Die Rückkehr des Heidentums

„Heute hat das Heidentum fast die ganze Welt zurückerobert. Die ehemals katholischen Länder sind ganz vom katholischen Glauben abgefallen, die allermeisten Europäer, Amerikaner und selbst Afrikaner sind Neuheiden.“ Darauf hatten wir in unserem Advents-Rundbrief bereits hingewiesen. Hier nun der Artikel, der über die Wiederkehr des Heidentums hinweg unsere Gedanken auf Weihnachten richten soll.

Die Rückkehr von Odin, Thor und Genossen

Mit dem neuen Kirchenjahr beginnt wieder die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Aber wenn wir ehrlich sind, wird diese Vorbereitung immer mühsamer und vor allem geistig aufwendiger. Mühsamer, weil man etwa in den Ladengeschäften schon ab Ende Oktober mit mehr oder eher weniger weihnachtlichen Artikeln überschüttet wird, und geistig aufwendiger, weil die unsichtbare Welt des Glaubens in unserer Gesellschaft wenigstens vordergründig keinerlei Rolle mehr spielt.

Wohl jeder Katholik spürt, wie seine Umwelt immer glaubensloser und glaubensfeindlicher wird – wobei diese Feindschaft vor allem dem Christentum gilt. Denn während die europäischen Politiker jede Erwähnung des Christentums im Entwurf der europäischen Verfassung abgelehnt haben, ergreifen immer mehr staatliche Funktionäre rund um die Welt Maßnahmen, die eine Rückkehr zum vorchristlichen Heidentum begünstigen. In Dänemark wurde schon kurz nach dem Jahr 2000 angekündigt, es werde nunmehr einer Gruppe, die Thor, Odin und andere altnordische Götter verehrt, die Genehmigung erteilt, eine rechtsgültige Ehe zu schließen. Der lutherische Pastor Tove Fergo, der Minister für Angelegenheiten des Klerus, meinte dazu nur: „Es wäre ein Unrecht, wenn die ursprüngliche Religion dieses Landes nicht anerkannt würde.“ Im Jahre 2016 wurde ein Odin geweihter Tempel namens Valheim Hof eröffnet.

Ein Beispiel aus Island

Auf Island hat sich seit dem Jahr 2000 die Zahl der Anhänger des Asen-Glaubens verfünffacht. Jetzt bekommen die heidnischen Götter, Odin, Thor und Genossen, eine imposante Kultstätte: Erstmals seit der Wikingerzeit wird wieder ein Heidentempel gebaut – und zwar mitten in der Hauptstadt Reykjavík. Bisher durfte seit der Annahme des Christentums auf Island im Jahr 1000 in der Öffentlichkeit das Heidentum nicht mehr praktiziert werden. Der neue Tempel soll auf dem Hang eines Hügels stehen, der die ganze Stadt überblickt. Es werde ein rundes Gebäude gebaut, das oben mit einer Kuppel versehen ist. Aber blutige Opferrituale und abergläubische Bräuche, wie sie von christlichen Autoren in der mittelalterlichen Literatur Europas über die skandinavischen Heiden beschrieben werden, soll es dort nicht geben. Das Schlachten von Tieren würde nämlich zu viel Aufwand, vielleicht auch Ärger mit sich bringen, so die Verantwortlichen.

Dazu ist zu bemerken, daß die Behauptung der Medien, es würde sich bei dem Tempel um den „ersten“ Tempel für Thor und Odin auf der Insel seit 1000 Jahren handeln, falsch ist, ist doch weder ein Odin- noch ein Thor-Tempel überliefert. In derselben Neuinterpretation der alten Göttersagen zelebriert der neuheidnische Kult auch die „Homo-Ehe“, die es bei den alten Germanen mit Sicherheit nicht gegeben hat. Diese Seltsamkeiten wundern einen nicht, sobald man bedenkt, daß dieser heidnische Kult eine Erfindung aus jüngster Zeit ist. Er geht auf das Jahr 1972 zurück und ist somit eine Folgewirkung der 68er-Bewegung.

Die alten Germanen

Letztlich weiß man recht wenig über den alten Glauben der Germanen, weil es nämlich kaum schriftliche Aufzeichnungen darüber gibt. Die Germanen gaben ihren Glauben mündlich weiter, d.h. mit der Bekehrung zum Christentum erlosch die Tradition. Damit sind bei der Neubelebung des Heidentums natürlich der Phantasie große Spielräume gegeben, was sich verschiedene Medien, darunter vor allem die Filmindustrie, zunutze machen. In der Welt der Marvel-Comics [einer der weltweit größten Comic-Verlage; zu seinen erfolgreichsten Titeln zählen Spider-Man, Die Fantastischen Vier (The Fantastic Four), Die Rächer (The Avengers), Hulk, Daredevil, Captain America, Iron Man, Thor, Punisher, Blade, Ghost Rider] etwa gehören Odin und vor allem sein Sohn Thor nicht nur ins Pantheon der nordischen Götter, sondern auch ins Pantheon der Superhelden, die ständig die Welt vor neuen Bedrohungen durch andere Zivilisationen aus dem Weltall retten müssen. Erst im April dieses Jahres war der Gott des Donners mit seinem Hammer wieder einmal an der Seite von Iron Man, Captain America, seinem Stiefbruder Loki und seiner Schlachtgefährtin Valkyre [Walküre: Schlacht- oder Schildjungfrau; ein weibliches Geistwesen, das in der nordischen Mythologie aus dem Gefolge des Göttervaters Odin (Wodan) stammt]; auf der Leinwand zu sehen – mit dem erfolgreichsten Kino-Einspielergebnis aller Zeiten!

Wie schaut die neugeschaffene Götterwelt aus? In dem Film „Thor“ erklärt dieser: „Weißt du, ich bin 1500 Jahre alt. Und ich habe doppelt so viele Feinde getötet. Und jeder von ihnen wollte mich töten, Erfolg hatte allerdings keiner. Ich lebe noch, weil das Schicksal will, daß ich lebe.“ Ein andermal sagt Thor: „Einst waren sich die Menschen einer einfachen Wahrheit bewußt. Daß sie nicht allein sind in diesem Weltall.“ Und nochmal: „Und Sie? Glauben Sie? Kennen Sie mich? Wissen Sie, was ich bin? Wollen Sie meinen Namen wissen? Ich habe so viele Namen wie es Winde gibt, so viele Titel wie Möglichkeiten zu sterben.“

Bevor man sich über die Rückkehr des Heidentums wundert, muß man begreifen, daß die Götter der nordischen Mythologie ihre eigentliche Renaissance (nach ihrem „Revival“ in der NS-Zeit) in Comics und auf der Leinwand feierten. Da treten sie schon seit Jahrzehnten als gnadenlose Rächer, trickreiche Betrüger, allwissende Seher vor den Leser oder Zuschauer, also mit allem, was auch immer so ein Mythos für eine gute Erzählung hergibt.

American Gods“ – eine neue Geschichte über alte „Götter“

So ist etwa ein „Mister Wednesday“ [an dieser Stelle sei bemerkt, daß die Wochentage nach germanischen Gottheiten benannt sind (vgl. im Englischen Thursday – der Tag Thors, des Donnergottes; Mittwoch, Wednesday, ist der Wodanstag)] die Hauptfigur des Bestseller-Romans von Neil Gaiman und der gleichnamigen TV-Serie „American Gods“. „American Gods“ ist eine neue Geschichte über alte Götter. In der Fernsehserie spielt Ian McShane einen modernen Odin, der sich folgendermaßen vorstellt: „Meine Raben heißen Hugin und Munin, Gedanke und Erinnerung. Mein Pferd ist der Galgen. Ich bin Odin.“ Der moderne Odin kämpft mit den neuen Göttern: dem Fernsehen, dem Internet und dem freien Markt – um den Glauben der Menschen.

God of War

Kommen wir noch kurz auf eine andere Art der Scheinwelt des modernen Menschen zu sprechen, die Computerspiele. 2018 galt „God of War“ als bestes und beliebtestes Videospiel des Jahres. Auch darin nehmen die Spieler den Kampf gegen Titanen und Götter auf, spielen sie doch den griechischen Kriegsgott Kratos – im Exil unter den nordischen Göttern – und werden in ihrer Spielewelt immer wieder neu in den uralten Krieg zwischen Asen und Wanen verstrickt. [Die Wanen, abgeleitet vom altnordischen Vanir – „die Glänzenden“, auch Vanen geschrieben, bilden neben den Asen das ältere der beiden Göttergeschlechter in der nordischen Sagenwelt.] Dieses Spiel wurde innerhalb des ersten Monats nach Veröffentlichung fünf Millionen Mal verkauft!

In diesem Zusammenhang wird sicherlich allgemein völlig verkannt: Wir haben inzwischen sicher schon die dritte Generation, die mit Science-Fiction-Filmen und -Literatur und somit in neuheidnischen Götterwelten groß geworden ist. Und das sollte keinerlei Auswirkung auf das Denken und Urteilen haben?!

Großbritanniens Premier

Ein Beispiel für die wachsende Bedeutung des Neuheidentums sind etwa die Blairs. Die britische Zeitung der „Guardian“ veröffentlichte am 26. und 27. Januar 2004 ausführliche Auszüge aus Francis Wheens Buch „Wie Mumbo-Jumbo die Welt eroberte: Eine Kurzgeschichte moderner Verblendungen“. Wheen berichtet darin detailliert über den Aufstieg von Gurus, Spiritualisten und verschiedenen heidnischen Richtungen. Wohl einer der erfolgreichsten modernen Gurus ist Deepak Chopra, der etwa 20 Millionen Dollar im Jahr verdient. Seit seinem Auftritt 1993 in der Oprah Winfrey-Fernsehshow – der zum Verkauf von 400.000 Exemplaren seines Buches innerhalb einer Woche führte – hat er 25 Bücher geschrieben. Er leitet das ‚Chopra Center for Well-Being‘ in La Jolla, Kalifornien und hatte oder hat hochrangige Verehrer aus der Politik und Prominenz wie etwa Michael Jackson, Mikhail Gorbatschow und Hillary Clinton.

Wheen berichtet in seinem Buch ebenfalls, daß Cherie Blair, die Frau des ehemaligen Britischen Premiers, sehr interessiert an alternativen Arten von Spiritualität war. Die damalige First-Lady von Großbritannien hat z.B. einen Feng-shui-Experten engagiert, der ihre Möbel in Downing Street Nr. 10 zurechtschob. Zudem trug die ehemalige First-Lady ständig einen „magischen Anhänger”, der unter der Bezeichnung „bioelektrischer Schild“ bekannt ist. Dieser hat „eine Matrix von besonders geschnittenen Quarzkristallen“, die den Träger angeblich mit „einem Kokon von Energie“ umgibt, der alle bösen Kräfte abwehren soll. Sowohl Cherie als auch Tony Blair unterzogen sich während eines Urlaubs in Mexiko im Jahr 2001 einem auf die Mayas zurückgehenden Wiedergeburtsritus. Als was wird wohl der damalige Premier von Großbritannien wiedergeboren worden sein? Hat womöglich von 2001-2007 ein alter Maya-Gott Großbritannien regiert – ehe er am 21. Dezember 2007 in die Gemeinschaft der Menschenmachwerkskirche aufgenommen, also „katholisch“ wurde?

Die Schweiz

Bei der Eröffnung des Gotthard-Tunnels in der Schweiz am 1. Juni 2016 war die ganze europäische Polit- und Wirtschaftsprominenz zugegen, ist er doch der längste und tiefste Eisenbahntunnel der Welt. Der Bau des 57 km langen Tunnels, der sich teilweise mehr als 2.000 Meter unter der Bergoberfläche befindet, dauerte ganze 17 Jahre. Die Kosten betrugen insgesamt mehr als 11 Milliarden Euros.

Dementsprechend wurde das Bauwerk mit einer Zeremonie gefeiert, die stolze 12,5 Millionen Euro kostete. Die Internetzeitung http://www.blick.ch titelte: „«Bizarre Show» an der Gotthard-Eröffnung – Die Welt wundert sich über die Schweiz“. Sodann heißt es: „Was zur Hölle ist das denn? Das haben sich gestern nicht nur die geladenen Promi-Gäste an der Eröffnungs-Zeremonie des neuen Gotthard-Tunnels gedacht. Die Inszenierung des deutschen Regisseurs Volker Hesse war so ziemlich verstörend: Halbnackte Tänzer, ein barbusiger Engel in der Luft, Zombie-Bauarbeiter, gruslige Dämonen und eine menschliche Bergziege. Damit nicht genug: Die Bergziege und andere Wesen in Kleidern aus Fell tanzten so wild – so dass es wie eine okkulte Sex-Orgie aussah.“

Ein Vorspiel des Antichristen im Gotthard-Tunnel

Bei noch genauerer Beschäftigung mit diesem bizarren Spektakel erfährt man, daß der „Ziegenmann“ während der Aufführung stirbt, wiederbelebt, verehrt und schließlich zum „König der Welt“ gekrönt wird. Dieser „Ziegenmann“, der eine Schlüsselrolle in dieser Aufführung spielte, hatte eine allzu große Ähnlichkeit zu Baphomet, der ein okkultes Symbol Satans ist. In der Neuzeit gilt nämlich Baphomet als menschliche Verkörperung von Satan, die alle Gegensätze vereint – oben und unten, zum Teil Tier, zum Teil Mensch, sowohl männlich als auch weiblich. Darum ist es unschwer zu erkennen, daß dieses grauenvolle Spektakel, das auch großteils beim Zuschauer Befremden auslöste und von vielen Medien fast verschämt übergangen wurde, die Inszenierung eines satanischen Rituals war. Ganz offen und unverblümt wurde u.a. der Sieg und die Verehrung des Teufels (Steinbock als Symbol) zelebriert, begleitet von Opferritualen (inkl. Opferlamm!) und sexistischen Darstellungen. Am Ende des zweiten Teils der Zeremonie etwa hüllt eine Frau den „Ziegenmann“ in Weiß ein und sagt: „Jetzt bist Du der König der Welt“. Das alles geschieht vor den Augen und unter der Schirmherrschaft der anwesenden politischen Elite Europas!

Noch ein paar Streiflichter aus diesem dämonischen Spektakel: Drei Arbeiter hängen in der Luft und sind augenscheinlich tot. Sie werden durch drei gruselige Geister ersetzt und sodann sieht man, wie sie vor einem gigantischen allsehenden Auge schweben. Soll damit ein Menschenopfer dargestellt werden? – Während der Ziegenmann wie besessen auf der Bühne herumläuft, zeigt die große Leinwand Bilder, auf denen der Ziegenmann äußerst bösartig aussieht. Drei Käfer schweben vor ihm. Sieht Satan die drei toten Arbeiter als reine Insekten an? – Als in Weiß gekleidete Menschen sich vor dem Ziegenmann verbeugen, werden sie von einem Kreis aus Augen überwacht. Ist das die Anbetung des Tieres, bekannt aus der Geheimen Offenbarung des hl. Apostel Johannes?

Fassen wir das Ganze nochmals zusammen: Bei der Inszenierung zu den Feierlichkeiten der Eröffnung des Gotthard-Tunnels ist die zentrale Figur ein „Ziegenmann“ mit auffallender Ähnlichkeit zu Baphomet. Während der Zeremonie stirbt der “Ziegenmann“ – sodann erholt er sich wieder von seiner tödlichen Wunde und wird schließlich von allen anderen verehrt und angebetet. Der „Ziegenmann“ wird zum Herrscher der Welt gekrönt. – Jeder einigermaßen bibelkundige Christ müßte erkennen: Das ist letztlich eine detaillierte Beschreibung des Antichristen und seines Weges zur Macht.

Weihnachten ohne Jesus Christus

Nach dem bisher Gesagten sollte es niemanden mehr wundern, daß inzwischen das Heidentum weltweit gesetzlichen Schutz bekommt, während das Christentum auf der Verbotsliste steht. Schon Anfang des neuen Jahrtausends verbot das britische Rote Kreuz die Erwähnung Jesu in seinen Geschäften. Ebenfalls verboten wurden Weihnachtskarten mit Szenen der Geburt Christi und Adventskalender mit Abbildungen von Maria und Josef und den drei Weisen aus dem Morgenland. Währenddessen waren jedoch auf der von der Kultusministerin des Vereinigten Königreiches Tessa Jowell versandten Weihnachtskarte hinduistische Tänzerinnen und Zeichnungen von Moscheen zu sehen.

Zur selben Zeit zeigte der Verkehrsminister des Staates Victoria in Australien Peter Batchelor auf der Weihnachtskarte eine Traumszene der Aborigines ohne jeglichen christlichen Bezug. Auch Schottlands Parlament schaffte jeden Hinweis auf das Christentum auf seinen Karten ab. Das war sogar für den Agnostiker Jim Sillars zu viel. Er beschwerte sich darüber in einem von der Zeitung „Scotsman“ veröffentlichten Kommentar. „Solche Entscheidungen sind kein Zeichen größerer Toleranz von Seiten nichtchristlicher Religionen“, schrieb er. „Ich möchte einmal einem Juden, Moslem, Hindu oder Sikh begegnen, der jemals dagegen protestiert hat, daß für uns Christus das Zentrum von Weihnachten ist. Nimmt man Christus heraus, hat man eine heidnische Feier.“ So einfach ist das: „Nimmt man Christus heraus, hat man eine heidnische Feier.“ Und das muß ein Agnostiker uns sagen!

„Mutter Erde“ im Vatikan

Als während der sog. Amazonassynode in den Vatikanischen Gärten und selbst im Petersdom heidnische Riten abgehalten und nicht nur um Naturalien, sondern auch um ein heidnisches Götzenbild herumgetanzt und sich davor auf den Boden geworfen wurde, konnten sich die Konservativen und auch manche Traditionalisten nicht durchringen, einfach von Götzendienst und Heidentum zu sprechen. Wie viele fadenscheinige Erklärungen wurden da abgegeben, um ja nur der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Auch die Verantwortlichen überboten sich gegenseitig mit ihren verwirrenden Stellungnahmen, um die Sache nur nicht beim Namen nennen zu müssen – wenigstens bis zu dem Tag, als die Statuen aus der Kirche gestohlen und in den Tiber geworfen wurden. Nun hieß es nämlich plötzlich: Es seien „indigene Statuen gestohlen“ worden, die „das Leben, die Fruchtbarkeit, die Mutter Erde“ darstellen. Nun, „Mutter Erde“ ist nichts anderes als eine Bezeichnung für „Pachamama“.

Pachamama heißt wörtlich übersetzt nicht „Mutter Erde“, sondern „Weltmutter“, es war nämlich damit nicht einfach nur die Erde, sondern die Welt dieser heidnischen Gottheit gemeint. Dabei steht „Pacha“ für Welt oder Kosmos. Der Name findet sich bei mehreren heidnischen Göttern der vorkolumbischen Völker (wie etwa Pachamama, Ukhu Pacha, Kay Pacha oder Pachakamaq). Nach der Vorstellung dieser alten heidnischen Völker herrschte jede dieser Gottheiten über ihre eigene Welt, wobei die verschiedenen Welten der Götter miteinander, etwa durch Blitze, verbunden waren. Es ist bezeichnend, daß Pachamama, die unter verschiedenen Namen und Ausprägungen in Teilen Südamerikas verehrt wurde und wird, erst in neuerer Zeit zur Erd- und Fruchtbarkeitsgottheit umgedeutet wurde.

Ursprünglich, etwa bei den Inkas, war Pachamama eine Drachengöttin. Sie galt als Mutter des Sonnengottes Inti und der Mondgöttin Mama Killa, oder auch als Frau von Inti. Ihr wurden von Inka-Priestern massenweise Opfer dargebracht, auch Menschenopfer. Wurden ihr nämlich nicht genügend Opfer geschlachtet, holte sie sich nach heidnischer Vorstellung die Opfer selbst, etwa durch Erdbeben. In der heutigen Form ist Pachamama eine neuheidnische Erfindung, wobei die alten heidnischen mit westlichen Gaia- und New-Age-Vorstellungen verbunden wurden.

Das Zeugnis des Häuptlings Macuxí

Der Rechtsanwalt und Mathematiker Jonas Marcolino Macuxí, Häuptling eines Indiostammes, war bis zu seinem 18. Lebensjahr Analphabet. Er wurde katholisch getauft, ist aber inzwischen evangelikaler Christ – vor allem aufgrund der unübersehbaren Apostasie der Menschenmachwerkskirche. In Brasilien und auf den Philippinen bringen zur Zeit protestantische Freikirchen immer mehr Anhänger der Menschenmachwerkskirche dazu, von ihrer Kirche abzufallen. Ihre Anklage an die Menschenmachwerkskirche lautet: Götzendienst! Es verwundert nicht, daß sie der neuheidnischen Sekte im Vatikan den Rücken kehren und sich vor allem den Evangelikalen zuwenden, die sicherlich noch viel mehr biblischen Glauben besitzen als diese.

Jonas Marcolino Macuxí sagt im Interview mit Diane Montagna für „LifeSiteNews“: „Ich sehe die Befreiungstheologie als eine Lehre, die die Menschen nicht von Sünde, Diebstahl und Lüge befreit, sondern von Technologie und anderen Dingen, die ihr Leben fördern könnten.“ Zudem wurde er gefragt, ob ihm irgendetwas bei der Zeremonie in den vatikanischen Gärten als Teil der indigenen Kultur „vertraut“ vorgekommen sei, d.h. ob er diese als christlich oder eher als heidnisch einstufe. Er antwortete, es habe ganz „heidnisch“ ausgesehen, ja, es sei „zu 100 Prozent eine heidnische Zeremonie“ gewesen. So das Zeugnis des Häuptlings Macuxí, der sicherlich weiß, wovon er spricht. Nun, zur selben Einsicht müßte selbstverständlich auch jeder Katholik kommen, der seinen Verstand noch nicht verloren hat. [Die „indigene Brasilianerin, welche Zeremonie am 4. Oktober in den Vatikanischen Gärten geleitet hat“, erklärte laut „kath.net“, das bei dieser Zeremonie vorgenommene Pflanzen eines Baumes „bedeute, ‚den Hunger der Schöpfung von Mutter Erde zu stillen‘, und sich mit dem ‚Geheimnis der Göttlichkeit der amazonischen Erde‘ zu verbinden“. Wenn das kein Heidentum ist! Hierher mag auch passen, daß man im Vorfeld der „Amazonas-Synode“, am 27. September dieses Jahres, im Zusammenhang mit einer Ausstellung ein Bild des Moloch, jenes kanaanitischen Götzenscheusals, dem Kinder geopfert wurden, am Kolosseum in Rom angebracht hat, jenem Ort, an dem so viele Martyrer ihr Leben für den christlichen Glauben gaben als Zeugnis gegen das Heidentum.]

Der gebildete Indio wies darüber hinaus auf das immer noch real existierende Heidentum in seiner Heimat hin. In diesem würden etwa einige Stämme noch immer Kinder töten, die mit Behinderungen geboren werden. Diese barbarische Praxis bestehe seiner Einschätzung nach vor allem auch deshalb weiter, weil „sogar die Bischöfe in der Gegend zu den Menschen sagen, daß sie zu ihren alten Wegen zurückkehren müssen, weil sie viel besser wären als die Sitten und Gebräuche der modernen weißen Gesellschaft“. Aber von seinem Stamm werde wenigstens der Kannibalismus inzwischen nicht mehr praktiziert. So sieht also die Wirklichkeit des Heidentums aus, für die eine Pachamama steht, die man in den vatikanischen Gärten, in der Kirche Santa Maria in Traspontina und im Petersdom im Beisein von Herrn Bergoglio götzendienerisch verehrt hat.

Wie nicht anders zu erwarten, gibt sich nun der Vatikan alle Mühe, die Tatsachen einfach zu leugnen. So behauptet etwa Bischof Felipe Arizmendi dreist, es sei eine „große Unverschämtheit, den Papst als Götzendiener zu verurteilen, denn das war er nicht, und er wird es auch nie sein“.

Moralische Entrüstung

Wie gewohnt regen sich die Konservativen und Traditionalisten eifrig über das Ganze auf, ohne zu begreifen, was hier wirklich geschehen ist. Wenn nur noch „Ultrakonservative“ dazu fähig sind, einen Götzendienst als Götzendienst wahrzunehmen, dann heißt das zweifelsohne, daß alle anderen ihren katholischen Glauben schon lange verloren haben – was anhand der schon über 40 Jahre dauernden Teilnahme am neuheidnischen Ritus der sog. Neuen Messe gar nicht anders sein kann. Da tanzen und singen „katholische“ Laien, Ordensmänner und Ordensfrauen, Priester und Bischöfe und ein Papst um heidnische Opfergaben und eine Pachamamafigur herum und werfen sich z. T. vor ihr auf den Boden – und denken sich nichts mehr dabei! Selbst der Agnostiker Jim Sillars weiß noch: „Nimmt man Christus heraus, hat man eine heidnische Feier.“ All diese „Katholiken“ der Menschenmachwerkskirche wissen es nicht mehr, selbst wenn man nicht einmal nur Christus herausnimmt, sondern sogar heidnische Rituale vollzieht. Wie aber soll es da noch Weihnachten werden?

Wenn nun das alles eintritt…

Es gibt Krippendarstellungen, in denen das weihnachtliche Geschehen in eine Ruine versetzt wird. Das göttliche Kind in der Krippe liegend, mit Maria und Josef an der Seite, umgeben von einem zerfallenen Mauerwerk mit halb verfallenen Fensterwerken und nur einem Notdach darüber.

Was will uns diese Darstellung über das Weihnachtsgeheimnis sagen? Es will uns sagen, daß durch das Kommen des göttlichen Erlösers das Heidentum zerfallen ist. Mit dem Erscheinen des ewigen Sohnes des Vaters als ein Menschenkind zerbricht die heidnische Welt. Auch wenn dies in der Verwirklichung Jahrhunderte dauern wird, ist mit dem Kommen unseres Herrn Jesus Christus der Untergang des Heidentums besiegelt – etwas genauer gesagt: zunächst einmal besiegelt, bis die Zeit des Antichristen anbricht. Wird doch der Antichrist über das neu erstandene Heidentum – den großen Abfall vom christkatholischen Glauben, der kommen muß – in der ihm von Gott gewährten Zeit seine Herrschaft ausüben und sich schließlich als Gott verehren lassen. Am Ende der Zeiten aber wird unser Herr Jesus Christus wiederkommen „mit großer Macht und Herrlichkeit. Wenn nun das alles eintritt, dann schauet auf und erhebet eure Häupter, denn es naht eure Erlösung“ (Evangelium des ersten Adventsonntags).

Die hl. Liturgie erinnert uns an diese Prophezeiung unseres göttlichen Herrn, um uns damit in den Geist des Advents einzuführen. Der einst mit großer Macht und Herrlichkeit kommen wird, ist zunächst in Knechtsgestalt zu uns gekommen, als kleines Kind wird Er geboren. Wir sollen uns jedoch von Seiner demütigen Gestalt nicht täuschen lassen, denn dennoch ist Er der Herr. Im hl. Evangelium des Apostels Johannes wird dies gleich einleitend hervorgehoben. Der sog. Prolog des Johannesevangeliums ist das Evangelium der dritten Weihnachtsmesse. Der hl. Johannes spricht über das Geheimnis der hl. Weihnacht von der Ewigkeit, vom dreifaltigen Gott her. Er berichtet darüber, was sozusagen unsichtbar im Stall von Bethlehem Wirklichkeit geworden ist. Der ewige Sohn des Vaters – DAS WORT – das im Anfang, also ewig aus dem Vater gezeugt worden war, ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Er hat Sein Zelt unter uns aufgeschlagen.

Aber was geschieht dadurch in unserer Menschenwelt, wenn Er zu uns kommt? Der Apostel Johannes schreibt: „In Ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen, und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht begriffen“ (Joh. 1, 4 f). Es kann nicht anders sein, wenn Er wahrhaft Gott ist, dann ist in Ihm das Leben. Nicht irgendein Leben, ein zerbrechliches, ständig durch Tod und Sünde bedrohtes Leben wie das unsere, sondern göttliches Leben, das Seinem göttlichen Sein entspricht. Dieses Leben tritt in unsere Welt und zeigt sich als das Licht dem Menschen, ein Licht, das alles hell macht, das die göttlichen Ratschlüsse, die seit Ewigkeit in Gott verborgen waren, offenbar macht. Später wird Er zu Martha sagen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der im Glauben an mich lebt, wird niemals sterben. Glaubst du das?“ (Joh. 11, 25 f).

Nun, viele glaubten und glauben nicht, denn die Finsternis hat es nicht begriffen. Das Unvorstellbare ist geschehen und geschieht immer noch Tag für Tag: „Er war das wahre Licht, das in die Welt gekommen ist, das jeden Menschen erleuchtet. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden und die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh. 1, 9-11). Anstatt sich über alles zu freuen und voller Glück sein Kommen zu bejahen und zu bejubeln, lehnen sich viele viele Menschen gegen Ihn auf und wenden sich von Ihm ab. Obwohl er das wahre Licht ist, das jeden Menschen erleuchtet, das jedem Menschen sich zu erkennen gibt, nehmen Ihn die Seinen dennoch nicht auf. Was bewegt diese vielen Menschen dazu, Sein Kommen nicht als frohe Botschaft zu vernehmen, sondern als Drohung, als Angriff auf ihre Freiheit zurückzuweisen?

Das Gericht

„Das Gericht besteht aber darin: Das Licht ist in die Welt gekommen. Die Menschen aber hatten die Finsternis lieber als das Licht; denn ihre Werke waren böse“ (Joh 3, 19). Die frohe Botschaft besteht nicht einfach nur in Worten, sondern auch in Taten, in einem neuen Leben, wie der hl. Paulus hervorhebt: „…zieht den neuen Menschen an, der nach Gott in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen ist“ (Eph 4, 24). Es ist für uns in diesem irdischen Leben immer nur zu erahnen, welche Möglichkeiten eines neuen Lebens in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit Sein Kommen in unsere Welt eröffnet. Der Mensch hat jedenfalls keine Ausreden mehr, er kann sich nicht mehr auf seine Schwachheit und Unwissenheit berufen, ist doch DAS LICHT in unsere Menschenwelt gekommen und hat sich anschaubar und verstehbar gemacht. Der Mensch muß nur hinschauen und an Ihn glauben, dann wird er erleben, was der hl. Johannes sagt: „So viele Ihn aber annahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden…“ (Joh. 1, 12).

Während die Katholiken zu allen Jahrhunderten von dieser gottgeschenkten Macht, Kinder Gottes zu werden, fasziniert waren, lehnten sich viele Juden und Heiden dagegen auf. Josef Dillersberger erklärt in seinem Kommentar zum Johannesprolog:

Man muß den Satz „so viele ihn aber (an)nahmen“ in seiner ganzen Bitterkeit erfassen. Wohl ist eine Ausnahme, die zunächst tröstlich scheint, festzustellen in dem, was Johannes bisher immer so uneingeschränkt behauptet hatte: In der Finsternis leuchtet das Licht — „Die Finsternis aber hat es nicht begriffen“ (V. 5). Er war in der Welt — „Die Welt hat ihn nicht erkannt“ (V. 9). Er kam in sein Eigentum — „Die Seinigen haben ihn nicht aufgenommen“ (V. 11). Das klang immer so, als ob es überhaupt keinen Erfolg gegeben hätte. Nun wird gesagt, um genau zu sein, daß doch wohl ein Erfolg zu verzeichnen sei. Es hat doch Menschen gegeben, die ihn annahmen. Es mögen ihrer viele sein, ja. Aber es war nicht die Welt an sich, es war nicht jene bevollmächtigte Vertretung der Menschheit, die ihn hätte empfangen sollen. Daher bleibt trotz dieser Feststellung jenes andere aufrecht: Die Finsternis hat nicht begriffen, ließ sich nicht erhellen. Sie blieb in der Welt wie vorher! Die Welt als solche, als Ganzes hat ihn nicht erkannt. Die Seinen als die Seinen, sein Volk und Eigentum, haben ihn nicht aufgenommen. Er kam nicht in die Welt als der von den Seinen mit offenen Armen aufgenommene, längst erwartete Herr und König — sondern als der von Israel Verworfene, den Heiden Ausgelieferte. Das ist der Unterschied.
Daher gab es nun für ihn kein kollektives Aufnehmen von Seiten der Welt. Es war nur ein Annehmen, das sozusagen privat erfolgte, von einigen, wobei man nicht zählte, wie viele das nun waren. Das leichte „aber“, will wohl anzeigen, daß es sich um andere als das Volk Israel handelte, um die Heiden.
Es ist also die Kirche aus den Heiden dennoch ein schmerzlicher Ersatz für das, was eigentlich hätte sein sollen.
Denn die Heilstat Christi konnte nun nicht auf die Welt als solche gehen, wie es eigentlich bestimmt war. Die Welt als solche, in ihrer offiziellen Vertretung — Volk Israel — hatte ihn ja abgelehnt.

(Josef Dillersberger, Das Wort vom Logos, Verlag Anton Pustet, Salzburg – Leipzig 1935, S. 131f)

Es ist kaum zu fassen und dennoch ist es wahr: „Die Menschen aber hatten die Finsternis lieber als das Licht; denn ihre Werke waren böse.“ So ging die Verheißung von Israel auf die Heiden über – aber nicht auf das Heidenvolk als solches, sondern auf den einzelnen. Die göttliche Vorsehung wählte einen Ersatzweg. Beim Evangelisten Matthäus heißt es: „Das Volk, das im Finstern sitzt, sieht ein helles Licht; denen, die im Land des Todesschattens wohnen, strahlt ein Licht auf“ (Mt 4,1 6). Der göttliche Erlöser seinerseits sagt von sich: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wandelt nicht in der Finsternis – er wird das Licht des Lebens haben“ (Joh. 8, 12).

Die Finsternis des Heidentums …

Die Finsternis, das war zunächst das Heidentum, in welches auch die ungläubigen Juden durch ihre Ablehnung des verheißenen Messias zurückfielen. Der Tempel von Jerusalem wurde zerstört und das Volk zerstreute sich unter die Völker der Erde. Dagegen haben sich viele Heiden zu Jesus Christus bekehrt und sind damit aus der Finsternis ins Licht getreten, womit sie das Licht eines ganz neuen Lebens erhielten, wie der hl. Paulus bezeugt: „Wir sind also durch die Taufe auf den Tod mit ihm begraben. Wie aber Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt worden ist, so sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln“ (Röm 6, 4).

…und das neue Leben der Kinder Gottes

Es ist das neue Leben der Kinder Gottes, das mit einer wahrhaft göttlichen Vollmacht verbunden ist. Ein Leben, das selbst die kühnsten Träume des Menschen übertrifft, das er aber verborgen in sich trägt und nur im göttlichen Glauben erfassen kann. Folgen wir hierzu nochmals den Gedanken von Josef Dillersberger:

„Denen gab er nun die Vollmacht, Kinder Gottes zu werden.“
Hier ist jedes Wort der Erwägung wert:
Einmal heißt es bezeichnend: Er gab ihnen die Vollmacht. Sie erhielten sie also als Geschenk von ihm. Damit ist das absolut Gnadenhafte der Macht deutlichst ausgedrückt. Denn an sich, möchte man meinen, wäre diese Vollmacht zu verdienen, dadurch eben, daß man das Licht, den Logos, gläubig annimmt.
Aber es ist nicht so, daß mit dem Annehmen des Lichtes sozusagen ipso facto, automatisch, jeder ein Kind Gottes wird. Es wird dies vielmehr ausdrücklich jenen Menschen geschenkt. Es ist also kein „Mechanismus“, es ist kein verdienter Lohn, es ist ein Geschenk und eine Gabe göttlicher Liebe. Er selbst, der Logos, schenkt es ihnen. Er allein ist der Gebende — sie sind nur die Empfangenden. Es ist ein von ihm persönlich gegebenes Geschenk. So sehr ist hier alles ganz wahr und tief zu nehmen: Er — persönlich — war der Gebende, wie er persönlich Licht und Leben war für die Menschen. Und er — gab und schenkte. So ist es seine Gabe allein, nicht ihr Verdienst.

(Ebd. S. 132f)

Gottes Freigebigkeit und Vollmacht

Gottes Freigebigkeit uns Menschen gegenüber ist unendlich groß. Er gibt uns nicht irgendein Geschenk, nicht irgendeine Gabe, mit der wir sodann vor Ihn treten könnten, um sie als Verdienst vorweisen zu können. Nein, Er schenkt uns Anteil an Seinem göttlichen Leben in der Gnade. Er erhebt unsere Natur durch die geschenkte Gnade und befähigt uns dadurch, ein wahrhaft übernatürliches Leben zu führen. Das ist gemeint mit der Vollmacht, Kind Gottes zu sein. Wozu aber befähigt uns diese Vollmacht genau? Dillersberger weiter:

Genau gesehen ist damit ein Dreifaches gegeben worden. Einmal bedeutet Vollmacht eine innere Ausrüstung und Befähigung zu gewissen Akten. Sie erhalten also hiermit die innerliche Befähigung, einen gewissen inneren Habitus. Es bedeutet diese Gabe des Logos zunächst eine Erhebung des Menschen in einen neuen Lebenszustand. Mit Recht hat das die spätere Theologie als den Zustand der heiligmachenden Gnade bezeichnet, ein Zustand, der die Seele wesentlich innerlich anders macht, sie reinigt und heiligt und vor Gott gerecht macht, sie ausrüstet durch die Eingießung der Tugenden und Gaben des Heiligen Geistes für das neue Leben der Kinder Gottes.
Andererseits bedeutet Vollmacht auch die äußere Freiheit, das Recht. Auch dies ist nun etwas völlig Neues. Bis jetzt war alles freies Geschenk göttlicher Liebe. Aber wenn diese anfängliche Ausrüstung einmal da ist, diese „Vollmacht“ zur Gotteskindschaft, dann gewinnt der Mensch auf einmal auch Rechte Gott gegenüber. Jetzt kann er wirklich verdienen. Und zwar verdienen, um auf Grund dessen einen Lohn zu beanspruchen. Natürlich bleibt das alles wurzelhaft Gnade, weil ja diese erste Vollmacht dazu einfach geschenkt wurde. Aber von da an behandelt Gott den Menschen wirklich als einen rechtmäßigen Partner, der Ansprüche und Rechte erworben hat. Es wäre ja gar nicht ernstlich ein Teilnehmen an der göttlichen Natur, wenn es anders wäre.
Und endlich schließt diese Vollmacht noch ein Drittes ein, nämlich die Freiheit im subjektiven Sinne, daß es dem Menschen freisteht, sie zu betätigen oder nicht; daß ihm freisteht das Maß, in dem er sich hier betätigen will. Es ist ihm alles erlaubt. Er hat volle Freiheit. Kühn darf er bis an das Höchste langen. Aber es ist eben seine Freiheit. Er bleibt ungezwungen. Göttliches ist in seine Hände gelegt, aber wirklich in seine Hände, er kann damit machen, was er will.

(Ebd. S. 133f)

Ein göttliches Erbe

Als Kinder Gottes sind wir in ein göttliches Erbe eingesetzt. Aber dieses Erbe ist zunächst einmal ein verborgener Schatz, den es zu behüten und zu mehren gilt. Durch die Eingießung der heiligmachenden Gnade befähigt uns Gott, ein gottwohlgefälliges, heiliges Leben zu führen. Denn im Gefolge der Gnade werden uns zugleich die Tugenden und Gaben des Heiligen Geistes geschenkt. Somit sind wir befähigt, Handlungen auszuführen, die Gott nicht nur wohlgefällig, sondern in Seinen Augen sogar verdienstlich sind. Denn jeder behält die Freiheit, so viel für Gott und aus Liebe zu Gott zu tun, wie ihm gut scheint. Die göttliche Liebe kennt auch hierin keinen Zwang, sie ermuntert nur, sich möglichst ganz hinzugeben. Der hl. Augustinus fordert uns auf: „Betrachte Mensch, was Gott für dich geworden ist; lerne vom Beispiel solcher Demut, auch wenn der Lehrer noch nicht spricht… Du wolltest Gott sein, obwohl du Mensch warst, und gingst so verloren. Er wollte Mensch werden, obwohl er Gott war, um wiederzufinden, was verloren war.“

Unser großes Vorbild in diesem neuen Leben als Kinder Gottes ist Jesus Christus selbst, das Kind, das in der Krippe liegt und unser menschliches Leben vollkommen verändert! Indem der ewige Sohn des Vaters Mensch wird, führt Er den Menschen zurück zum Vater. Den durch die Sünde zerbrochenen Weg zum Himmel errichtet er neu in Seinem Fleisch, darum wird Er sagen und Er allein kann es sagen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich“ (Joh. 14, 6). Das Kind in der Krippe zeigt uns Menschen ganz neu, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Dazu nochmals der hl. Augustinus:

Christus, der Herr, in Ewigkeit ohne Anfang beim Vater, auch er hat einen Geburtstag: Er, das Wort, das am Anfang war.
Ohne seine menschliche Geburt gäbe es für uns keine göttliche Neugeburt; er wurde geboren, damit wir neu geboren würden.
Christus ist geboren: Keiner soll zweifeln, daß er selbst neu geboren werden kann! Seine Barmherzigkeit sei in unserem Herzen.
Seine Mutter trug ihn in ihrem Schoß: Wir wollen ihn im Herzen tragen.
Die Jungfrau wurde schwanger, als sie Christus empfing: Wir wollen erfüllt sein vom Glauben an ihn.
Die Jungfrau brachte den Erlöser zur Welt…: Bringen wir ihm Lob! Seien wir nicht unfruchtbar, sondern laßt uns Frucht bringen in Gott!

Es kann gar nicht anders sein, die Menschwerdung des wahren Sohnes Gottes verwandelt das Menschenleben ganz und gar. Denn Er ermöglicht uns, zum Vater heimzukehren. Aber daß das gelingt, muß jeder einzelne es auch ausdrücklich wollen, d.h. jeder einzelne muß an Jesus Christus glauben, um sodann diesem Glauben gemäß zu leben. Das alles deutet auch der hl. Evangelist Johannes in seinem Prolog an, wie nochmals Dillersberger erläutert:

Schon Chrysostomus hat hier gefragt, warum der Evangelist nicht einfach geschrieben hat: Er hat sie zu Kindern Gottes gemacht. Er und mit ihm viele andere kommen zum Ergebnis, daß das einmalige Geschenk der Gotteskindschaft in der Taufe eben die beständige Sorgfalt des Menschen verlange. „Er wollte zeigen, daß es vieler Mühe bedarf, das in der Taufe uns eingeprägte Bild der Kindschaft unversehrt und ohne Schaden zu bewahren durchs ganze Leben.“
Dann wollte er zeigen, daß es uns niemand wegnehmen könne, wenn wir nicht selber dies Geschenk wieder wegwerfen, und endlich, daß die Gnade nicht einfach da ist und arbeitet, sondern nur mit den Wollenden und denen, die sich Mühe geben.
„Denn das Geborenwerden in jener mystischen Geburt und das Gereinigtwordensein von allen früheren Sünden geschah durch die Taufe. In Hinkunft aber gereinigt bleiben und keinen Flecken mehr annehmen, das steht in unserer Macht und ist unserem Eifer überlassen.“

(Ebd. S. 134 f)

Das Weihnachtsevangelium

Das Weihnachtsevangelium ist eine wunderbare Botschaft an alle Menschen. Jeder einzelne ist dazu aufgerufen, der Sünde zu entsagen und nunmehr nach der Taufe ein göttliches Leben aus der Gnade zu beginnen, wobei es vieler Mühe bedarf, dieses der Seele eingeprägte Bild der Gotteskindschaft zu bewahren und zu vollenden. Das war dann wohl doch der entscheidende Grund dafür, daß doch letztlich immer nur wenige sich dazu entschließen konnten, es mit dem „Sein wie Gott“ ernst zu nehmen, die Mühe eines wahrhaft christkatholischen Lebens erschien ihnen zu groß, ja unerträglich zu sein. Darum zogen sie es vor, lieber bei den alten Göttern zu bleiben und dem wahren, einzigen Gott den Rücken zuzuwenden.

Denn die alten Götter der Heiden erschienen zwar immer nach Menschenart, aber sie ließen den Menschen so wie er ist; sie erlösten ihn nicht, sondern machten ihn nur abhängig. Die heidnischen Götter in Menschengestalt nutzten ihre Macht auf sehr menschliche Weise: Sie liebten leidenschaftlicher und haßten heftiger als es Menschen je könnten. Sie waren Übermenschen, Supermenschen, weshalb sich so ein Gott auch ganz leicht in einen Menschen verwandeln konnte – einen Menschen von äußerst ungebändigter Leidenschaft. Nur konnte es geschehen, daß ihm die Rückverwandlung in das Gott-Sein nicht mehr gelang, daß er als Sterblicher endete, bzw. als Gott scheiterte. Dann wurde er aus dem Götterhimmel verbannt.

Wenn man eine Zeit lang vor der Krippe und dem Jesuskind kniet, nimmt man immer mehr und immer deutlicher wahr, daß dies mit den alten Göttergeschichten überhaupt nichts zu tun hat. Dieses Kind ist kein Übermensch, es wird auch später kein Superheld oder Superstar sein, sondern der wahre Sohn Gottes in Menschennatur. Es wird zugleich demütiger als der demütigste Mensch sein und stärker als der stärkste Held. Er wird ganz anders sein, als die allermeisten Menschen sich den Sohn Gottes vorstellen würden. Gerade darin erweist Er Seine göttliche Würde und die Wahrheit Seines Gottseins.

Wie staunt der hl. Augustinus über dieses Geheimnis: „Welche Wohltat brachte uns die Demut unseres erhabenen Gottes! Die Demütigen dürfen sich klammern an die Niedrigkeit Gottes, um die Höhen Gottes zu erreichen, so wie man sich in seiner Schwäche von Lasttieren helfen läßt. Die Weisen und Klugen hingegen, die Gottes Größe ergünden wollen, glauben nicht an das Unscheinbare. Doch da sie dieses übersehen, finden sie auch nicht zur Größe Gottes.“

Credo in unum Deum

Jeder Katholik muß an Weihnachten, wenn er vor dem Kind in der Krippe kniet, um die große Gnade bitten, das Unscheinbare mit dem Licht und der Kraft des hl. Glaubens durchdringen zu dürfen. Dann wird er sich erheben und voller Freude und hl. Begeisterung bekennen: „Wir schauten Seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit als des Einziggeborenen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1, 14). Denn es ist wahr, Er ist nicht wie einer der heidnischen Göttersöhne, sondern Er ist der wahre Sohn Gottes, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist der eine Gott ist. Oder wie es im Athanasischen Glaubensbekenntnis formuliert ist

„Aber zum ewigen Heil ist es [ferner] nötig, auch an die Fleischwerdung unseres Herrn Jesus Christus aufrichtig zu glauben.
Der richtige Glaube ist nun dieser: Wir glauben und bekennen, daß unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, Gott und Mensch ist.
Gott ist er aus der Wesenheit des Vaters, vor den Zeiten gezeugt, und Mensch ist er aus der Wesenheit der Mutter, in der Zeit geboren.
Vollkommener Gott, vollkommener Mensch, bestehend aus einer vernünftigen Seele und menschlichem Fleisch.
Dem Vater gleich der Gottheit nach, geringer als der Vater der Menschheit nach.
Doch obwohl er Gott und Mensch ist, sind es nicht zwei, sondern ein Christus.
Einer aber nicht dadurch, daß die Gottheit in Fleisch verwandelt worden wäre, sondern dadurch daß Gott die Menschheit angenommen hat.
Er ist ganz und gar einer nicht durch eine Vermischung der Wesenheit, sondern durch die Einheit der Person.
Denn wie vernünftige Seele und Fleisch einen Menschen ergeben, so ergeben Gott und Mensch einen Christus, Er hat gelitten um unseres Heils willen, ist herabgestiegen zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten,
Er ist aufgestiegen zum Himmel, er sitzt zur Rechten des allmächtigen Vaters, von wo er kommen wird, um die Lebenden und die Toten zu richten.
Bei seiner Ankunft werden alle Menschen mit ihren Leibern auferstehen und über ihre Taten Rechenschaft ablegen.
Und die Gutes getan haben, werden ins ewige Leben eingehen, die hingegen Böses [getan haben], in das ewige Feuer.
Dies ist der katholische Glaube. Jeder, der ihn nicht aufrichtig und fest glaubt, kann nicht selig werden.“

Erst wenn wir das glauben und freudig bekennen, ist es auch wirklich Weihnachten!