Fastenzeit – Gnadenzeit

Belehrungen zur Fastenzeit

Im Modernismus wurde mit den „passiven Tugenden“ auch das Fasten abgeschafft. Auch dieses erscheint dem modernen Menschen überflüssig, weshalb es in der Praxis letztlich vollkommen bedeutungslos wurde. Da es angesichts der allgemeinen Verwirrung umso wichtiger ist, sich auf das Altbewährte zu besinnen, wollen wir im Folgenden die Belehrungen und Anweisungen aus dem Katholischen Volks-Katechismus von Franz Spirago über das Fasten wiedergeben. Dabei haben wir die Sprache dem heutigen Gebrauch weitgehend angeglichen.

3) Das Fastengebot
Das Fasten ist so alt wie die Menschheit. Schon im Paradies hat Gott ein Fastengebot gegeben. Auch den Juden untersagte Gott, gewisse Speisen, z. B. Schweinefleisch, zu genießen (Lev 11,2). Am Versöhnungstag durften die Juden sogar volle 24 Stunden nichts genießen (Lev 23). Christus der Herr und vor ihm Moses und Elias fasteten 40 Tage; Johannes, der Vorläufer Christi, fastete besonders streng. Auch die katholische Kirche, die wie eine Mutter die Christen für den Himmel erzieht, hat mehrere Fastengebote gegeben, und zwar aus weiser Absicht; sie will nämlich 1) die Christen zur Selbstbeherrschung anleiten und so zu charakterfesten Menschen erziehen, 2) den Christen Gelegenheit geben, sich gehorsam zu zeigen und dadurch ewige Verdienste zu erwerben, 3) daß die Christen für ihre Sünden Buße tun. – Fast in allen Religionen finden wir Fasten vorgeschrieben, nur die Protestanten kennen kein Fasten; selbst der Karfreitag gilt ihnen als größter Festtag, wo sie Fleisch essen. Die strengste Faste haben die Mohammedaner, welche im Monate Ramadan (September) von früh bis abends nichts in den Mund nehmen dürfen.
Das kirchliche Fastengebot war früher streng; doch wurde es von der Kirche mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse gemildert.
Die Strenge des Fastens war ursprünglich so groß, daß man sich an Fasttagen nicht nur von Fleischspeisen enthielt, sondern auch von Milch und Eierspeisen; und daß man erst nach Sonnenuntergang aß. Wegen der zunehmenden Schwächlichkeit der Menschen und der immer mehr um sich greifenden religiösen Gleichgültigkeit wurde im Verlaufe der Jahrhunderte das Fastengebot immer mehr gemildert. Zu Anfang der Fastenzeit wird von allen Kanzeln der Diözese der sogenannte Fastenhirtenbrief verlesen; dieser gibt unter anderem an, inwieweit die Fasten in der Diözese gemäßigt ist.

Drei Arten des Fastens

Es gibt gegenwärtig in der katholischen Kirche drei Arten des Fastens: 1) Die Enthaltung von Fleischspeisen, 2) die einmalige tägliche Sättigung oder Abbruch, 3) das sogenannte strenge Fasten, wenn beides zugleich vorgeschrieben ist.
Die Enthaltung von Fleischspeisen nennt man auch kurzweg Enthaltung oder Abstinenz. Dieses Fasten ist vorgeschrieben an den Freitagen des Jahres. – Die einmalige Sättigung nennt man gewöhnlich Abbruch. Dieses Fasten besteht an allen Wochentagen der 40-tägigen Fastenzeit bis zum Karsamstag mittags. – Das strenge Fasten besteht am Heiligen Abend, am Samstag vor Pfingsten, am Aschermittwoch und an den Quatemberfreitagen. Die Freitage der 40-tägigen Fastenzeit sind auch strenge Fasttage; denn am Freitag ist man zur Enthaltung von Fleisch und in der 40-tägigen Fastenzeit noch überdies zum Abbruch verpflichtet. Nach dem Kirchengesetzbuch (CIC 1252,2) sollten auch die Samstage in der 40-tägigen Faste und die Vortage vor Maria Himmelfahrt und Allerheiligen strenge Fasttage sein, doch werden sie in der Regel von den Bischöfen kraft apostolischer Vollmacht in Abbruchstage umgewandelt. (Der Gründonnerstag ist kein strenger Fasttag mehr, sondern nur ein Abbruchstag.)
Die Kirche gebietet uns, an folgenden Tagen zu fasten: am Freitag, in der 40-tägigen Faste, an den Quatembertagen und an den Vigilien mancher Feste.
1) Wir sollen am Freitag kein Fleisch essen, weil an einem Freitage Christus für uns gestorben ist. Zu dieser Faste ist jeder verpflichtet, der über sieben Jahre alt ist (CIC 1254,1).
Auch solche Speisen darf man am Freitag nicht essen, die vom Fleische zubereitet sind, wie z. B. Würste. Doch sind Eier, Milch (Butter) und Zutaten von Tierfett erlaubt (CIC 1250). Wassertiere, wie Fische und Krebse, darf man essen, weil diese in manchen Ländern die Nahrung des armen Volkes sind; auch Frösche, Schnecken, Schildkröten, Fischottern, Biber hält man am Freitag zu essen für erlaubt. – Die Kirche hat gerade den Fleischgenuß verboten, weil Christus sein Fleisch für uns hingegeben hat, weil Fleisch am leichtesten entbehrt werden kann, und weil es gewöhnlich die liebste Speise des Menschen ist. Auch sollen wir dadurch erinnert werden, daß wir die Begierden unseres Fleisches (Gal 5,19) bekämpfen sollen, die gerade am meisten durch den Fleischgenuß erregt werden (hl. Thomas von Aquin). – Es ist bemerkenswert, daß in jüngster Zeit berühmte Mediziner vor übermäßigem Fleischgenuß warnen, wie dadurch faule Stoffe im Leibe entstehen, welche Gicht, Zuckerkrankheit, Herzleiden, Arterienverkalkung u. dgl. zur Folge haben. Manche Ärzte verlangen zur Erhaltung der Gesundheit wenigstens zwei fleischlose Tage in der Woche. Sieh, wie das Kirchengebot auch die Beförderung der Gesundheit anstrebt! – Manche Leute sprechen: „Christus hat gesagt: Was zum Munde eingeht, verunreinigt den Menschen nicht (Mt 15,11), also dürfe man Fleisch essen!“ Allerdings hat Christus so gesprochen; aber er hat auch gesagt: „Was aus dem Herzen kommt, das verunreinigt den Menschen.“ (Mt 15,18). Ungehorsam gegen die Anordnungen der Kirche kommt aber aus dem Herzen, und dieser verunreinigt den Menschen; die Speise an sich macht allerdings den Menschen nicht unrein. Daher sagt der hl. Augustinus: „Nicht der Apfel hat den Adam, sondern Adam den Apfel verunreinigt.“ – Wenn Fisch am Freitag zu essen erlaubt ist, so kommt das wohl zunächst daher, weil Küstenbewohner zumeist nur von Fisch leben. Den Christen galt der Fisch, der geschlachtet und gegessen wird, seit jeher als Sinnbild des Heilandes, der sich für uns hinopferte und in der hl. Kommunion unsere Speise ist; daher in den ersten Jahrhunderten das Bild des Fisches auf Kelchen und Tabernakeln.
Wenn ein Feiertag (außerhalb der 40-tägigen Fastenzeit) auf einen Fasttag fällt oder ein Fasttag auf einen Sonntag, so entfällt das Fasten.
In einem solchen Falle ist nicht nur der Fleischgenuß erlaubt, sondern auch überdies die mehrmalige Sättigung (Pius X., 2. Juli 1911). Christus will, daß man nicht faste, wenn man Ursache hat, sich zu freuen (Mt 9,15). Daher war es schon seit jeher in der Kirche üblich, daß an einem Weihnachtsfest, das auf einen Freitag fiel, nie gefastet wurde. Fiele der Heilige Abend auf einen Sonntag, so entfällt das Fasten; es wird auch nicht auf den Vortag verlegt (CIC 1252,4). Das Fest des hl. Josef (19. März) ist Abbruchstag, weil es in die 40-tägige Fastenzeit fällt (CIC 1252,4).
In früheren Zeiten war auch am Samstag der Fleischgenuß verboten.
Die Kirche wollte durch dieses Verbot zumeist die unter vielen Christen fortwährend bestehende Sabbatfeier verdrängen. Trotzdem aber sollen sich die Christen mit Rücksicht auf die bestehende Sonntagsfeier manche Enthaltungen auferlegen; sie sollen insbesondere am Samstag abends nicht so lange in Unterhaltungen bleiben, daß sie am Sonntag außerstande wären, den Gottesdienst zu besuchen.
2) Wir sollen uns in der 40-tägigen Fastenzeit nur einmal des Tages sättigen, um das 40-tägige Fasten Christi teilweise nachzuahmen und dadurch die Gnade der Reue für die Osterbeichte zu erlangen.

Die 40-tägige Fastenzeit

Die 40-tägige Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und dauert bis zum Karsamstag mittags. Nur die Sonntage in dieser Zeit sind keine Fasttage, wohl aber die Feiertage (CIC 1252,4).
Der Aschermittwoch ist der 46. Tag vor Ostern. Rechnet man die sechs Fastensonntage ab, so bleiben 40 Fasttage. Die 40-tägige Faste ist von den hl. Aposteln eingeführt worden (hl. Hieronymus) zum Andenken an die 40-tägige Faste des Heilandes in der Wüste. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Buße und Trauer über unsere Sünden. (Daher erscheint der Priester im violetten Messgewande am Altare.) Es liegt schon in der menschlichen Natur, zu fasten, wenn man traurig ist (Mt 9,15). Doch sollen wir in dieser Zeit außer dem Fasten noch das Leiden Christi betrachten, das uns die Kirche in der Karwoche vorstellt. Daher sind in dieser Zeit gewöhnlich Predigten über das Leiden Christi, die so genannten Fastenpredigten. Durch das Fasten und durch Betrachtung des Leidens Christi erwirken wir uns am sichersten die Gnade der Reue und der Erkenntnis unserer Sünden. Die 40-tägige Fastenzeit ist also die beste Vorbereitung auf die Osterbeichte und Osterkommunion. – In den früheren Jahrhunderten war das 40-tägige Fasten weit strenger. Die ersten Christen aßen in der ganzen Fastenzeit kein Fleisch, ja überhaupt nichts von warmblütigen Tieren, also keine Butter, keine Milch, keinen Käse; außerdem aßen sie früh gar nichts und sättigten sich erst am Abend. Noch im Mittelalter war der Fleischgenuß in der 40-tägigen Fastenzeit verboten; wer in dieser Zeit Fleisch aß, wurde von der österlichen Kommunion ausgeschlossen (Konzil von Toledo 653). Ja, weltliche Regenten, wie Kaiser Karl der Große, hielten die, welche in der Fastenzeit Fleisch aßen, für Verächter der Religion und verhängten körperliche oder Geldstrafen über sie. – Nun wie leicht ist heute dieses Fastengebot! Die Kirche verlangt nur von uns, daß wir uns einmal des Tages sättigen. Es ist nicht vorgeschrieben, daß diese Sättigung gerade mittags stattfinden müsse. Man kann die Hauptmahlzeit auch abends einnehmen. Es ist auch erlaubt, früh und abends eine Stärkung zu sich zu nehmen und zwar hinsichtlich der Menge und Art der Speise nach der ortsüblichen Gewohnheit (CIC 1251,1). Es ist nicht verboten, bei der Mahlzeit Fleisch zu genießen; auch ist nicht verboten, bei einer und derselben Mahlzeit Fleisch- und Fischspeisen zu essen (CIC 1251,2). Nur am Aschermittwoch und selbstverständlich an den Freitagen ist der Fleischgenuß verboten. Einem vollkommen gesunden Menschen ist nicht erlaubt, außerdem noch tagsüber zu essen. Wer auch noch tagsüber ist, bricht die Faste (Alex. VII. Satz 39). Gabelfrühstück und Jause sind also nicht zulässig. Trinken darf man mehrmals; jedoch nicht solche Getränke, die eine Art Nahrung sind, wie Milch und Honig. Kaffe, Tee, Bier, Wein werden als erlaubt betrachtet, wenn sie nicht in großer Menge genossen werden. Das Gebot der 40-tägigen Faste ist gar nicht streng, wenn man bedenkt, daß eigentlich nur verboten ist, mehr zu genießen, als zur Erhaltung der notwendigen Körperkraft notwendig ist. Zum Abbruch ist nicht verpflichtet: Wer das 21. Lebensjahr noch nicht zurückgelegt hat und wer das 60. Lebensjahr bereits erreicht hat (also über 59 Jahre alt ist). Diese dürfen sich an Abbruchstagen öfters im Tage sättigen, auch durch Fleischgenuß (CIC 1254,2).

Das Quatemberfasten

3) Wir sollen an den Quatembertagen fasten, um den lieben Gott um würdige Priester zu bitten und ihm für die im verflossenen Vierteljahr verliehenen Wohltaten zu danken.
Quatembertage sind je drei Tage: Mittwoch, Freitag und Samstag zu Anfang der vier Jahreszeiten; zu diesen Zeiten wurden früher die Priester geweiht.
Papst Leo der Große bezeichnet die Apostel als Urheber dieser Bet- und Fasttage. Schon die Juden fasteten zu den vier Jahreszeiten (Zach 9,19). Bei den heidnischen Römern fanden zu drei Zeiten des Jahres religiöse Bittgänge zu Heiligtümern statt; man bat im Juni um eine gute Getreideernte, im Sept. um eine gute Weinernte, im Dez. um eine gute Olivenernte. Die christliche Kirche in Rom hat frühzeitig diese heidnischen Bräuche in christliche umgewandelt und zu den drei Feiern noch eine vierte im Frühjahr festgesetzt. – Da vom Einfluß der Sonne alles Leben und Gedeihen in der Natur abhängt, so werden wir jedes Mal, wenn der Tag zu- oder abzunehmen beginnt (also zur Zeit der beiden Sonnenwenden im Juni und Dezember und zurzeit der Tag- und Nachtgleiche im Frühling und im Herbst), in besonderer Weise an die Wohltaten Gottes erinnert und zur Dankbarkeit gemahnt, durch die wir uns neuer Gnaden würdig machen. Auch soll dieses Fasten eine Buße für den Missbrauch der Gaben der Natur sein. Daher kehrt in den Messgebeten an Quatembertagen immer wieder die Bitte um Vergebung der Sünden und die Bitte um Gottes Segen über die Natur. Da zu den genannten Zeiten früher die Priester geweiht wurden, die das Licht des wahren Glaubens verbreiten sollten, so pflegte man um diese Zeit zu danken und um würdige Priester zu bitten. Das Gebet um würdige Priester hat Christus anbefohlen, da er sagt: „Die Ernte ist zwar groß, aber der Arbeiter sind wenige. Bittet daher den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seinen Weinberg sende.“ (Mt 9,37). – Die Quatembertage (Quatuor Tempora, d. h., die vier Jahreszeiten) fallen in folgende Wochen: Im Winter in die 3. Woche des Advents. Im Frühling in die 2. Woche der 40-tägigen Fastenzeit, im Sommer in die Pfingstwoche, im Herbst in die 3. Woche im September. – Die Quatemberfasten heißen auch „Weihfasten“, weil sie zu jenen Zeiten gehalten werden, an denen die Priester geweiht wurden. Leider hat die Wertschätzung des Quatembers im Volke sehr abgenommen.
In vielen Diözesen wird nur am Quatember-Freitag streng gefastet.
In früheren Zeiten bestand an allen drei Tagen der Quatemberwoche strenge Fastenpflicht. Hernach wurde in vielen Diözesen am Quatembersamstag der Fleischgenuß bei Abbruch erlaubt und seit 1914 mit Zustimmung der Konzilskongregation für einzelne Diözesen (so z. B. für die Prager am 31.3.1914, Z. 17914) den Bischöfen weitere Milderungen für alle Quatembertage zu bewilligen erlaubt. Die Bischöfe dispensieren nun in der Regel für Mittwoch und Samstag ganz vom Fasten und verlangen nur Fasten für den Freitag, und zwar strenges Fasten. (Der Codex laut § 1252,2 befiehlt zwar für alle Quatembertage strenge Faste, lässt aber laut § 1253 die örtlichen Milderungen weiter bestehen.)

Fasten an Vigilien

4) Wir sollen an den Vigilien (Vortage mancher Feste) strenge fasten, um uns auf die Feste in würdiger Weise vorzubereiten und dadurch reichliche Gnaden von Gott zu erlangen.
Die ersten Christen kamen an den Vorabenden hoher Feste zusammen, wachten, beteten die ganze Nacht und wohnten nachts dem hl. Messopfer bei. Dies alles geschah deswegen, weil der Gottesdienst am Tage von den Heiden gestört worden wäre. Übrigens hat auch Christus oft die ganze Nacht im Gebet zugebracht (Lk 6). Als späterhin die Christenverfolgungen aufhörten, konnte der Gottesdienst ungestört am Tage abgehalten werden. Daher verlegten die Päpste die nächtlichen Feierlichkeiten auf den Tag. Nur die Vigil des hl. Weihnachtsfestes (die Christnacht) hat sich noch bis heute erhalten; von den anderen Vigilien blieben nur die Fasten zurück.
Solche Vigilien sind der Hl. Abend, der Samstag vor Pfingsten, die Tage vor Maria Himmelfahrt und vor Allerheiligen (CIC 1252,2).
An den Tagen vor Maria Himmelfahrt und vor Allerheiligen wird in manchen Diözesen von den Bischöfen kraft apostolischer Vollmacht nur Abbruch verlangt. – Der Karsamstag ist kein strenger Fasttag mehr, zumal überhaupt am Karsamstag mittags die 40-tägige Fastenzeit schließt (CIC 1252,4).

Die Bewilligung von Dispensen

5) Die Kirche will keineswegs, daß wir durch das Fasten Schaden leiden an der Gesundheit oder an der Erfüllung unserer Berufspflichten verhindert werden. Daher bewilligt sie viele Dispensen.
a) Es dürfen daher an Freitagen Fleisch essen: Leute von schwächlicher Gesundheit, denen das Fasten schädlich wäre.
Hierzu gehören also: Kranke und Genesende, die nach ärztlichem Gutachten der Fleischnahrung bedürfen, ferner Kinder unter sieben Jahren. Zu den Kranken gehören auch Greise, die schon ziemlich schwach sind. In einzelnen Diözesen wird von Kranken und Greisen, die das Fastengebot andauernd nicht erfüllen können, gefordert, daß sie um Dispens nachsuchen.
b) Daher sind vom Gebot der nur einmaligen Sättigung (vom Abbruch) befreit: Personen, die nicht über 21 Jahre oder schon über 59 Jahre sind; ferner Leute von schwächlicher Gesundheit; und Leute, die geistig oder körperlich viel arbeiten müssen.
1) Wer noch wächst, bedarf öfters des Tages der Nahrung. Das ist in der Regel der Fall bei Personen, die noch nicht das 21. Lebensjahr zurückgelegt haben. 2) Leute von schwächlicher Gesundheit sind: Kranke und Genesende, die aber bei längerer Dauer um Dispens nachsuchen sollen. – 3) Zu den Leuten, die geistig oder körperlich viel arbeiten müssen, können hinzu gerechnet werden alle, die in angestrengter Weise für das geistige oder körperliche Wohl ihrer Mitmenschen sorgen, als Beichtväter, Prediger, Katecheten, Lehrer, Krankenwärter, Ärzte, Richter u. dgl., und deshalb öfters am Tage sich stärken müssen. – Das Gebot, unsere Gesundheit zu erhalten, ist in unser Inneres geschrieben, also uns von Gott selbst gegeben. Wir dürfen aber durch Erfüllung des Gebotes der Kirche das Gebot Gottes keineswegs verletzen. Das will auch die Kirche nicht. – Wer nicht fasten kann, soll trachten, dafür andere gute Werke zu verrichten. Ein Bischof ermahnt seine Gläubigen zum „Fastenalmosen“ und spricht: „Was du dem Leibe entziehst, das teile den Hungrigen mit. Dein Fasten wird geheiligt sein, wenn du die Pflichten der Barmherzigkeit erfüllst. Die im Geiste des Glaubens gespendeten Almosen werden unsere unvollkommene Buße ergänzen.“ (Bisch. Schulte von Paderborn). In Diözesen, wo infolge starker Bevölkerungszunahme zu wenig Kirchen sind (besonders in Großstädten), sollte das Almosen dem Bau von Kirchen gewidmet werden. – Die Pfarrer haben das Recht, in einzelnen Fällen aus rechtmäßigem Grunde vom Fasten zu dispensieren (CIC 1245,1).
c) Fabrikarbeiter, Reisende und Personen weltlichen Standes, die ihre Kost aus Gasthäusern beziehen, sind in vielen Diözesen an allen Fasttagen dispensiert mit Ausnahme des Aschermittwochs, des Karfreitags, des Hl. Abends und des Samstags vor Pfingsten. (Oder es gilt für sie überhaupt nur der Karfreitag als Fasttag.)
Fabrikarbeiter sind deswegen dispensiert, weil sie schwere körperliche Arbeiten verrichten müssen. Dazu gehören auch Bergwerksarbeiter und Feldarbeiter beim Großbetrieb. – Reisende (daher auch Zugbegleiter, Stations- und Bahnarbeiter, ferner das Schiffspersonal) sind dispensiert, weil sie bei der anstrengenden Fahrt auf der Eisenbahn oder zu Schiff nahrhafte Kost nötig haben und Fastenspeisen auch nicht leicht erhalten können. Wer am Familientisch anderer teilnehmen muß (Kinder, Dienstboten, Studierende, Gäste), muss das nehmen, was er bekommt; und die im Gasthause oder sich von dort Speisen holen lassen, können in der Regel Fastenspeisen gar nicht oder nur schwer bekommen. – Daher sind meistens auch alle dispensiert, die sich auf Jahr- und Wochenmärkten oder bei einer Festlichkeit, bei der viel Volk zusammenströmt, befinden und deshalb in Gasthäusern zu essen genötigt sind; die sich zur Kräftigung ihrer Gesundheit in Badeorten aufhalten (sind samt ihrer Begleitung dispensiert); schließlich Arme, die Fleischspeisen als Almosen bekommen. Auch sei erwähnt, daß in manchen Diözesen während der Dauer ansteckender Krankheiten, so z. B. der Influenza und während der Kriegszeit, eine allgemeine Dispens vom Fastengebot erteilt wurde. Die Bischöfe sind nämlich (laut CIC 1245,2) berechtigt, in besonderen Fällen, wenn viel Volk zusammenströmt oder die allgemeine Volksgesundheit in Frage kommt, die gesamte Diözese oder eine Ortschaft von jeder Art des Fastens zu dispensieren. Doch soll man durch das Fleischessen den Mitmenschen kein Ärgernis geben. Der hl. Paulus ermahnt: „Sehet aber zu, daß diese eure Freiheit etwa den Schwachen nicht zum Anstoß werde.“ (1 Kor 8,9). Und von sich selbst sagt er: „Wenn eine Speise meinen Bruder ärgert, will ich kein Fleisch essen in Ewigkeit.“ (1 Kor 8,13).
d) Am meisten gemildert wurde das Fastengebot allen, die beim Militär dienen.
Alle Katholiken, die beim Militär, bei der Gendarmerie und Grenzwache dienen, sind in den meisten Ländern nur am Heiligen Abend und am Karfreitag zur Enthaltung von Fleischspeisen verpflichtet; sonst besteht für sie kein Fasten. (Zur Kriegszeit entfielen auch diese Feiertage.) Diese große Milde geschieht mit Rücksicht auf die ihnen obliegenden schweren Dienste. (Die Familienmitglieder genannter Personen sind in vielen Diözesen auch vom Fleischgenuß dispensiert, doch sollen sie nach vollendetem 21. und vor begonnenem 60. Lebensjahre an kirchlichen Fasttagen Abbruch halten.)

6) Das Fasten ist unserem Leib und Geist sehr nützlich. Es kräftigt die Gesundheit, erleuchtet den Verstand, stärkt den Willen, erwirbt uns Tugenden, Verzeihung der Sünden, Erhörung des Gebetes, außerordentliche Gnaden und ewigen Lohn.
Das Fasten ist eine Art Arznei. Wer fastet, vermehrt seine Gesundheit und verlängert sein Leben. Fast alle Mitglieder des strengen Trappistenordens erreichen ein sehr hohes Alter (gegen 90 Jahre); und sie haben täglich nur eine Mahlzeit, bei der die gesunden Ordensmitglieder nie Fleischspeisen erhalten (Spirago, Beispiele Nr. 1443). Hippokrates, der Vater der Ärzte, der 400 J. vor Chr. in Athen lebte, wurde 140 Jahre alt und blieb stets gesund: gefragt, wie er so alt geworden sei, sagte er: „Ich habe mich nie vollständig satt gegessen.“ Auch die Ärzte verordnen manchen Kranken strenge Diät, damit sie bald gesund werden. Wer sein Kleid schont, erhält es lange Zeit; dasselbe gilt vom Leibe. „Wer mäßig isst, verlängert sein Leben (Sir 37,34).“ Halte Maß in Speis’ und Trank, so wirst du alt und selten krank. Hofrat Dr. Krämer (München), durchaus kein Freund der Kirche, weist darauf hin, daß das Fasten den Stoffwechsel befördert und den Magen kräftigt, und bemerkt: „Es sterben mehr Menschen an zu vielem Essen als an Hunger“ (siehe Krämer „Chronischer Magenkatarrh“). Manche fürchten, daß sie durchs Fasten die Kräfte verlieren. Doch das ist ein Vorurteil. Ein gesunder Mensch hält mehrere Tage ohne Essen aus, ohne zu entkräften. Man beachte, daß sich die Natur zuweilen das Fasten erzwingt; denn nach üppigen Mahlzeiten schmeckt längere Zeit kein Essen. Zur Zeit des Weltkrieges sind unzählige Kranke, namentlich Magenleidende, infolge des gezwungenen Fastens gesund geworden. – wer fastet erlangt viele Vorzüge des Verstandes. Daniel genoß am Hofe des Nebukadnezar nur Hülsenfrüchte und Wasser; er übertraf an Weisheit die gelehrtesten Männer des Reiches (Dan. 1). Alle Leute, die viel zu studieren haben, wissen aus Erfahrung, daß man besser auffaßt, wenn man mäßig ist im Genuß von Speise und Trank. Als Moses 40 Tage gefastet hatte, kam er mit strahlendem Angesichte vom Berge herab (Ex 34,29), wodurch die große Erleuchtung, die er empfangen hatte, angedeutet wurde. „Wir gewinnen am Geiste, wenn wir am Fleische verlieren (Bischof Bossuet).“ – Durch Fasten wird der Wille gestärkt. „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (2 Kor 12,10). Wer fastet, unterdrückt leichter alle bösen Begierden des Leibes (1 Kor 9,27) und überwindet leichter die Versuchungen des Teufels. „Durch Hunger gezwungen, ergibt sich die Festung; so auch der Leib durch Hunger bezwungen, in den Willen und in die Vernunft des Menschen“ (hl. Albert der Große). – Wer fastet, gelangt zu hohen Tugenden. In demselben Maße, wie der tierische Mensch abnimmt, nimmt der geistige zu. Es verhält sich hier wie bei einer Waage; wenn die eine Schale sinkt, steigt die andere. – Wer fastet, erlangt von Gott die Verzeihung der Sünden. Gott verzieh den Niniviten, weil sie fasteten (Jon. 3). Durch eine Speise ist Gott beleidigt worden, durch Fasten wird er wieder besänftigt (hl. Zeno). Durch Fasten kürzt man sich demnach die Strafen des Fegfeuers ab. – Wer fastet, erlangt von Gott schnelle Erhörung des Gebetes. Der heidnische Hauptmann Kornelius zu Cäsarea fastete bis 3 Uhr nachmittags (Apg 10,30); da erhörte Gott seine Bitten und sandte ihm einen Engel. Als Holofernes Bethulien belagerte, nahmen die Einwohner der Stadt zum Beten und Fasten ihre Zuflucht; Gott errettete sie wunderbar durch Judith (Jud 4). Fasten und Almosen sind die beiden Flügel des Gebetes (h. Augustinus). – Gott belohnte das Fasten stets durch außerordentliche Gunstbezeigungen. Nachdem Moses gefastet hatte, wurde er auf dem Berge Sinai der Unterredung Gottes gewürdigt. Nachdem Elias gefastet hatte, hatte er die Erscheinung am Berge Horeb (3 Kg 19). Die wunderbare Beschützung der 3 Jünglinge im Feuerofen war sicher der Lohn des Fastens; ebenso die Sendung des Engels zu Kornelius. „Wer fastet, vergeistigt sich und wird dadurch gewissermaßen Gott ähnlich; daher gefällt es Gott, mit ihm in Verkehr zu treten.“ (Nodr.) – Wer fastet, wird von Gott hierfür nach dem Tode belohnt. Moses und Elias erschienen bei der Verklärung auf Tabor, weil sie unter den Altvätern die einzigen waren, die wie der Heiland 40 Tage gefastet haben. (Hl. Vinzenz Ferrerius, Dominikaner 1406) Die Kirche singt bei der Präfation in der Fastenzeit: „Durch Fasten werden die Laster unterdrückt, der Verstand erleuchtet, Tugenden und Belohnungen erworben.“

4) Die gänzliche und teilweise Enthaltung von Alkohol entspricht dem Geiste des Christentums und ist heutzutage ein Zeitbedürfnis.
Christus fordert Selbstverleugnung, indem er sagt: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich lebst.“ (Mk 8,24) Deshalb soll sich jeder in der Selbstbeherrschung üben. Dies kann auch dadurch geschehen, dass er sich gewisser Speisen oder Getränke enthält. Die Enthaltung vom Alkohol ist demnach ein echt christliches Werk. Schon der Vorläufer des Erlösers, der hl. Johannes der Täufer, enthielt sich nach dem Willen Gottes des Weines und berauschender Getränke. (Lk 1,15) – Der Kampf gegen den Alkohol ist heutzutage notwendig infolge der Zeitverhältnisse; denn der Alkoholgenuß nimmt in erschreckender Weise überhand. Es wird bei jedem Anlaß getrunken: beim Abschied und beim Wiedersehen, bei freudigen und bei traurigen Anlässen, bei Taufen und bei Beerdigungen. Am schlimmsten steht es in dieser Richtung oft unter Studierenden der höheren Schulen. Wer von ihnen die kostbare Studienzeit durch Trinkgelage nicht totschlägt, fällt der Verachtung anheim. Das darf nicht so fortgehen, soll die Menschheit nicht geistig und leiblich zugrunde gehen. Daher kommt es, daß hervorragende Priester (z. B. der irische Kapuziner P. Theobald Mathew, 1856) und Bischöfe (wie Kardinal Manning in England, Bischof Egger in der Schweiz) laut ihre Stimmen erhoben zum Kampf gegen den Alkohol. Weil diese Männer sahen, daß Belehrungen wenig nützten, so gründeten sie Mäßigkeits- und Abstinentenvereine, um durch sie den Zwang der Trinksitten zu brechen. Diesen Vereinen gehören in England und in Nordamerika bereits viele Millionen Menschen an. Die Mitglieder verpflichten sich, daß sie sich innerhalb einer gewissen Zeit vom Alkohol entweder gänzlich oder wenigstens an einem bestimmten Tage der Woche enthalten. – Doch wird nicht gefordert, und das wäre auch für die Gesundheit sehr schädlich, daß sich ein „Abstinent“ überhaupt der Flüssigkeit, die unser Körper so dringend braucht, enthalte. Denn unser menschlicher Leib, der aus etwa 63 Prozent Wasser besteht, verliert täglich beiläufig 3 Liter Wasser, die wieder ersetzt werden müssen. (An heißen Tagen ist der Verlust noch größer.) Da unsere täglichen Nahrungsmittel zum größten Teil aus Wasser bestehen (trockenes Brot enthält 40 Prozent, saftige Früchte über 80 Prozent Wasser, Suppe enthält fast lauter Wasser), so sind Flüssigkeiten nicht in großer Menge notwendig.

5) Die Osterpflicht des Katholiken.
1. Im 4. Kirchengebote gebietet uns die Kirche, in der österlichen Zeit die Sakramente der Buße und des Altars zu empfangen.
Die hl. Kommunion darf nicht zu selten empfangen werden, weil sie die Nahrung unserer Seele ist. Eine Seele, die lange Zeit diese Nahrung nicht bekommt, müßte Hungers sterben. Daher sagt der Heiland: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben.“ (Joh 6,56) Die ersten Christen empfingen täglich die hl. Kommunion; späterhin kommunizierte man nur noch an den 3 größten Festen, zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Als im Mittelalter große Lauheit einriß, verordnete das Konzil zu Lateran (1215), daß alle Christen, die bereits das Gute vom Bösen zu unterscheiden imstande sind, ihre Sünden jährlich wenigstens einmal beichten und wenigstens zu Ostern das Sakrament des Altars ehrfurchtsvoll empfangen sollen. (Kan. 21) Das Konzil von Trient wünscht, daß auch die Beichte zu Ostern abgelegt werde; denn es sagt: „In der ganzen Kirche besteht der heilsame Gebrauch, in jener heiligen und am meisten geeigneten Zeit des 40-tägigen Fastens zu beichten, welchen Gebrauch das hl. Konzil als einen frommen und mit Recht beizubehaltenden genehmigt und annimmt.“ (14. Kap. 5) Die Beichte muß übrigens stets der hl. Kommunion vorausgehen. Eine Ausnahme besteht nur bei jenen, die täglich kommunizieren und sich keiner schweren Sünde bewußt sind. – Durch eine gottesräuberische Kommunion würde das Kirchengebot nicht erfüllt (CIC 861); auch nicht durch eine ungültige Beichte. (Alexander VII.) Wer in der österlichen Zeit seine Osterpflicht nicht erfüllt hat, bleibt trotzdem weiter verpflichtet, sobald als möglich die hl. Sakramente zu empfangen. (CIC 859,4)
2) Die österliche Zeit dauert eigentlich nur 2 Wochen, nämlich vom Palmsonntag bis zum Weißen Sonntag; doch wird sie von den Bischöfen verlängert.
Sie kann ausgedehnt werden vom 4. Sonntag in der 40-tägigen Fastenzeit bis zum Dreifaltigkeitssonntag. (CIC 859,2) In mehreren Diözesen dauert die österliche Zeit 6 Wochen: 3 Wochen vor und 3 Wochen nach Ostern. In anderen, z. B. in der Prager, dauert sie (mit päpstlicher Erlaubnis) vom Aschermittwoch bis zum Dreifaltigkeitssonntag, d. i. bis zum 1. Sonntage nach Pfingsten, also 46 (vor Ostern) + 57 (nach Ostern) = 103 Tage. Deshalb kann niemand mit der Entschuldigung kommen, er habe nicht gut Zeit gehabt, die hl. Sakramente zu empfangen. Manche Bischöfe haben vom Apostolischen Stuhl die Ermächtigung erhalten, zu jeder Zeit im Jahre zu bewilligen, daß in Kirchengemeinden, wo Missionen oder andere fromme Übungen abgehalten werden, die Gläubigen ihre Osterpflicht erfüllen können. (Für die Prager Diözese durch Apostolisches Indult vom 1. Okt. 1917) Auch die an manchen Wallfahrtsorten, so in Maria Zell, nach würdiger Beichte empfangene hl. Kommunion gilt als Osterkommunion. (Pius X. 7.4.1907.)
Es ist geziemend, daß wir zu Ostern den Leib des Herrn empfangen, weil Christus zu Ostern das hl. Altarssakrament eingesetzt hat.
Auch ist es geziemend, daß wir zu Ostern unsere Sünden beichten. Denn Christus ist zu Ostern von den Toten auferstanden. Wenn der Sünder die hl. Beichte würdig verrichtet, so steht er geistig von den Toten auf. Wie Christus von den Toten auferstanden ist, so sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. (Röm 6,4) Und wie sich die Leute zu Ostern neue Kleider anschaffen, so sollen sie auch trachten, daß ihre Seele mit dem Kleide der heilig machenden Gnade geschmückt werde.

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