Die Aufhebung des Jesuitenordens – 1. Teil

Die geschürte Verachtung des Klerus

Damals gelang das noch nicht ganz ohne Widerspruch: „Zwar fehlte es nicht an einsichtsvollen Männern, welche das unvermeidliche Verderben sahen, an dessen Rande Europa jetzt schon schwebte, auch hatten sie Mut genug, die Gottlosigkeit der sog. Philosophen und das letzte Ziel ihrer Bestrebungen zu enthüllen; aber sie predigten tauben Ohren; sie konnten darum der immer größer werdenden Entsittlichung und Irreligiosität keinen Einhalt tun; wurden vielmehr Gegenstand des tödlichsten Hasses. Diese Männer gehörten fast ausschließlich dem Klerus, insbesondere der Gesellschaft Jesu an. Es war nun nicht schwer einzusehen, daß erst dieses mächtige Bollwerk, welches um Thron und Altar aufgerichtet stand, niedergerissen werden müsse, ehe ein glücklicher Erfolg des ganzen Unternehmens zu erwarten stehe; namentlich konnte man nicht hoffen, vorher bei dem Kern des Volkes mit den verderblichen Grundsätzen durchzudringen. Die Mittel nun, welche zu diesem Zwecke in Anwendung kamen, tragen ihre Verwerflichkeit auf der Stirne. Mit vereinten Kräften wurde die Geistlichkeit überfallen, nicht in einem ehrlichen Kampfe, nicht in ernster Weise, sondern wie das so die Meuchelmörder im Brauche haben, rücklings, durch die giftigen Pfeile des gemeinen Spottes, durch die Verdächtigung ihres sittlichen Wandels, durch Anklage auf Heuchelei, durch Beschuldigung, daß sie in der Dummheit und Aberglauben, in der geistigen Knechtschaft und Sklaverei, worin sie selbst sich befinde, auch das Volk erhalten wolle. Diese Lästerungen wurden verbreitet in dem Gewande von allerlei, durch die Bosheit selbst erfundenen Histörchen, durch Sarkasmen, Witzworte, Gedichte, besonders aber durch Gemälde und Kupferstiche, wobei ein zweifaches erreicht wurde; auch die des Lesens Unkundigen hatten eine Schrift vor sich, welche sie verstanden, und verspürten weiter gleichzeitig mit der tiefsten Verachtung gegen den Klerus die Lust nach Laster, das ja das allgemeine aller Stände erschien, mächtig in sich angeregt“ (Ebd. S. 63f).

In der Betrachtung des hl. Ignatius sitzt Luzifer auf einem Thron von Feuer und Rauch. Seine Helfer werden vom Haß geleitet und kennen keine Moral. Wenn es darum geht, die Kirche zu zerstören, ist jedes Mittel recht. Dabei wurde vor allem die Lüge in den Dienst dieses todbringenden Hasses genommen.

Die „Monita secreta“

Ein bis heute wirkendes Beispiel dieser Lügenpropaganda dafür sind die „Monita secreta“, die sogenannten „geheimen Instruktionen“ der Jesuiten. Auf „welt.de“ war dazu am 21.01.2014 ein Kurzbericht zu lesen, „Die ‚Geheimen Instruktionen‘ der Jesuiten gehen um“, worin es heißt: „Diese Schrift, in der Form einer ordensinternen Anweisung des Generals an die Provinzialoberen formuliert, erschien erstmals 1614, vor 400 Jahren, in gedruckter Form. Und obwohl sie wissenschaftlich längst als eine Fälschung identifiziert sind, befeuert sie bis heute über Internet-Blogs Negativurteile über die ‚Gesellschaft Jesu‘. Als eine ‚Gebrauchsanleitung Satans‘ wird das Dokument polemisch bezeichnet, das 1614 in Krakau in Druck ging. Es handelt davon, wie die Leitung des Ordens vermeintlich dazu auffordert und instruiert, reiche Witwen zur Erblassung an die Jesuiten zu bewegen, Organisationen und Parteiungen zu gründen und dann gegeneinander aufzuhetzen, Regierungen durch finanzielle und politische Manöver zu stärken oder zu Fall zu bringen, Monarchen, Politiker und Bankiers über Ränke oder über den Beichtstuhl vor den Karren der Ordensinteressen zu spannen, kurz: immer und überall seine Finger ins Spiel zu bringen, ja das Spiel letztlich in die eigene Richtung zu lenken und dabei selbst vor Kriegen nicht zurückzuschrecken. … Als erster unterzog 1615 der Krakauer Erzbischof Piotr Tylicki die ‚Monita‘ einer umfassenden Prüfung. Er schrieb die Autorenschaft einem früheren Jesuiten zu, Hieronymus Zahorowski, der sie aus Rachsucht verfaßt und zunächst handschriftlich verbreitet habe.“

Über 400 Jahre wirkt also diese Lüge schon in der Öffentlichkeit fort, obwohl selbst Jesuitengegner wie der französische Jansenist Antoine Arnaut (1612-1694), der Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger (1799-1890) und sein Kollege Adolf von Harnack (1851-1930) die vermeintliche Geheimschrift eindeutig als Fälschung auswiesen. Im letzten Kapitel dieser Schrift hieß es unter anderem: „Königen und Fürsten soll man durch die Lehre schmeicheln, daß der katholische Glaube beim gegenwärtigen Zustand ohne Politik nicht bestehen könne. Aber hierbei ist große Diskretion und Behutsamkeit nötig. Auf diese Weise werden die Unsrigen die Gunst der Großen gewinnen, und sie werden zu den geheimsten Beratungen beigezogen werden.“

Der Haß der Kirchenfeinde auf die Jesuiten

Wir werden zeigen, wie die Feinde der Jesuiten all diese Verleumdungen dazu benutzten, um die Fürsten und Könige gegen diese aufzuhetzen, denn in der Synagoge Satans „heiligt“ der Zweck die Mittel. Wenn es darum geht, die Kirche zu zerstören, ist alles erlaubt. In seiner Enzyklika Etsi multa luctuosa vom 21. November 1873 schreibt Papst Pius IX.: „Der eine oder andere von euch, ehrwürdige Brüder, mag sich vielleicht darüber wundern, daß der in unserem Jahrhundert gegen die katholische Kirche geführte Krieg ein so großes Ausmaß angenommen hat. Doch wer den Charakter, die Tendenzen, das Ziel der Sekten wirklich begriffen hat, ob sie sich nun freimaurerisch nennen oder einen anderen Namen annehmen, und sie mit dem Charakter, der Natur und der Entwicklung dieses Kampfes vergleicht, der fast auf dem ganzen Erdball offen gegen die Kirche geführt wird, wird nicht daran zweifeln können, daß das heutige Unheil hauptsächlich auf die Ränke und Intrigen eben jener Sekten zurückgeht. Aus ihnen besteht die Synagoge Satans, deren vereinigte Kräfte, wie eine zur Schlacht aufgestellte Armee, mit wehenden Bannern zum Sturm auf die Kirche anmarschieren… Indem sie sich einschmeichelte und sich tückisch einschlich, unermüdlich wühlte und nach Herzenslust betrog, ist sie [die Synagoge Satans] zu einer sichtbaren Macht geworden… Enthüllt und geißelt vor allem den Irrtum jener, die, ob sie nun Betrüger oder Betrogene sein mögen, unverfroren behaupten, soziale Anliegen, Fortschritt und Wohltätigkeit zum gegenseitigen Nutzen seien das einzige Ziel, das diese finsteren Vereinigungen verfolgen.“

Der Haß der Kirchenfeinde auf die Jesuiten war auch deswegen so groß, weil sie vor allem in ihnen einen zumindest ebenbürtigen Gegner in den Wissenschaften vor sich hatten. Solange die Jesuiten auf den Universitäten und Schulen Einfluß hatten, konnten sie ihre verwegenen, unsinnigen, absurden, gottlosen, völlig verdorbenen Thesen nicht ohne weiteres öffentlich vertreten. Noch war das christliche Denken so verbreitet und gefestigt, daß sie in ihren Äußerungen sehr vorsichtig sein mußten. Die Feinde wußten genau, solange die Jesuiten in der Wissenschaft zumindest mit führend, wenn nicht sogar ihnen überlegen waren, was ihren Haß nur noch größer machte, konnte ihre eigene gottlose Pseudowissenschaft niemals den Sieg davontragen. Und die Jesuiten waren wachsam genug, um das subversive Unternehmen der Feinde zu durchschauen, wie Dr. Riffel hervorhebt:

„Dieser tödliche Haß der Philosophen und Revolutionsmänner des 18. Jahrhunderts läßt sich leicht begreifen. Jesuiten waren es, welche mit ihrem Scharfblick die anfangs noch geheim gehaltenen Pläne der verschiedenen Parteien zuerst entdeckten und auf die Gefahr aufmerksam machten. Die Macht der Rede, die sie in einem so hohen Grade besaßen, die Begeisterung, womit sie die christlichen Wahrheiten verkündeten, der heilige Ernst, die tiefe Ergriffenheit, womit sie die Irreligiosität, den Unglauben und das sittliche Verderben bekämpften – dies erfreute die Frommen, bestärkte die Bessern, erschütterte die Leichtsinnigen, brachte die Lauen, Kalten und Gleichgültigen zur Besonnenheit und hatte bei den Schlechten wenigstens den Erfolg, daß sie nicht in behaglicher Ruhe, nicht ohne Schrecknisse des empörten Gewissens dem Laster frönen konnten. – Zudem lag großenteils in ihren Händen die Erziehung der Jugend; und diese Erziehung und Bildung war eine durchweg christliche. Kinder aus allen Ständen wurden ihren Händen anvertraut. Kein Orden, keine Gesellschaft konnte in dem Unterrichts- und Erziehungswesen ihnen an die Seite treten, geschweige denn sie übertreffen. Mit innigster Liebe und Hochachtung hingen an ihnen die Zöglinge, und bewahrten meist diese Gefühle ihr ganzes Leben hindurch: eine Erscheinung, welche bis auf den heutigen Tag bei den Jesuitenzöglingen ganz allgemein ist, während eben so durchwegs bei den Schülern anderer Institute fast mit dem Tage der Entlassung eine gewisse Mißachtung gegen die Lehrer als charakteristisches Kennzeichen hervortritt. Rechnen wir dazu den Umstand, daß die Jesuiten Gewissensräte und Beichtväter der Könige und hochgestellten Personen aus deren nächster Umgebung und dadurch in Stand gesetzt waren, von manch‘ verderblichem Schritte, von unbedachter Mitwirkung an dem beabsichtigten Unheil die Einen und die Andern abzuhalten; bringen wir weiter in Anschlag, daß das Volk in aller Liebe ihnen zugetan war, teils wegen ihrer Sitten, wegen der Untadelhaftigkeit ihres Wandels, wegen der großen Strenge gegen sich, verbunden mit wahrhaft christlicher Milde gegen andere; vergessen wir endlich nicht, daß sie, was die Gesamtheit betrifft (einzelne, aber sehr wenige Glieder mögen davon eine Ausnahme machen), wegen der vortrefflichen Einrichtung des Ordens, vor Verfall und innerer Auflösung sich bewahrt hatten: so können wir leicht ermessen, warum sie vorzüglich der Gegenstand des erbittertsten Hasses der Philosophen geworden sind. Nicht ein Verbrechen demnach, sondern gerade Vortrefflichkeit des Ordens hat dessen Auflösung veranlaßt, und buchstäblich wahr ist die bekannte Klage: ‚Ein Gott geweihter, jeglicher Menschenart unter allen Zonen dienender Männerbund ward zerrissen unüberwiesen und ungehört.‘“
(Dr. Caspar Riffel, a.a.O. S. 69ff)

Damit ein so großes öffentliches Unrecht geschehen konnte, mußte der dämonische Haß alle Bosheit aufwenden, die ihm zur Verfügung stand. Wie wir schon sagten, ist eine Hauptwaffe des Teufels die Lüge, die Verstellung, die Heuchelei. Dr. Riffel stellt fest:

„Die Gegner der Jesuiten trugen hier die heuchlerische Maske der Pharisäer: sie gaben sich den Schein als Eiferer für die wahre Religion und für gute christliche Sitten (wobei wie wir oben angemerkt haben, ihre sittliche Verderbnis alle bis dahin bekannte Maße überschritt und selbst ins Widernatürliche abglitt); dort erschienen sie in dem Gewande edler Patrioten, allein in zwei Abteilungen gespalten, die eine die Farbe der Königtums, die andere die Cocarde (militärisches oder politisches, auf der Kleidung angebrachtes Abzeichen) der Volksfreunde tragend; eine dritte Klasse endlich verdächtigte sie als Feinde der geistigen Freiheit, des Fortschrittes, der materiellen Interessen der Völker, kurzum des höheren und niederen, des geistigen und leiblichen Wohls der Gesamtheit und des Einzelnen. Alle diese Beschuldigungen sind zu einem dichten Knäuel zusammengewachsen, und zwar
a) durch die Länge der Zeit, in welcher sie vorgebracht werden; denn nicht von gestern und vorgestern datieren sie, sondern sie beginnen mit der Entstehung des Ordens und sind seitdem nicht einen Augenblick ausgesetzt worden. Aus religiösem Fanatismus haben die Protestanten, d.h. alle Feinde der katholischen Kirche, die Verfolgung begonnen; die sog. Philosophen, d.h. die Feinde des Christentums überhaupt und aller bürgerlicher Ordnung kamen ihnen dabei zu Hilfe, und heute wird der Kampf fortgeführt durch Anhänger und Jünger von diesen und jenen.
b) durch die schamlose Frechheit im Erfinden und Verdrehen von Tatsachen, woraus denn endlich die sogenannte Geschichte erwachsen ist, die um so mehr Ansehen erlangte, je älter und zahlreicher die Beweise und Urkunden sind, auf die man sich berufen hat und jetzt noch beruft. Auf diese Weise gründete sich die Lüge eine sog. Tradition; der zweite Schreiber bezog sich auf die Schrift des ersten, der dritte auf die Werke des ersten und zweiten, der vierte auf die Bücher der ersten, zweiten und dritten und so fort in endloser Reihenfolge. Daß der Anfang schon ein falscher, erlogener oder doch ganz entstellter sei, wußten die Allerwenigsten; und die es wußten, hüteten sich wohl, das Geheimnis zu verraten, indes sie ihr Gewissen mit dem verwerflichen, ganz grundlos den Jesuiten zu Last gelegten beschwichtigten, zu einem löblichen Zweck sei jedes Mittel erlaubt. Es ist nämlich zu wissen, daß, ganz abgesehen von den Protestanten, durch die Jansenisten und Philosophen förmliche Lügenschriften verfaßt, Dokumente fabriziert, Urkunden ausgefertigt wurden, teils für Geld, von erkauften Kreaturen, teils gegen Beförderungen oder durch Aussichten zu denselben; trotz der Verdammungsurteile, welche von den höchsten Gerichtshöfen dagegen erlassen wurden, haben sie sich auf die Nachwelt fortgeerbt, und so das Urteil der letzteren bis auf diesen Tag bestochen. Es liegt im Interesse der Kirchenfeinde, diese falschen Ansichten zu erhalten, die wahre Erkenntnis der Sache so lange als möglich hinausschieben, und so fabrizieren sie bis zur Stunde Erzählungen, denen nichts weiter abgeht als Wahrheit.
Ist nun die gewaltige Aufregung gegen die Jesuiten noch etwas Auffallendes? Wir sind weit davon entfernt, anzunehmen, daß auch nur eine geringe Mehrzahl unter ihren Feinden aus dem Volke und selbst aus den sog. Gebildeten diese Feindschaft aus bösem Willen hege; wir können es sogar entschuldigen, daß selbst bessere, edel denkende Männer durch das Geschrei sich beirren lassen, weil sie hier, wie kaum bei einer anderen geschichtlichen Tatsache, mit einer entsetzlich schlauen Taktik und unermüdlichen Ausdauer hinters Licht geführt werden.“
(Ebd. S. 71f)

Die Vorlesungen des Jesuiten Maldonat

Der Autor unseres Buches möchte seine Behauptung nicht einfach ohne einen Beleg stehen lassen, weshalb er auf einen Fall eingeht, der das Vorgehen der Feinde gegen die Jesuiten beispielhaft aufzeigt. „Der wohlbegründete Ruf großer Gelehrsamkeit, worin die Jesuiten standen, und das Herbeiströmen der wissbegierigen Jugend nach ihren Hörsälen hatte längst schon die unedle Eifersucht der übrigen Orden, mancher Weltgeistlichen und besonders der Universitätsprofessoren zu Paris aufgeregt. Als nun gar der berühmte Spanier Maldonat daselbst auftrat und der größte Saal der Akademie die Menge der Zuhörer, welche schon zwei bis drei Stunden vor dem Beginn der Vorlesung sich herzudrängten, nicht fassen konnte, so daß der bescheidene Jesuit unter freiem Himmel seinen Lehrstuhl aufstellen mußte: da war dem Neid und der Scheelsucht kein Mittel zu schlecht, um den Orden selbst zu verderben. Zwar setzte der König der beispiellosen Anmaßung der Sorbonne und der Universität zu wiederholten Malen Schranken; aber kaum hatte er sich mit dem Hofe aus der Hauptstadt entfernt, als gegen die Jesuiten im Allgemeinen und gegen Maldonat insbesondere eine Rechtsanklage bei dem Parlament angebracht wurde. Dieser Gerichtshof zählte nur wenige den Beklagten geneigte Mitglieder, und war sonach bei dem hohen Ansehen der Kläger und bei der Gewandtheit der Anwälte Arnauld, Pasquier u.s.w. eine günstige Entscheidung kaum zu erwarten. Und doch siegte die Macht der Wahrheit: die Jesuiten wurden freigesprochen, und die Anklageschrift Pasquier’s in all‘ ihren Punkten als falsch erklärt. Aber was geschah? Die Gegner der Jesuiten ließen sie in unzähligen Exemplaren abdrucken und verbreiten; dasselbe geschah mit Pasquier’s Schmähschrift ‚Katechismus der Jesuiten‘, mit den Reden Arnauld’s, Dolle’s u.a. und so dienen sie heute noch als Hauptquellen der Schmähungen, obgleich sie später von den Parlamenten als ‚Lügenschriften‘ zum Feuer verurteilt wurden. Davon sagen uns die Maulhelden unserer Zeit kein Wörtchen; sie bringen stets eine Ware zu Markt, welche von unparteiischen Kennern längst als eine unechte erklärt ist“ (Ebd. S. 73).

Aus dem Beispiel, das durch beliebig viele andere gestützt werden könnte, wird überaus deutlich, daß es diesen Herren in keiner Weise mehr um die Wahrheit geht. Wie alle sog. Aufgeklärten und Liberalen sind sie vielmehr von einem fanatischen Haß gegen die Wahrheit erfüllt, der durch nichts befriedigt werden kann. Nicht einmal öffentliche Gerichtsurteile können sie davon abschrecken, ihre Lügen weiter zu verbreiten. Wie laut aber schreien dieselben, wenn man ihnen auch nur das kleinste vermeintliche Unrecht antut. Sofort erheben sie gemeinsam ein Wolfsgeheul ohne Ende und beschimpfen die Gegner aufs Heftigste, denn selbstverständlich sind sie immer die Guten und die anderen ebenso selbstverständlich immer die Bösen.

Dr. Riffel gibt zu bedenken: „Ähnliche Proben von Unredlichkeit und gemeinen Betrugs werden uns im Laufe der Geschichte noch viel begegnen. Ist nun aber der Umstand, daß man zu solchen schlechten und nichtswürdigen Mitteln seine Zuflucht nehmen mußte, nicht schon ein schöner Beweis für die Unschuld der Jesuiten? Eine gute Sache wird offen und ehrlich verfochten; wer anders den Kampf führt, brandmarkt sich als Verleumder und sein Unternehmen als verabscheuungswürdig. Aber auch die Mittel, welche angewendet werden und auch die Männer, welche solche handhaben, sprechen zu Gunsten der Jesuiten. Was fanatische Protestanten wider sie vorbrachten, ist als höchst parteiisch kaum zu berücksichtigen, während das günstige Zeugnis ehrenhafter, gelehrter und teils wegen ihres Charakters, teils wegen ihrer Gelehrsamkeit allgemein geachteter Protestanten von großem Gewichte erscheint. Was die Jansenisten in ihrer blinden Wut gelästert, verdient noch weniger Glauben, da all ihre Schmähungen durch die unverdächtigen Aussprüche von Königen, von den Gerichtshöfen, von den Bischöfen und der ganzen Geistlichkeit widerlegt sind. Es wird mit Recht vor dem bürgerlichen Gesetz als ‚Injurie‘ bestraft, wenn jemand einem anderen das Verbrechen vorwirft, wegen dessen er von dem Gericht ist freigesprochen worden; und es sollte kein durch öffentliche Verachtung zu bestrafendes Verbrechen sein, wenn man die Anklagen der erbittertsten Feinde der Jesuiten immer aufs Neue wiederkäut – und darunter Anklagen, die schon seit Jahrhunderten als Lügen erklärt sind?“ (Ebd. S. 73f).