Kirche

„…und lehrte das Volk vom Schiffe aus“

Es ist also ganz und gar richtig, wenn man davon spricht, daß die Stimme Petri die Stimme Christi ist. Durch den wunderbaren Beistand des Heiligen Geistes wird er nämlich dazu befähigt, unfehlbar, also irrtumslos, den göttlichen Glauben zu verkünden, die Sitten zu bewahren und die kirchliche Rechtsordnung vor verderblichen Gesetzen zu bewahren. Nur so vermag auch die „göttliche Offenbarung“ „einen wahrhaft göttlichen Glauben zu erzeugen“. Nur so bleibt die Predigt unseres göttlichen Lehrmeisters durch die Jahrhunderte lebendig, um mit Hilfe der Gnade einen lebendigen übernatürlichen Glauben zu zeugen, in dem alle Katholiken auf der Welt geeint sind.

Das Vertrauen auf die Stimme Petri als unfehlbare Richtschnur des Glaubens war, wie das Vatikanische Konzil lehrte, immer die Lehre der Kirche: „Ihre (der Päpste) apostolische Lehre ist ja von allen ehrwürdigen Vätern angenommen und von den heiligen rechtgläubigen Lehrern verehrt und befolgt worden; denn sie wußten voll und ganz, daß dieser Stuhl des heiligen Petrus von jedem Irrtum immer unberührt bleibt, … Diese Gnadengabe der Wahrheit und des nie versagenden Glaubens (charisma veritatis et fidei numquam deficientis) wurde also dem Petrus und seinen Nachfolgern auf diesem Stuhle, von Gott verliehen, damit sie ihr erhabenes Amt zum Heile aller ausübten, damit die gesamte Herde Christi durch sie, von der giftigen Speise des Irrtums ferngehalten und mit der Nahrung der himmlischen Lehre ernährt werde“ (DS 3070).

Es ist heutzutage eine Tatsache, daß fast niemand mehr dieses ganz und gar abgesicherte Wissen hat, „daß dieser Stuhl des heiligen Petrus von jedem Irrtum immer unberührt bleibt“. Besitzen doch die neurömischen Pseudopäpste ganz sicher nicht mehr „diese Gnadengabe der Wahrheit und des nie versagenden Glaubens“, weil sie gar keine legitimen Päpste sind. Darum muß man auch ihre Lehre dauernd anhand der eigenen vermeintlichen Tradition auf ihre Richtigkeit hin überprüfen. Wie gehen etwa die „Traditionalisten“ mit den Enzykliken ihrer „Päpste“ um? Sie korrigieren, kritisieren, verbessern sie wie ein Lehrer die Schularbeit eines Schülers. Immer muß das kirchliche Lehramt dieser „Traditionalisten“ von ihnen belehrt werden – und das Absurde ihres Tuns fällt ihnen gar nicht mehr auf!

Schon Papst Pius XII. hat in seiner Enzyklika „Humani generis“ das gleichgeartete Verhalten der Modernisten zurückgewiesen: „Ebensowenig darf man annehmen, was in den Enzykliken vorgelegt werde, fordere keine Zustimmung, da die Päpste in diesen Schreiben nicht die höchste Gewalt ihres Lehramtes ausüben. Sie sind nämlich Verlautbarungen des ordentlichen Lehramtes, von dem das bekannte Wort ebenfalls gilt: ‚Wer euch hört, hört mich‘ (Lk. 10,16)“ (DS 3885; „Heilslehre der Kirche“ Nr. 445). Unser göttlicher Lehrmeister hat es zu den Aposteln selbst gesagt: „Wer euch hört, hört mich.“ Das gilt ebenso voll und ganz für die Nachfolger Petri, die wie die Apostel gerade deswegen mit den Charisma der Unfehlbarkeit ausgestattet wurden, damit wir ihnen übernatürlichen Glauben schenken können und „sie ihr erhabenes Amt zum Heile aller ausübten, damit die gesamte Herde Christi durch sie von der giftigen Speise des Irrtums ferngehalten und mit der Nahrung der himmlischen Lehre ernährt werde“.

Das authentische Lehramt, die Richtschnur des übernatürlichen Glaubens

Besonders nachdrücklich hat Papst Leo XIII. in seiner Enzyklika „Satis cognitum“ vom 29. Juni 1896 auf die Konsequenzen einer Zurückweisung des authentischen Lehramtes aufmerksam gemacht: „So war es stets Gewohnheit der Kirche, welche auf das einstimmige Urteil der heiligen Väter hin stets jene für aus der katholischen Gemeinschaft ausgeschlossen und außerhalb der Kirche befindlich betrachtet haben, die sich auch nur im mindesten von der durch das authentische Lehramt verkündeten Lehre entfernen.“ Es heißt hier ausdrücklich „das authentische Lehramt“ und nicht „unfehlbares Lehramt“.

Was fordert nun der Papst von jedem Katholiken? Er erklärt ganz bestimmt, wer sich „auch nur im mindesten von der durch das authentische Lehramt verkündeten Lehre“ entfernt, der ist „auf das einstimmige Urteil der heiligen Väter hin stets … für aus der katholischen Gemeinschaft ausgeschlossen und außerhalb der Kirche befindlich betrachtet“ worden. Denn die authentische Lehrbezeugung ist, wie Scheeben ganz folgerichtig lehrt, „ein Akt der Übermittlung übernatürlicher Güter und der Erzeugung bzw. Vollendung übernatürlichen Lebens“ (A. a. O. n. 114; vgl. n. 63). Nur unter dieser Voraussetzung kann die Offenbarung „als Prinzip übernatürlicher, göttlicher Glaubenserkenntnis erfaßt werden“ und „ihrerseits als Gesetz eines übernatürlichen, der Majestät Gottes entsprechenden Glaubensgehorsams den Menschen erfassen“, weshalb Gott die Verkündigung des Lehrapostolates durch eine dreifache übernatürliche Mitgift ausgezeichnet hat, nämlich durch Unfehlbarkeit, äußere Legitimation und seine persönliche Sanktion (vgl. A. a. O. nn. 63; 77ff und 95f).

Die Übernatürlichkeit dieser drei Vorzüge ist gemäß Scheeben heilig und unantastbar, und er verteidigt sie ebenso entschieden gegen alle häretische Verfälschung wie gegen das theologische Mißverständnis in dem eigenen Lager. Dabei sei es nochmals betont, daß die Argumentation Scheebens gegen die damaligen Häretiker, nämlich die Altkatholiken, völlig gleichlautend auch einen Großteil der heutigen „Traditionalisten“ trifft. Diese haben ganz offensichtlich ihre Argumente den Häretikern entlehnt, wie etwa ihre unausrottbare Lüge, die Päpste Honorius, Liberius und Johannes XXII. seien Häretiker gewesen, zu genüge beweist.

Die unfehlbare Lehre, das Wesensmerkmal der Kirche Jesu Christi

Zweifellos ist es für den Menschen schwerer, sich mittelbar durch die Kirche Gott im Glauben zu unterwerfen, als Gott unmittelbar das Gehorsamsopfer des Glaubens zu bringen. Aber allein dadurch, daß man sich einer sichtbaren, von Gott eingesetzten Autorität unterordnet, kann und soll der Glaube zur vollkommenen Unterwerfung des eigenen Urteils unter das Urteil Gottes und somit ein übernatürlicher Glaube werden. Die theologische Basis der Arbeit Scheebens über den übernatürlichen Lehrapostolat der Kirche ist, wie Dr. Bartz ausdrücklich betont, das „mysterium maternitatis Ecclesiae“, das Geheimnis der Mutterschaft der Kirche. Als Mutter „soll die Kirche ihre Kinder eben über jene übernatürlichen geheimnisvollen Wahrheiten belehren, welche der Sohn Gottes aus dem Schoß seines Vaters in ihren Schoß herabgebracht. Sie soll ihre Kinder einweihen in die Mysterien Gottes und ihrer eigenen übernatürlichen Stellung und Bestimmung, soll dieselben lehren mit einer solchen Autorität und Unfehlbarkeit, wie sie einerseits der Würde der Gottes Stelle vertretenden Braut Christi, anderseits der Erhabenheit des in ihren Kindern zu erzeugenden Glaubens entspricht“ (Prof. Dr. Wilhelm Bartz, Die lehrende Kirche, Ein Beitrag zur Ekklesiologie M.J. Scheebens, Paulinus-Verlag Trier 1959, S. 122).

Allein aus dieser Kenntnis des übernatürlichen Wesens der Kirche erwächst auch das übernatürliche Vertrauen des Katholiken in die unfehlbare Führung durch diese. Und diese durch die vollkommene Bindung an die Kirche im übernatürlichen Glaubensgehorsam erhöhte Verdemütigung und Hilfsbedürftigkeit des Gläubigen vermag „erst recht den kindlichen Sinn gegen Gott und den kindlichen Verkehr mit Gott, welcher die Seele des göttlichen Glaubens bildet“, zur Entfaltung zu bringen, indem „wir das Wort Gottes gerade aus dem Munde der Kirche als unserer von Gott bestellten und von seinem Geiste geleiteten Mutter mit kindlichem Sinne empfangen sollen“ (Dogmatik a. a. O. n. 765).

Dieser Gedanke Scheebens wirft spontan eine Frage auf: Welches Kind hat jemals seiner Mutter so mißtraut, wie die Traditionalisten ihrer „Kirche“? Ist die „Kirche“ der Traditionalisten nicht eine waschechte Rabenmutter – und damit ganz vergleichbar die „Kirche“ der Modernisten? Vielleicht wollen deswegen so viele „Traditionalisten“ „zurück nach Rom“, weil sie im Grunde schon eins sind in ihren Irrtümern? Wenn Scheeben zu bedenken gibt: „Das Haupt des Lehrkörpers muß die Gabe der Unfehlbarkeit haben, da sonst der Zweck, dessentwegen es mit souveräner Lehrhoheit ausgestattet ist, die Gewährleistung der allgemeinen Glaubenseinheit, nicht nur nicht erreicht, sondern geradezu in sein Gegenteil verwandelt würde, nämlich in die Einheit im Irrtum.“ (A.a.O. n. 146), so benennt er damit gerade diesen Sachverhalt – mit einem allzeit irrenden „Papst“ kann ich tatsächlich nur im Irrtum eins sein. Immerhin müßte man nach Papst Leo XIII. den Konzilspäpsten, wenn diese legitime Päpste wären, trotz aller persönlicher Zweifel religiös motivierten Glaubensgehorsam leisten, d.h. man müßte ihnen wie Gott gehorchen: „Die Einmütigkeit der Überzeugungen erfordert also ebenso wie eine vollkommene Übereinstimmung in dem einen Glauben, so auch die vollkommene Unterwerfung des Willens im Gehorsam unter die Kirche und den Römischen Papst, als wie unter Gott“ (Enzyklika „Sapientiae Christianae“).

Die Ablehnung der von Gott bevollmächtigten Glaubensboten durch die Protestanten und Modernisten …

Es liegt auf der Hand, seit Roncalli alias „Johannes XXIII.“ ist es für einen Katholiken unmöglich, diese „vollkommene Unterwerfung des Willens im Gehorsam unter die Kirche und den Römischen Papst“ zu leisten, wenn er in den „konziliaren Päpsten“ seinen Papst sieht. Es ist aber recht erstaunlich, wie wenig der sog. Katholiken noch fähig waren und sind, die richtige Schlußfolgerung aus dieser Tatsache zu ziehen. Die einzig mögliche und richtige Schlußfolgerung ist schließlich die: Wenn ich diese „vollkommene Unterwerfung des Willens im Gehorsam unter die Kirche und den Römischen Papst, als wie unter Gott“ nicht mehr leisten kann, dann kann es sich nicht um „die Kirche und den Papst“ handeln, weil diese „vollkommene Unterwerfung des Willens im Gehorsam unter die Kirche und den Römischen Papst, als wie unter Gott“ wesensnotwendig für den übernatürlichen katholischen Glauben ist.

Es ist recht erhellend, hierzu auf die Vergangenheit zu schauen, um verstehen zu lernen, weshalb die meisten sog. Katholiken nicht mehr fähig sind, diese mögliche und richtige Schlußfolgerung aus den Tatsachen zu ziehen. Die Protestanten wollten durchaus noch Christen sein. Sie rühmten sich sogar, das evangelische Erbe unverfälscht bewahren zu wollen und zu können. Aber, wie Scheeben bemerkt: „Der Protestantismus läßt die Offenbarungsurkunde allein gelten und schließt Zeugen, Gesetzgeber und Richter aus.“ Man könnte auch sagen, die Protestanten ziehen ein Buch der Predigt Jesu Christi, dem lebendigen Wort vor. Ihnen genügt vermeintlich die Heilige Schrift, um den christlichen Glauben haben zu können. Nochmals: Anstatt zur Predigt des Sohnes Gottes zu gehen, lesen sie lieber in einem Buch.

In theologischer Sprache gesagt: „Demzufolge wird vielfach die Verschiedenheit der katholischen und der protestantischen Anschauung über das Material- und Formalprinzip des Glaubens dahin zusammengefaßt, daß der Protestantismus nur eine Glaubensquelle anerkenne und die Glaubensregel überhaupt leugne. Ohne diesen grundlegenden Unterschied irgendwie übersehen zu wollen, was unbedingt falsch und verkehrt wäre, muß man darauf hinweisen, daß die gemachte Feststellung ‚nur dann adäquat richtig ist, wenn hinzugefügt wird, daß die Verwerfung der Zeugen ebenfalls nicht bloß einen materiellen Unterschied, nämlich bezüglich des Umfanges der Glaubenswahrheit, sondern auch einen formellen, bezüglich der Art der Zuführung des Glaubensinhaltes und der Erzeugung des Glaubens, enthält, indem die Protestanten geradezu das fides ex auditu und damit die lebendige Übermittlung des Wortes Gottes verleugnen‘“ (Prof. Dr. Wilhelm Bartz, S. 97f).

… und die damit verbundene (oder daraus folgende) Zurückweisung des übernatürlichen Glaubens

Wer die von Gott eingesetzten und mit Seiner Autorität ausgestatteten Zeugen des Wortes Gottes zurückweist, der weist den übernatürlichen Glauben zurück: „Denn die propositio ecclesiae [die Vorlage der Lehre durch die Kirche] bedeutet mehr als die wortgetreue und unfehlbare Darbietung des Qffenbarungsinhaltes. Diese Aufgabe könnte auch ein Buch erfüllen, und zwischen der fides divina [dem göttlichen Glauben] und der fides divina et catholica [dem göttlichen und katholischen] bestände dann lediglich ein materieller Unterschied. Weil die Kirche die Heilslehre lebendig, im Auftrag, in der Autorität und in der Kraft Gottes kundtut, spricht Gott selbst durch ihren Mund zu uns, so daß folglich das göttliche Motiv des Glaubens eher, durch sie und in ihr an uns herantritt und auf uns einwirkt. Mit anderen Worten: die Kirche tritt dem Glauben gegenüber auf nicht bloß irgendwie als ministra materiae verbi Dei [die Dienerin des niedergeschriebenen Wortes Gottes] (= subministrans oder exhibens materiam verbi), sondern als ministra Dei loquentis [Dienerin des Sprechenden Gottes] oder als Organ und bevollmächtigte Gesandte des redenden Gottes selbst, der eben durch sie sein Wort in lebendiger, der Würde und Kraft desselben entsprechender Weise uns vorführt‘. Nur so vermag die ‚göttliche Offenbarung‘ ‚einen wahrhaft göttlichen Glauben zu erzeugen‘. Sie darf darum nicht ‚als ein totes Wort einmal im Schoße des Menschengeschlechtes niedergelegt sein, sondern muß als ein lebendiges Wort fort und fort durch die Jahrhunderte von Gott selbst weiter gesprochen und geltend gemacht werden, so daß sie zu jeder Zeit mit derselben Kraft und Würde an die Menschen herantreten kann, wie zur Zeit, wo sie zum ersten Male ausgesprochen wurde; im andern Falle würde das einmal gesprochene Wort Gottes für die Nachkommen nicht mehr als ein gegenwärtiges in seiner ursprünglichen Frische erscheinen, nicht mehr seinerseits an die Menschen herantreten, um sie zu ergreifen und zu durchdringen, sondern darauf warten müssen, ob und wie weit es von ihnen ergriffen und aufgenommen werde‘. Diesem Sachverhalt entspricht denn auch das ausdrückliche Gebot des Herrn an seine Apostel, ‚in seinem Namen und unter seinem Beistand in ihren Nachfolgern‘ sein Evangelium über Zeit und Raum hinweg zu predigen, und an die Menschen, das Wort der Apostel wie sein eigenes anzunehmen (Mt. 28, 18-20; Lk. 10, 16). Es ist der Wille Christi, daß seine Lehre durch eine von ihm eingesetzte und bevollmächtigte Autorität allzeit verkündigt, eingeschärft und zu glauben befohlen wird. Darum schreibt der Apostel: ‚Also kommt der Glaube aus der Predigt; die Predigt aber geschieht im Auftrag Christi‘, und zwar durch seine Gesandten, von denen Paulus sagt: ‚Ihr Schall ist über die ganze Erde ergangen und bis an die Grenzen des Erdkreises ihr Wort‘ (Rom. 10, 17 f)“ (Ebd., S. 98).

Alte Irrlehren neu belebt

Während die Protestanten das gesamte kirchliche Lehramt leugneten, meinten die Gallikaner und Altkatholiken allein ein bischöfliches Lehramt, bzw. ein allgemeines Lehramt der ganzen Kirche würde genügen, den katholischen Glauben aufrechtzuerhalten. Für sie war nicht der Papst, sondern allein die Kirche unfehlbar. Nun ist es jedem, der nur ein klein wenig in einer Kirchengeschichte geblättert hat, evident, daß ein einzelner Bischof kein Garant des Glaubens sein kann, denn wie viele Bischöfe sind im Laufe der Jahrhunderte vom Glauben abgefallen und Irrlehrer geworden! Die Unfehlbarkeit der Kirche kann somit nicht auf dem einzelnen, jederzeit irrtumsfähigen Bischof gründen, sie muß anderswo zu finden sein. Aber wo? Jedenfalls nach Ansicht der Gallikaner und Altkatholiken nicht mehr in einer konkret greifbaren Autorität, sondern nur noch in einem Abstraktum. Unfehlbare Kirche ist nämlich für sie das, was über die Zeiten hinweg gleich bleibt. Da stelle sich jedoch sofort die Frage: Aber wer bestimmt denn, was über die Zeiten hinweg gleichgeblieben ist, was konkret kirchliche Tradition ist und was nicht?

Spätestens hier zeigt sich die protestantische Wurzel dieser Irrlehre. Auch die Gallikaner und Altkatholiken lehnen den von Gott eingesetzten konkreten Glaubenszeugen, die durch die Jahrhunderte gegenwärtige lebendige Stimme Christi, den unfehlbaren Papst ab. Sie setzen an die Spitze ihrer Unfehlbarkeit ein nicht faßbares Abstraktum – die unfehlbare Kirche –, womit sich die Unfehlbarkeit letztlich in nichts auflöst. Dabei ist für sie nicht die Heilige Schrift „unfehlbar“, wie bei den Protestanten, sondern allein die Tradition. Nach dieser muß sich jeder richten, der katholisch sein will – wobei freilich konkret niemand sicher weiß, was genau katholische Tradition ist und was nicht. Denn jeder Irrlehrer hat bekanntlich seine eigene Tradition. Das besonders Gefährliche an der Irrlehre der Gallikaner und Altkatholiken ist, daß sie nicht grundsätzlich einen „Papst“ ablehnten, sondern diesem durchaus etwa einen Ehrenprimat zubilligten. Heute würden die Altkatholiken einfach in der Menschenmachwerkskirche bleiben können, denn im Grunde unterscheidet sie lehrmäßig nichts mehr von dieser. Damals wurden sie noch durch die Definition der Unfehlbarkeit des Papstes auf dem Vatikanum gezwungen, aus ihrer Irrlehre die Konsequenz zu ziehen und die katholische Kirche zu verlassen.

Im Jahre 1869 konnte M. J. Scheeben noch schreiben: „Jeder Katholik weiß, daß er durch die am Priestertume haftende Macht in der Taufe zum Leben der Kinder Gottes wiedergeboren ist und von derselben Macht in den übrigen Sakramenten die Gnaden zum Wachstum, zur Nahrung und Heilung dieses neuen übernatürlichen Lebens zu empfangen hat und empfängt… Nicht aber wissen alle oder wollen es wissen, daß in der Priesterschaft und namentlich in deren Stammhaltern, den Bischöfen, eine wahre Erziehungsvollmacht kraft göttlicher Mission und unter unfehlbarer Mitwirkung des Heiligen Geistes verwaltet wird, also ebenso wie jene mit übernatürlicher charismatischer Ausstattung ihnen gegenüber auftritt, und daß mithin eine Anzahl von bestimmten Organen auch in letzterer Beziehung die Träger einer übernatürlichen Mutterschaft sind“ (Das ökumenische Concil vom Jahre 1869 II, S. 532 f).

Wenn es damals schon so war, dann darf man sich heute nicht wundern, wenn Hopfen und Malz verloren scheint. Jedenfalls sollte für jeden Katholiken das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus in dieser papstlosen Zeit ein ganz besonderer Buß- und Gebetstag sein. Bitten wir unseren Herrn Jesus Christus, Er möge Seiner heiligen Kirche wieder einen Papst schenken und diese furchtbare Zeit der Strafe für unsere Undankbarkeit für diese außerordentliche Bevorzugung Seiner göttlichen Güte beenden:

Vater unser… Gegrüßet seist du, Maria… Ehre sei dem Vater…
V. Ich werde Mir einen treuen Priester erwecken: Der handeln wird nach Meinem Herzen
und Sinn.
A. Ich will ihm erbauen ein festes Haus; und alle Tage wird er wandeln
vor Meinem Gesalbten.
V. Herr, gedenke des David:
A. sei eingedenk all seiner Milde.
Lasset uns beten:
In tiefer Demut flehen wir Dich an, Herr, daß Deine unermeßliche Vaterliebe der hochheiligen Römischen Kirche einen Oberhirten gewähre, der wegen seines frommen Eifers Dir stets wohlgefalle und Deinem Volk wegen seiner heilbringenden Regierung zum Ruhm Deines Namens beständig ehrwürdig sei. Durch Christus unsern Herrn. Amen.

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