Von Löwen und Wölfen

von antimodernist2014

Das Evangelium vom Wolf im Schafspelz macht einen jedes Jahr wieder neu nachdenklich. Hat doch ein solcher Wolf in einem Schafspelz etwas unheimlich Bedrohendes an sich – oder noch etwas besser gesagt, etwas hinterhältig Bedrohendes sogar. Denn zu einem Schaf wird jeder sofort, ganz spontan zutrauen empfinden, wenn aber das Schaf gar kein Schaf, sondern ein Wolf ist, was dann?

Je konkreter man sich in die in diesem Evangelium beschriebene Gefahr hineindenkt, desto mehr kommt man zu der Überzeugung, eigentlich müßte man heute das Bild anders wählen, denn es ist eindeutig mit den Wölfen in den Schafspelzen anders als früher. Man wundert sich jeweils sehr, mit ansehen zu müssen wie wenige noch fähig sind, diese Tatsache klar wahrzunehmen.

Aber erinnern wir uns zunächst nochmals an den ursprünglichen Sachverhalt. In einem älteren Buch wird er so beschrieben: „Böse Menschen sind Werkzeuge der Hölle. Gewöhnlich sind Freundschaft, sinnliche Neigung und Liebe, Schmeichelei die Maske, unter welcher böse, wollüstige Menschen, ihre tierischen, höllischen Absichten verbergen. Reine, noch unverführte Seelen sind meist arglos, sie wähnen nichts Böses, die Schmeichelei gefällt, sie glauben sich glücklich fühlen zu dürfen, wenn sie einen Menschen gefunden haben, der sie liebt und alles für sie hinzugeben bereit scheint; – aber ach! Wie traurig ist das Ende! – Die Unschuld wird gemordet, und nun ist auch die höllische Absicht erreicht, die der Wolf unter dem Schafspelze hatte. Jesus hat die Verführer schön verglichen mit Wölfen, die in Schafspelzen stecken, von außen sanfte Lämmer, gut, fromm, liebevoll, wohlmeinend scheinen, innen aber reißende Wölfe sind, die uns nur um das Leben der Seele, um die Reinheit und Unschuld zu bringen suchen.“

Der Verführer arbeitet immer mit Täuschung und Betrug. Er möchte sein Opfer in Sicherheit wiegen, damit er umso leichter und besser sein böses Ziel erreichen kann: Gewöhnlich sind Freundschaft, sinnliche Neigung und Liebe, Schmeichelei die Maske, unter welcher böse, wollüstige Menschen, ihre tierischen, höllischen Absichten verbergen. Wer sich von der Maske der geheuchelten Freundschaft, von seinen sinnlichen Neigungen und der Schmeichelei täuschen läßt, weil er nicht wachsam genug ist, weil er allzu vertrauensselig ist, für den wird es sehr schnell ein böses Erwachen geben. Der Verführer wird seine Versprechen und Schmeicheleien nicht nur nicht halten, er wird im Gegenteil viel Leid und Not über sein Opfer bringen. Umso schlimmer ist es noch, wenn es nicht nur um Irdisches, sondern um das Wohl der Seele geht. „Jesus hat die Verführer schön verglichen mit Wölfen, die in Schafspelzen stecken, von außen sanfte Lämmer, gut, fromm, liebevoll, wohlmeinend scheinen, innen aber reißende Wölfe sind, die uns nur um das Leben der Seele, um die Reinheit und Unschuld zu bringen suchen.“ Diese Verführer „sind Werkzeuge der Hölle“, sie sind Höllenmenschen, die den Seelen ewiges Verderben bringen.

Wobei man extra betonen muß, heutzutage ist diese höllische Verführung ganz allgemein geworden, sie ist sozusagen allgegenwärtig. Immer müssen wir deswegen auf der Hut sein, immer müssen wir nüchtern und wachsam sein.

Ein brüllender Löwe

Ist es angesichts der offenkundigen Fakten nicht lächerlich, überhaupt noch von Wölfen in Schafspelzen zu sprechen? Weist die Anwendung dieses Bildes auf die heutige kirchliche Situation nicht schon auf eine bedenkliche Wahrnehmungsstörung hin?

Kürzlich war zu lesen, daß irgendwo in Afrika ein Wilderer von Löwen zerrissen worden ist. Nun, der Wilderer wird sich wohl kaum eingebildet haben, daß die Löwen in der Wildnis harmlose Miezekatzen sind, Streichelkätzchen, mit denen man unbekümmert spielen kann. Der Wilderer, wenn er noch am Leben wäre, könnte sich nicht herausreden und sagen: Der Löwe war ganz hinterhältig und hat mich getäuscht, er hat miaut anstatt zu brüllen. Letztlich ist er selbst an seinem Tod schuld, er war wohl zu habgierig und deswegen nicht vorsichtig genug. Seinen Tod kann man jedenfalls nicht den Löwen anlasten, Löwen sind nun einmal Raubtiere. Das werden sicherlich die meisten noch einsehen können. Es ist dagegen im höchsten Grade merkwürdig und deswegen immer wieder bedenkenswert – wenn es um die kirchlichen Verhältnisse geht, meinen die meisten Leute Löwen seien harmlose Miezekatzen.
Wer ist denn im kirchlichen Bereich ein Löwe, ein beutejagendes, todbringendes Raubtier?

Nun, im kirchlichen Bereich ist jeder Irrlehrer, jeder sog. Häretiker, also jeder, der einen falschen, irrigen und deswegen todbringenden Glauben predigt, ein Löwe. Wir sollten es uns wenigstens ab und zu ganz ausdrücklich in Erinnerung rufen: Die größte Sünde ist die Sünde gegen den Glauben, weil diese Sünde das Fundament des göttlichen Heiles zerstört. Wenn jemand allein einen Bankraub begeht, dann begeht nur er selbst eine schwere Sünde und zieht niemand anderen mit hinein. Ein Luther, ein Montini, ein Wojtyla hingegen haben nicht nur ihre eigene Seele, sondern Millionen Seelen mit ins Verderben gerissen. Sie haben mit ihren Irrtümern Seelen gemordet, ihnen die heiligmachende Gnade geraubt.

Die meisten Traditionalisten wollen nicht wahr haben, wie allgemein der Irrglaube in der Menschenmachwerkskirche geworden ist. Dies ist jedoch nur möglich, wenn man den katholischen Glauben nicht mehr so ernst nimmt, wie er seinem Wesen nach ernst genommen werden muß. Konkret wird dieser Ernst bei der Zurückweisung der Irrtümer, zerstört doch ein einziger Irrtum den ganzen übernatürlichen Glauben. Diese Wahrheit scheint den meisten nur noch theoretisch präsent zu sein. Konkret meinen sie, es genüge doch, wenn man noch irgendwie katholisch sei, wobei dies eigentlich ein Widerspruch in sich ist, denn man kann nicht einfach nur irgendwie katholisch sein, man muß es immer ganz sein. Besonders absurd wird es, wenn etwa eine Internetseite sich den Wahlspruch wählt, „Je katholischer, desto besser“. Damit ist der Relativismus Wesenskriterium des Glaubens geworden, ohne daß diese Leute es überhaupt noch merken. Wer so denkt, ist natürlich für alle möglichen Irrlehren anfällig geworden.

Eine Predigt in der Diözese Basel

Um einigermaßen zu überblicken, was in der Menschenmachwerkskirche inzwischen konkrete Selbstverständlichkeit geworden ist, d.h., um zu sehen, was der gewöhnliche Menschenmachwerkskatholik glaubt, lohnt es sich durchaus, ab und zu einen Blick in eine Pfarrgemeinde zu werfen. In einer Pfarrei der Diözese Basel wurde in der Predigt vom 3. Adventssonntag 2013 gesagt:

Schwestern und Brüder,
wir hören heute im Evangelium die Frage der Täufers: „Bist du der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Mt. 11.2—3). Es ist eine Frage. die damals den Täufer brennend bewegt hat, und müsste eigentlich auch die Frage sein, die für uns an erster Stelle steht… Und dies deshalb, weil die Medien voll sind von widersprüchlichen Meinungen unserer kirchlichen Vorgesetzten, wichtige Lebensbereiche von uns Menschen und Gläubigen betreffend.

Eine Reform der Dogmen…

Unser Papst Franziskus hat erkannt, daß nicht nur die Liturgie einer Reform bedarf, sondern auch die Lehre und die Dogmen (Glaubenssätze) hinterfragt und überarbeitet werden müssen, will die Kirche den Menschen von heute noch erreichen.
Schwestern und Brüder — so der Prediger weiter — , es sind schmerzliche Erfahrungen, die Ihr als Gläubige und ich als Seelsorger machen muss. Was gilt noch … Was soll und darf ich euch noch verkünden?
Ich folge dem Papst, der in seinem Heimatland wohl Wahnsinnserfahrungen gemacht hat, das Alltagsleben betreffend. Erfahrungen, die nun in sein Pontifikat einfließen und vielen Menschen und Gläubigen Erleichterung bringen, das Leben als Christen betreffend: Geschiedenen und Wiederverheirateten. Lesben und Schwulen. Transvestiten (Männer, die sich aufgrund ihrer Veranlagung wie Frauen kleiden. schminken) usw.

… und ein selbstgemachter Gott, …

Gott wird nicht mehr verkündet als Aufpasser und Strafender, sondern als Freude- und Hilfebringender. „Die Freude des Evangeliums erfülle das Leben derer, die Jesus begegnen“. sagt Papst Franziskus.

… eine verbeulte Einheitskirche

Ja, Jesus in seiner Liebe, in seiner Fürsorge und Anteilnahme zu allen Menschen, denen er begegnete, ist und muß die Zentralfigur unseres Glaubens sein.
„Im Mittelpunkt des Evangeliums selbst aber stehen das Gemeinschaftsleben und die Verpflichtung gegenüber allen anderen“, sagt der Papst und weiter: … „darum sei ihm eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen sei, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit krank sei.“

„Es gibt keinen katholischen Gott.“

Das sind starke Worte, liebe Schwestern und Brüder, denen ich ein zweites Wort des Papstes anfügen möchte, das uns der Einheitskirche näherbringen könnte, wenn wir dieses Wort aufnehmen und ihm Gestalt zu geben versuchen, das Wort: Es gibt keinen katholischen Gott!

Der Menschenmachwerksglaube …

Gott bleibt Gott, Jesus, unser Herr und Erlöser, ist und bleibt Jesus Herr und Erlöser, aber die Glaubenslehre ist der Zeit und dem Raum unterworfen und kann und wird somit notgedrungen Änderungen unterworfen sein. Die Glaubenslehre ist das Werk und die Meinung von Menschen, Kirchenvätern, die aus ihrem Horizont (Gesichtskreis) und ihrer Zeit heraus die Lehre niederschrieben.

… unter Patenschaft des Heiligen Geistes!!!

Gewiß, ich weiß, daß man da lehrt, der Hl. Geist habe bei der Niederschrift Pate gestanden. Das glaube auch ich, aber der Hl. Geist ist auch heute noch am Werk, ist auch uns verheißen, deshalb dürfen wir frühere Aussagen korrigieren und neu fassen.
Diese Tatsache allerdings wird uns Kraft und Mut kosten, Tränen und Herzschmerz vielleicht, weil das, was für uns allunumstößliche Wahrheit war, zum Teil relativiert werden muss neuer Erkenntnisse wegen.

Mann und Frau – oder doch eher Zwitter?

Ein Beispiel: Wenn es in der Bibel heißt. Gott schuf den Menschen als Mann und als Frau, wird man nach der heutigen Erkenntnis sagen müssen/dürfen:
‚Gott schuf den Menschen und gab ihm den Auftrag, in Liebe sich zu verbinden, sodaß jeder nach seiner Geburt, Schöpfung und Anlage glücklich und selig wird.‘ Darin eingeschlossen ist die Erkenntnis, daß der Mensch biologisch als Mann und als Frau geschaffen wurde, gewiss, doch daß sich nicht jedermann seinem Geschlecht zugeordnet fühlt; dies nun ist eine Tatsache, die der Schreiber der Genesis (1. Buch Mose) noch nicht verifizieren (nachprüfen) konnte.

Die Neuausrichtung des Papsttums…

Schwestern und Brüder,
Papst Franziskus muß uns Ungeheures zumuten, er sagte sogar über die Neuausrichtung des Papsttums müsse er nachdenken, dies aber dürfte, im Vergleich mit der Physik, einem Quantensprung gleichkommen.
Ich denke, daß nicht jeder Kardinal, der ihm im Konklave die Stimme gab, sie ihm heute noch gäbe. Doch eben darin sehe ich die Kraft des Gottesgeistes, der bis ans Ende der Zeit mit uns ist, wie der Herr uns verheißen hat.
Eine konkrete Mahnung spricht Papst Franziskus für alle seine Gläubigen aus und insbesondere auch für die Priester: er sagt: Jeder muß bereit sein, sich vom Wort des Herrn ergreifen zu lassen und muß es in seinem konkreten Leben Gestalt werden lassen.
Die Glaubwürdigkeit unserer Nachfolge hat nichts oder aber nur bedingt mit Gesetzesbuchstaben zu tun, sondern mit dem Tun am Mitmenschen. Der Mitmensch zählt und zwar jeder Mitmensch. Amen.

(Aus: Mysterium Fidei, 40/4-04/2014)

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