Das Wesen wahrer Heiligkeit

Unser heiliger katholischer Glaube macht uns hellsichtig, darum schauen wir heute in diesem hellsichtigen Glauben die himmlischen Heerscharen von Engeln und Heiligen und freuen uns über ihre nie mehr endende Freude. Die Feier unserer göttlichen Liturgie gibt uns Anteil an der himmlischen Wirklichkeit, denn die Engel und Heiligen feiern ja mit uns zusammen das geheimnisvolle Opfer des göttlichen Lammes, das Himmel und Erde miteinander verbindet. Das Opfer des Gottmenschen ist auch im Himmel gegenwärtig, ist doch das geopferte Lamm heimgekehrt in die himmlische Heimat, wo eine große Schar, die niemand zählen kann, aus allen Völkern und Nationen und Sprachen um dem Thron und das Lamm steht, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmen in den Händen. Sie rufen mit lauter Stimme: „Heil unserem Gott, der da auf dem Throne sitzt, und dem Lamme!“ So wird es in der Lesung aus der Geheimen Offenbarung des hl. Apostels Johannes beschrieben. Die Engel und Heiligen sind voll des Staunens und Wunderns über die alles Begreifen übersteigende Liebe unseres göttlichen Erlösers.

Das himmlische Jerusalem

Wie schwer fällt es jedoch uns Erdgeborenen, uns in diese himmlische Wirklichkeit emporzuheben. Wer macht uns Blindgeborenen sehend? Niemand kann uns diese himmlische Wirklichkeit besser offenbaren als unsere Mutter, die hl. Kirche, denn sie ist das himmlische Jerusalem, diese Himmelsstadt, zu der auch jetzt schon unsere Gnadenwelt gehört. Ist doch die triumphierende, die streitende und die leidende Kirche eine einzige Gemeinschaft, die untereinander wunderbar verbunden ist. Das Allerheiligenfest erinnert uns daran, wir sind eine große, starke, heilige Gemeinschaft, wir sind alle Freunde Gottes. Ist das nicht ein unbeschreiblicher Trost zu wissen, die Heiligen sind unsere himmlischen Fürsprecher und Helfer?

Verstehen sie nicht bestens unsere vielen Nöte, da sie doch selber in ihrem Leben Ähnliches erdulden mußten – und nicht selten noch viel mehr als wir. Wer kennt etwa die Grausamkeit der Leiden besser als die Märtyrer? Wer weiß besser über den täglichen Kampf um die Tugenden Bescheid als die Bekenner? Wer versteht die Kostbarkeit eines reinen Herzens besser als die Jungfrauen? Wer zeigt uns besser, daß der Glaube an Gott und Seine hl. Vorsehung felsenfest sein muß, als die heiligen Patriarchen? Die Heiligen sind in allem, was Gott wohlgefällt, unsere großen Vorbilder.

Und nicht nur das, sie ermuntern uns zudem täglich zu einem opferfreudigen Leben. Während wir noch seufzen unter der Last der Prüfungen, genießen die Heiligen schon den ewigen Lohn für all ihre Mühen. Sie beweisen jedem, der es sehen will, den Sieg der Gnade. Und sie offenbaren uns die dem natürlichen Verstand unfaßbare Möglichkeit der Erhöhung unserer Menschennatur, wenn wir treu mit der Gnade mitwirken. Jeder Heilige ist ein Wunder der Güte Gottes, das man bestaunen und verehren soll. Je mehr man sich in das Vorbild der Heiligen hineinbetrachtet, desto ruhiger und fester wird die eigene Einsicht: Wenn die Heiligen das fertiggebracht haben, warum soll es uns nicht auch gelingen?!

Noch etwas lehrt uns der heutige Blick zu den Engeln und Heiligen im Himmel: Niemals ist der Katholik allein, immer gehört er zu einer weltenumspannenden Gemeinschaft. Wenn wir auch wenige sind, die Engel und Heiligen des Himmels sind viele. Was für ein ermunternder Gedanke ist das: All diese Gottesfreunde sind auch meine Freunde!

Die Verunehrung der Gottesfreunde

Man müßte nun meinen, daß es für jeden Katholiken nicht nur eine Freude und Ehre ist, die Heiligen als Gottesfreunde zur Seite zu haben, sondern daß daraus auch ummittelbar die Pflicht entsteht, die Heiligen gegen jegliche Verunehrung zu verteidigen. Immerhin sind die Heiligen Gestalten, in denen uns die Großtaten Gottes aufleuchten. Wer also einen Heiligen entehrt, der entehrt damit auch Gott, wer einen Heiligen beleidigt, der beleidigt Gott.

Es ist eine nicht zu bezweifelnde Tatsache: Selten in der Geschichte wurden die Heiligen so entehrt wie heute. Der Bildersturm nach dem Konzil, der viele Kirchengebäude leergefegt hat, erinnert nur zu sehr an die Bilderstürme der ersten Jahrhunderte und die der Protestanten. Plötzlich waren auch den Katholiken die Heiligen im Weg. Plötzlich waren die Gottesfreunde Hindernisse auf dem Weg zu Gott. Aber wie könnte ein wahrer Gottesfreund ein Hindernis zu Gott sein? Was für ein Unsinn! Was für eine Verwirrung des Geistes! Aufgrund dieses Irrglaubens hat man die Heiligen aus den Kirchen geworfen oder sie wenigstens soweit auf die Seite geschafft, daß sie keinen dieser modernistischen Ketzer mehr stören konnten. Doch als diese Greuel waren nur der erste Schritt.

Der Teufel hat sich gegenüber dem Protestantismus nochmals etwas Neues ausgedacht, um die Heiligen in besonderer Weise lächerlich zu machen. Mit Hilfe der Menschenmachwerkskirche karikiert er deren Heiligkeit durch die neuen Pseudoheiligen, die in Wirklichkeit Wüstlinge, Ketzer oder sogar Götzendiener sind. Das sollen nun die neuen unheiligen Heiligen sein, das sollen die neuen Vorbilder für die Anhänger der Menschenmachwerkskirche sein.

Wie stimmt Christus mit Belial überein?

Da müßte doch jeder wahre Katholik spontan urteilen: Wenn etwa ein Montini alias Paul VI. ein Heiliger sein soll, dann möchte ich kein Heiliger sein. Es dürften nur noch wenige sein, die so klar urteilen, weil sie noch wissen, was ein echter Heiliger ist und sein muß.

Dabei zeigt sich wieder einmal, daß auch die allermeisten Konservativen und Traditionslisten nicht mehr klar sehen können. Sie lassen nämlich unwidersprochen die Heiligen von der Menschenmachwerkskirche, von der sie immerhin behaupten, diese sei ihre Kirche, lächerlich machen – und tun dann so, als ob sie das gar nichts anginge. Wenn mein bester Freund schwer beleidigt wird, geht mich das dann nichts an? Kann ich mich dann herausreden und sagen: Das ist seine Sache, da mische ich mich nicht ein, anstatt seine Verteidigung zu übernehmen!

Wir Katholiken können nicht zulassen, daß man an die Seite der hl. Petrus und Paulus, des hl. Benedikt, des hl. Franziskus, des hl. Vinzenz von Paul, des hl. Ignatius von Loyla, des hl. Alphons von Liguori, an die Seite der hl. Anna, der hl. Elisabeth, der hl. Mechthild, der hl. Teresa, an die Seite des hl. Josef und der Gottesmutter Maria einen Escriva, einen Johannes XXIII., einen Johannes Paul II. oder einen Paul VI. stellt. Was hat denn Christus mit Belial, was haben die Heiligen mit Ketzern, Götzendienern und Wüstlingen gemein? Hier muß jeder Katholik sich entscheiden, will er seine Heiligen der Lächerlichkeit preisgeben oder will er sie verteidigen.

Die Heiligkeit der Kirche: Eine Grundlage für die Unfehlbarkeit der Heiligsprechungen

Wer diese Leute für Heilige hält, der zeigt damit, daß er gar nicht mehr weiß, was ein Heiliger ist. Und wer sagt oder denkt, die Heiligsprechung ist ja nicht unfehlbar, ich brauche diese Leute ja nicht als Heilige verehren, der weiß gar nicht mehr, was die Heiligkeit der Kirche bedeutet. Die Theologen heben ganz besonders hervor, daß der wichtigste, eigentlichste Grund dafür ist, daß die katholische Kirche bei den Heiligsprechungen unfehlbar sein muß, ihre eigene Heiligkeit ist. Die heilige Kirche kann keine unheiligen Heiligen verehren, sie kann – im schlimmsten Fall – keine Dämonen zur Ehre der Altäre erheben. Billuart bringt die Sache auf den Punkt, wenn er feststellt: „Wenn die Kirche in der Canonisation von Heiligen irren würde, dann würde sie das in eine schwere Verachtung und Verunehrung führen, weil sie nämlich die Dämonen verlachen würden, da sie sähen, daß sie jemand als Gefährten ihrer Verdammnis haben, der von den Gläubigen wie ein Freund Gottes und an dessen Glorie anteilnehmend verehrt und angerufen wird.“

Die Perversion der Heiligkeit in der Menschenmachwerkskirche

Man muß schon sagen, der Teufel hat sich das sehr schlau ausgedacht, denn sowohl die einen, die diese Pseudoheiligen als Heilige verehren, als auch die anderen, die der Kirche die Unfehlbarkeit bei Heiligsprechungen absprechen, haben in ihrem Glauben Schiffbruch erlitten. Und wie sich jetzt schon zeigt, wird damit die Vorstellung von dem was „Heiligkeit“ ist und sein soll, pervertiert.

Wer also noch ein wahrer Katholik sein will, dem muß eines ganz klar sein: Wer unheilige Heilige verehrt und als Fürbitter anruft, der beleidigt damit die wahren Heiligen in schwerster Weise und zudem Gott – und gibt dem Teufel allen Grund sich über diese „Kirche“ der Unheiligen lustig zu machen. Und wer meint, die heilige Mutter Kirche könne es zulassen, daß von ihren Kindern unheilige Heilige verehrt werden, der beleidigt damit die Kirche Jesu Christi, da diese Seine treue Sachwalterin der Geheimnisse Gottes und makellose, reinste, heilige Braut ist. Nochmals sei es betont: Alle Leute, die so etwas Verkehrtes für wahr halten, haben an ihrem Glauben Schiffbruch erlitten. Die hl. Hildegard sieht in ihren Visionen, daß die törichten Menschen auch den Antichristen für einen Heiligen halten werden. Das kann man sich inzwischen ganz gut vorstellen, denn wer einen Escriva, Roncalli, einen Montini, einen Wojtyla für Heilige hält, der hat auch keine Scheu mehr davor und keinen Grund, nicht auch den Antichristen für einen Heiligen zu halten. Es hat sich also in der Menschenmachwerkskirche das schon verwirklicht, was Scheeben in seinem Handbuch der kath. Dogmatik noch als bloße theologische Schlußfolgerung formulierte:

„Wäre die Kirche hierbei nicht unfehlbar, so bliebe die Möglichkeit offen, daß sie durch Canonisation eines in Wirklichkeit Unheiligen die Sittlichkeit schädigte, die Integrität des innern kirchlichen Lebens und ihres Cultes verletzte und zugleich die ganze Verehrung der Heiligen und ihrer Bilder und Reliquien in der tiefsten Wurzel zerstörte. Darum gebrauchen auch die Päpste bei den Canonisationen Ausdrücke wie ‚Decernimus, declaramus, definimus’, sie rufen hierbei feierlich den Hl. Geist an und berufen sich ausdrücklich auf die Assistenz des Hl. Geistes.“

Wie weit die Verwirrung schon fortgeschritten ist, sieht man daran, daß die meisten nicht einmal mehr fähig sind, einen Bergoglio zu durchschauen, der doch nun wirklich mit offenen Karten spielt. Wer es nicht einmal mehr fertig bringt, dieses skandalöse Verhalten als antichristlich zu beurteilen, wie will der noch die Hinterlist des Antichristen durchschauen! Somit ist er aber jetzt schon rettungslos verloren, was letztlich anhand der Pseudoheiligen der Menschenmachwerkskirche allen offenbar wird.

Wir Katholiken aber lassen unsere Heiligen nicht lächerlich machen! Wir wissen, daß diese Wüstlinge, Ketzer oder Götzendiener niemals Heilige sein können, sondern ganz im Gegenteil, von Gott verworfene Menschen, wie etwa ein Martin Luther auch. Dabei ist es noch als besondere Merkwürdigkeit herauszustellen, wie sich gerade die Konservativen oder Traditionalisten über die zumindest der Tat nach schon stattgefundene „Heiligsprechung“ Luthers aufregen. War denn ein Martin Luther ein schlimmerer Ketzer als ein Montini oder Wojtyla?

Das Wesen wahrer Heiligkeit

Doch wenden wir uns von diesen bedrückenden Gedanken wieder ab und nochmals dem Himmel zu. Bewundern wir die endlosen Scharen der Engel und Heiligen, die vor dem Thron Gottes auf ihr Angesicht niederfallen und Gott anbeten, indem sie sprechen: „Amen; Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank und Ehre und Macht und Kraft sei unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.“ Wenn wir diese Scharen bewundern und uns mit ihnen und über sie freuen, bemühen wir uns dabei auch, das Wesen der Heiligkeit an Ihnen zu erschauen. Beachten wir ihre heldenhaften Tugenden und darunter ganz besonders ihre heldenhafte Gottesliebe. Denn diese heldenhaften Tugenden machten sie zu Gottesfreunden. Ein Heiliger ist nämlich ein Mensch, der mit der Hilfe der Gnade, die von der Natur her gegebenen Möglichkeiten eines Menschenlebens himmelweit übersteigt. Ab einem bestimmten Grad der Gnadenwirksamkeit in ihrer Seele, waren die Heiligen so sehr in Gott gefestigt, daß sie Gott nie mehr ungehorsam waren. Die Gnade hatte nämlich ihren Willen so sehr gestärkt, daß sie keine freiwillige läßliche Sünde mehr begingen. Sie wollten lieber sterben, als Gott auch nur mit einer läßlichen Sünde zu beleidigen. Das ist letztlich das Wesen der Heiligkeit, die sog. heroische Tugend, die alle Hindernisse, alle Schwächen, alle Versuchungen mit der Hilfe der Gnade überwindet. Das ist auch der entscheidende Grund dafür, daß man mit Sicherheit sagen kann, der Heilige ist im Himmel. Alle Heiligen haben in der Kraft Jesu Christi gesiegt und die Siegespalme errungen.

Eine Schau der hl. Hildegard

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die Scharen der Heiligen – und zwar mit den Augen der hl. Hildegard von Bingen:

ALSDANN SAH ICH eine von Licht ganz durchglänzte Luft. Aus ihr tönten mir wundersam, gemäß all den Sinnbildern, die ich bisher geschaut hatte, mannigfaltige Klänge entgegen. Es waren Lobgesänge auf die, die in den Himmelsfreuden wohnen, weil sie auf dem Wege der Wahrheit sanftmütig verharrt sind, dann Klagelieder über die, die [noch in der Sünde, aber] zu den gleichen Lob- und Freudengesängen zurückgerufen sind, und endlich Wechselchöre der Gotteskräfte, die einander aufforderten, den von Teufelsnachstellungen bedrängten Völkern zu helfen; denn sie sind es, die die Teufelsränke niedertreten, so daß die Menschen durch Buße von ihren Sünden zur Himmelswohnung übergehen.

Und jener Schall, der wie die Stimme einer großen Menge in harmonischem Einklang das Lob der Himmelsbewohner kündete, erklang also:

An Maria
O Stein, du sprühest vom Licht,
Vom klaren Glanz der Sonne,
Die dich durchflutet,
Der Sonne, die dem Herzen des Vaters entquillt.
Sie ist des Vaters eingeborenes Wort,
Durch das Er schuf der Welten Urgestalt,
Die Eva verdunkelt hat.
Dies Wort hat, Vater, aus Dir den Menschen gebildet. —

Darum bist du, o Jungfrau, das leuchtende Sein,
Daraus das Wort, das göttliche,
Die Gotteskräfte hauchte,
Wie Es jedes Geschöpf in seiner Urgestalt
Ins Dasein rief.
Du bist das liebliche Reis,
Das grünet an Jesses Stamm.

O Wunder groß!
Die Gottheit erschaute die schönste der Töchter,
Wie des Adlers Auge die Sonne erspäht,
Und der ewige Vater neigte Sich
Der lichten Klarheit der Jungfrau,
In ihr seinem ewigen Wort
Des Fleisches Zelt zu erbauen
Durch seines Willens Macht.

Da ward aus den geheimnistiefen Wundern Gottes
Der Jungfrau Sinn erleuchtet,
Und wundersam erwuchs die lichte Blume
Aus dieser Jungfrau reinem Schoß. …

An die Propheten
Zu euch nun hebe sich der Blick,
Ihr würdigen Männer.
Durch Dunkles schrittet ihr dahin,
Mit Geistes Augen erschauend
Das Licht, das lebendige, helle.
Und ihr tatet in leuchtendem Schatten kund:
Das Licht wird knospen am grünen Reis,
Dem einen, das einzig erblühte
Vom Einstrom des Lichtes,
Das Wurzel faßte in ihm.
Ihr Heiligen der alten Zeit,
Den Seelen, die der Tod verschlang,
Den Heimatfernen,
Sagt Heilung ihr voraus,
Verkündend wunderbar, wie Räder kreisend,
Des Berges Geheimnis.
Der den Himmel berührt.

An die Apostel
O Kriegsschar der Blüte,
Die dem dornenlosen Reis entsprang!
Du Schall des Erdballs,
Kreisend um die Länder
Der Wahnbetörten,
Die mit den Schweinen sich zum Mahle niederließen.
Du hast sie erobert,
Innen durchströmt von dem mächtigen Helfer,
Der keimfrohe Wurzeln entlockt
Dem Samen des Wortes,
Um zu vollenden das Werk des Vaters. …
Du bist des Erlösers hochedles Geschlecht,
Das auftat den Weg der neuen Geburt
Aus dem Wasser. …
Ein Säulengeschlecht,
Die starke Stütze der Braut des Lammes
In all ihrer Schöne,
Der Jungfrau-Mutter,
Die des Lammes Freudenbanner trägt.
Denn das makellose Lamm
Ist dieser makallosen Braut Gemahl.

An die Märtyrer
O Überwinder, Sieggekrönte!
Als eures Blutes Welle sich verströmend
Grüßte der Kirche erstehenden Bau,
Da tratet ihr ein in das Blut des Lammes
Und schrittet zum Mahle mit Ihm,
Dem geopferten Gott.
Ewiger Lohn ist nun euer Teil,
Die ihr für nichts habt erachtet Leben und Leib
Und gefolgt seid dem göttlichen Lamme,
Zu schmücken die sühnende Pein
Seines Leidens.
Sie hat euch erschlossen
Das Erbe, das wiedererstellte. …
Ehre sei eurer Gemeinschaft,
Die ihr im wogenden Blut eurer Wunden
Die bauenden Steine der Kirche seid.

An die Bekenner
Nachfolger ihr des starken Löwen!
Zwischen Tempel und Altar
Des heiligen Dienstes waltend,
Jubelt ihr im Lobpreis wie die Engel.
Und wie sie seid ihr den Völkern hilfreich nahe.
Ihr wandelt mitten unter ihnen
Sorge tragend immerdar
Für sie im Dienste des Lammes.
Den Höchsten ahmet ihr nach
In der heiligen Zeichen kostbarer,
Lichtumstrahlter Gewalt.

An die Jungfrauen
Die ihr Gott schauet
Und im Frührot bauet,
Jungfrauen, heilige,
Wie ist euer Antlitz schön!
Wie edel seid ihr!
In euch hat der König
Sich selber erschaut,
Euch im voraus gesiegelt
Mit jeglicher Schönheit des Himmels.
Da sproßtet ihr als der lieblichste Garten
Von aller Schönheit duftend. …
O edelste Grüne,
Du wurzelst in der Sonne
Und leuchtest in schneeiger Klarheit
In dem kreisenden Rade,
Das irdische Größe nimmer begreift.
Dich umfängt die Umarmung
Der Geheimnisse Gottes.
Wie Morgenglühen errötest du
Und brennst wie die Flamme der Sonne.

(Aus: Hildegard von Bingen, Wisse die Wege, Otto Müller Verlag Salzburg 1975, S. 351ff)

Sind das nicht wunderschöne Lobesworte über unsere Freunde, die Heiligen. Müssen wir nicht erglühen vor Sehnsucht, wenn wir diese Riesengestalten der Gnade erblicken und ihr wundersames, heilige, liebeglühendes Leben betrachten? Gott hat sie groß gemacht, weil sie sich von IHM durch Seine Gnade groß machen ließen. O, möge uns doch dasselbe Glück beschieden sein. O, ihr Heiligen des Himmels, steht uns bei in allen Gefahren und Nöten unseres Lebens, damit wir nicht vom rechten Weg abirren. Erfleht uns die notwendigen Gnadenhilfen in allen Prüfungen, damit wir unserem göttlichen Erlöser immer treu bleiben und uns nicht vom Teufel beirren lassen.

O Du Königin der Engel und Heiligen, immerwährende Jungfrau und Gottesmutter Maria! Erflehe uns bei Deinem göttlichen Sohn die Gnade einer großen Liebe zu Dir und allen Heiligen. Denn dadurch wird unsere Seele, unser Denken, unser Gemüt zum Himmel erhoben. Möge uns einst die Gnade zuteilwerden, daß wir zusammen mit allen Engeln und Heiligen in das ewige Sanctus einstimmen dürfen. Amen.