediger konfrontiert seine Zuhörer mit noch weiteren persönlichen Unzufriedenheiten: „Ich stehe dazu – ja – Eucharistiefeier ist christliches Urgestein; ja – Eucharistiefeier war für sie eine Existenzfrage – aber: das heißt nicht, daß jede christliche Feier am Sonntag, eine Eucharistiefeier, ein Fronleichnam sein kann und darf: drängt nicht einen Priester dazu, am Sonntag vier Eucharistiefeiern zu feiern, ihr macht ihn zum Eucharistieautomaten, ihr bringt ihn auf die Dauer um die Freude, Eucharistie feiern zu dürfen; bitte erspart ihm die Tortur, innerhalb von zwei Stunden zwei eucharistische Gottesdienste feiern zu müssen für zwei Gemeinden, die so verschieden sind. Eucharistiefeier ist keine Eintopfsuppe, sie ist Feier mit einer Gemeinde, die ihre Geschichte, ihr Gesicht, ihr Profil hat, ihre je eigenen Probleme und Fragen, ihre je eigene Art zu feiern, und erspart euch die Dauerenttäuschung, die für euch daraus erwachsen würde.“

Wir haben den Satz so stehen lassen, wie er wohl auch gesprochen wurde, weil er die ganze Not eines modernen Mahlvorstehers zum Ausdruck bringt, der fünf und mehr Gemeinden betreuen soll und dabei der Erwartungshaltung der wenigen Leute doch nicht in allem nachkommen kann, und zudem seine Auffassung von Eucharistiefeier dokumentiert. Weil sich der Pfarrer nun schon einmal in Rage geredet hat, ist es der Unzufriedenheit immer noch nicht genug: „Und noch ein Thema muss ich anschneiden: den Wunsch einiger, im Wortgottesdienst Kommunion auszuteilen. Dieser Wunsch war vor Jahren einmal auf dem Tisch, da habe ich vierzehn Experten in Liturgie in Österreich, in der Schweiz, in Deutschland und einen in England angeschrieben, alle waren sie dagegen und haben es in langen Briefen begründet. Steckt, bitte, zurück von dieser Unmäßigkeit von diesem Alles-Haben-Wollen, von dieser ungezügelten Habgier, und zerstört nicht den Sinn und die Werthaftigkeit der Eucharistie, und hungert lieber nach dem Wort Gottes und legt es aus und überdenkt und meditiert es und versucht es zu leben, das wird euch genügen; und ihr werdet in neuer Tiefe mit hungrigem Herzen, Eucharistie feiern.“

Unser Herr Pfarrer scheint selbst nicht so ganz überzeugt zu sein von den langen Briefen der gelehrten Herren, wo ihm doch derzeit das „Kastenwesen“ in der Kirche so schwer im Magen liegt, daß er sogar nochmals darauf zurückkommen muß: „Und noch eines: Auslegen des Wortes Gottes in der Eucharistiefeier durch Laien, Männer und Frauen, ich habe letzten Sonntag mit dem Pater Neuner gesprochen, ein Jesuit, seit 60 Jahren Missionar in Indien, heute 91, er war einige Tage in Feldkirch, seiner Geburtsstadt. ‚Sie machen einen Fehler‘, hat er gesagt ‚wenn sie das Kastensystem neu aufbauen wollen zwischen Laien und Priestern.‘ Er weiß aus 60 jähriger Erfahrung was Kastensystem heißt. Ein Unrecht, eine Anmaßung ein Ausschließen, wo doch so viele reich sind an Spiritualität, an Lebenserfahrung und Charismen.“

Na also, weg mit dem „Kastenwesen“, weg mit dem Unrecht, der Anmaßung und dem Ausschließen – nur mit dem Kommunionausteilen beim Wortgottesdienst bitte noch warten, bis die obere „Kaste“ die ausdrückliche Zustimmung gegeben hat – „Spiritualität, Lebenserfahrung und Charismen“ hin oder her. Nach so viel erleuchteter Einsicht beginnt man sich spätestens jetzt zu fragen, was denn der Herr Pfarrer am Fronleichnamsfest eigentlich gemacht hat und vor allem bei der Prozession, falls eine solche überhaupt noch stattgefunden hat, denn die Eucharistiefeier hat doch schon unter freiem Himmel stattgefunden. Da braucht man doch dann gar nicht mehr mit der Hostie durch die Gegend laufen, oder?

Zum Ende der Predigt ruft der Mahlvorsteher seinen Leuten noch zu: „Freunde, ich pfeife auf Fronleichnam, wenn es nicht Konsequenzen hat, für das Leben einer Gemeinde, wenn es nicht dorthin führt, wo Paulus hingedrängt hat: als ihr in der Taufe Christus übereignet wurdet, habt ihr Christus angezogen wie ein Gewand. Es hat deshalb nichts mehr zu sagen, ob einer Jude ist oder Nichtjude ist, Sklave oder freier Mann oder Frau ist, oder ist etwa der Graben zwischen Laien und Priester so noch tiefer, dann wehe der Kirche! Freunde, Fronleichnam ist also gefährlich, Fronleichnam ist Dynamit, Fronleichnam reißt uns die Masken vom Gesicht, und Fronleichnam ruft nach Konsequenzen… Amen.“

Es ist doch zu befürchten, daß die Zuhörer nach diesen „erbaulichen“ Worten ihres Herrn Pfarrers zum Fronleichnamsfest dann doch etwas verwirrt waren. So sieht es also auf der Ebene der Pfarreien mit ihren Pfarrern aus. Nun noch ein ganz kurzer Blick auf die Basis, und zwar auf die Jugend.

„Auf dem Weg mit Gottes Brot“

In dem Arbeitsheft „Auf dem Weg mit Gottes Brot – Andachtselemente zu Fronleichnam“ werden Anregungen „für die Gestaltung eines Gottesdienstes am Fronleichnamsfest“ gegeben. Wir wollen nur den 1. Themenblock erwähnen, in dem es heißt:

„Kraft durch das Brot Gottes
‚Bei welchem Konzert warst du zuletzt?
Heute machen sich viele Leute auf den Weg, um ihre Musikgruppe, ihre Stars zu sehen.
Sie wollen dabei auch ein gewisses High-Gefühl erfahren.
Im 13. Jahrhundert, also vor mehr als 700 Jahren, haben viele Leute ebenfalls weite Wege auf sich genommen, um ihr High-Gefühl zu erleben.
Sie wollten im Kommunionbrot Jesus sehen. Die Hostie zu sehen, war das Spitzengefühl. Wer sie gesehen hatte, war glücklich. Darum ist auch das Fest von Fronleichnam entstanden. Man wollte Gott für den vron lichnam danken.
Vron (=Herr) lichnam (=lebendig) heißt auf deutsch:
Lebendiger Herr.
Den lebendigen Herrn im Kommunionbrot zu sehen, hieß, selber lebendig zu werden und Kraft für das Leben zu finden. Wir sind zwar nicht High-süchtig. Aber es gibt genügend Erfahrungen in unserem Leben, bei denen wir uns ein Mehr an Kraft wünschen würden.‘
(„Liturgie für junge Menschen“ von Hans Bauernfeind/Günter Maier)“

Es ist unschwer zu erkennen, hier ist alles spezifisch Katholische inzwischen erfolgreich ausgesiebt. Es bleibt eine reine Gefühlsreligion mit einem irrationalen Gefühlsglauben übrig. Die arme Jugend ist somit doppelt betrogen: Erst hat man sie nicht mehr den wahren Glauben gelehrt, und nun wird sie, falls sie noch Interesse am Glauben hätte, mit einer billigen Gefühlsduselei abgespeist. Ob die Jugend daraus wirklich mehr an Kraft gewinnt, darf sicherlich mit vollem Recht bezweifelt werden.

Das katholische Fronleichnamsfest

Wenden wir uns nun von der Menschenmachwerkskirche ab und der kleinen Herde zu, welcher der Gute Hirte beruhigend zusichert: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben“ (Lk 12,32). Diese kleine Herde muß sich in diesen Zeiten der Verfinsterung der Kirche inmitten des Chaos zurechtfinden. Hierbei kann eine Betrachtung über die Bedeutung des Fronleichnamsfestes für unsere Zeit sehr hilfreich sein. Wir haben schon aufgezeigt, daß die Menschenmachwerkskirche mit diesem Fest im Grunde nichts mehr anzufangen weiß, weil sie den übernatürlichen göttlichen Glauben verloren hat, der sich ganz besonders in der Anbetung unsers göttlichen Herrn in der heiligen Hostie manifestiert. Während den Modernisten das Fronleichnamsfest eine Peinlichkeit nach der anderen bereitet, ist es für uns ein ganz tiefes Anliegen, denn unserem Herrn Jesus Christus in der kleinen weißen Hostie gebührt die Anbetung und Verehrung aller Menschen und im gewissen Sinne sogar der ganzen Schöpfung. Man kann Gott in der heiligen Hostie niemals genug ehren, deswegen ist in der echten, wirklich katholischen Liturgie das Fronleichnamsfest mit einer Oktav verbunden. Ein einzelner Tag genügt gar nicht, um den Reichtum dieses Geheimnisses auch nur einigermaßen anzusprechen. Natürlich hat Bugnini, der „Vater“ der „Neuen Messe“, diese Oktav schon im sog. 1962er Meßbuch gestrichen. Ganze acht Tage, das schien ihm wohl zu viel Aufmerksamkeit für das eucharistische Brot.

Die Liturgie des Fronleichnamsfestes – Der Sonntag in der Oktav

Wir wollen uns dem Fronleichnamsfest sozusagen von hinten nähern, nämlich von der Liturgie des Sonntags in der Fronleichnamsoktav her. Wie bei der Lesung von Fronleichnam, in welcher der hl. Paulus von der Einsetzung des hl. Meßopfers berichtet und sodann auf das Opfermahl der hl. Kommunion zu sprechen kommt – mit der ernsten Mahnung: „Wer also unwürdig dieses Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn“ – so spricht das hl. Evangelium vom Sonntag in der Oktav vom Gastmahl, zu dem viele geladen sind, sich aber alle Geladenen entschuldigen lassen.

Ein Gastmahl des Kaisers Caligula

Im See von Nemi, 30 Kilometer südlich von Rom, hat Kaiser Caligula (12-41 n. Chr.) zwei Riesenschiffe bauen lassen, die bereits in den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts aus dem See geborgen wurden. Die Schiffe hatten im Verhältnis zu dem kleinen See mit seinen ungefähr 1000 Metern Durchmesser gigantische Ausmaße: Das erste Schiff war 73 Meter lang und 24 Meter breit, das zweite maß 71 Meter Länge und 20 Meter Breite. Auf einem der Schiffe stand ein Tempel für die Göttin Diana, der mit Marmorsäulen, Mosaikböden und vergoldeten Bronzeziegeln geschmückt war. Das zweite Schiff trug eine Palastanlage für Caligula mit einem Warmwassersystem, das Thermen an Bord versorgte. Ob die Schiffe sofort nach dem Sturz Caligulas im Jahr 41 n. Chr. versenkt wurden oder erst später untergingen, ist bis heute ungeklärt.

Auf diesen Riesenschiffen hielt der Kaiser seine Gastmähler ab, zu denen er natürlich die Großen seines Reiches einlud. Tacitus schreibt in seinen Annalen über die Gastmähler des Kaisers Nero: „Ich will als einziges Beispiel anführen, um nicht öfters von derartiger Verschwendung berichten zu müssen. Tegellinus ließ also auf dem Teich des Agrippa ein Floß herstellen, das durch andere Schiffe von der Stelle fortbewegt werden konnte, während das Gastmahl stattfand. Die Schiffe waren mit Gold und Silber ausgelegt… Geflügel und Wild hatte er aus fernen Ländern, Fische sogar aus dem Ozean kommen lassen…“

Bei so viel Luxus und einer solchen Fülle von Gaumenfreuden, müßte man sich doch denken, die Großen des Landes hätten sich überaus geehrt gefühlt, zu einem dieser Gastmähler geladen zu sein und sie seien natürlich gerne gekommen. Auf diesen Riesenprunkschiffen inmitten einer atemberaubend schönen Natur zusammen mit dem Kaiser zu speisen, das mußte doch ein einmaliges Erlebnis gewesen sein. Nun wohl kaum, denn Caligula war ein wahnsinniger Kaiser, bekannt durch seine Launenhaftigkeit, Unberechenbarkeit und Grausamkeit. Es wird von ihm u.a. berichtet: „Viele geachtete Männer ließ er zuerst brandmarken und verurteilte sie dann zu Zwangsarbeit in den Bergwerken, zum Straßenbau oder zum Kampf mit wilden Tieren. Er sperrte sie auch wie Tiere in Käfige, worin sie sich nur auf allen Vieren bewegen konnten, oder ließ sie in der Mitte durchsägen. Und dies nicht etwa aus schwerwiegenden Gründen, sondern weil sie sich vielleicht über ein von ihm gegebenes Schauspiel geringschätzig geäußert oder niemals bei seinem Schutzgott geschworen hatten. …. Ein Dichter wurde wegen eines einzigen, einen zweideutigen Witz enthaltenden Verses mitten im Amphitheater verbrannt.“

Aufgrund dieser Tatsache läßt sich leicht denken, wie sich einerseits keiner der geladenen Gäste getraut hat, angesichts dieser Grausamkeit des Kaisers dessen Einladung abzuschlagen, aber anderseits auch jeder sehr froh war, wenn er nach dem Gastmahl wieder heil zu Hause angekommen war. Mit welchen Ängsten müssen die Gäste diese Gastmähler besucht haben, da ihnen praktisch ständig der Tod drohte. Wenn etwa ein Gast bei einem Witz des Kaisers nicht gelacht hat, hat er da nicht befürchten müssen, kurzerhand über Bord geworfen zu werden? Oder jemand lacht, weil er meinte, der Kaiser hätte einen Witz erzählt, konnte nicht auch ein solches Lachen jederzeit je nach Laune des Kaisers tödlich enden? Die Großen des Reiches waren sicherlich alle sehr froh, als der Kaiser endlich gestürzt und die Riesenschiffe auf dem Boden des Sees versenkt waren.

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