Pecunia non olet

Pecunia non olet.“ Die meisten haben die Redewendung sicherlich schon einmal gehört, wenn auch nicht im lateinischen Original: „Geld stinkt nicht!“ Diese Ansicht vertreten all jene, die an irgendein Geld kamen, das aus unsauberen Einnahmequellen stammt. Sie meinen, es sei egal, woher das Geld ursprünglich kommt, wenn es nur jetzt nutzbringend verwendet wird – ähnlich dem vielmißbrauchten Sprichwort: „Der Zweck heiligt die Mittel“. Wobei „nutzbringend“ wiederum einen ziemlich weiten Spielraum eröffnet, ist doch der Geruchssinn nicht bei jedem gleich ausgebildet. Dem einen stinkt‘s schon, wenn der andere noch keinerlei Probleme hat. Woher stammt nun eigentlich der lateinische Spruch?

Der römische Kaiser Vespasian (9–79 n. Chr.), mit vollem Namen Titus Flavius Vespasianus, wußte, daß selbst ein Kaiser genügend Geld braucht, um seine Herrschaft absichern zu können. Weil die römischen Staatskassen bei Regierungsantritt nicht gerade überliefen, ließ er, wie heute auch üblich, alle möglichen Steuern erfinden. Eine davon war die Latrinensteuer. Im alten Rom wurde nämlich „gefaulter“ Urin zur Gerbung von Leder und selbst zum Waschen verwendet, diente doch damals als Waschmittel eine Mischung aus Urin, Seifenkraut, Pottasche und Tonerde. Deswegen wurden an belebten Straßen Latrinen aufgestellt, um den benötigten Urin einzusammeln. Dieser war sozusagen ein wertvoller Rohstoff, den der Kaiser nun aber besteuern ließ.

Wie der römische Geschichtsschreiber Sueton berichtet, war dessen Sohn Titus von der Idee nicht so angetan, er sah die Steuer als ungerecht an, weshalb er dem Vater Vorhaltungen machte. Da nahm Vespasian einen Sesterz in die Hand, der aus den ersten Erträgen der neuen Latrinensteuer stammte und hielt ihn seinem Sohn kurzerhand unter die Nase, wobei er barsch fragte: „Na, stört dich der Geruch?“ Titus, verwirrt, verneinte kleinlaut, worauf sein Vater zurückgab: „Atqui e lotio est“ („Und doch ist es vom Urin“). In verkürzter Form ist daraus geworden: „pecunia non olet“, „Geld stinkt nicht“. – In dieser Form fanden Kaiser Vespasians Worte Eingang in unseren deutschen Zitatenschatz. In Frankreich heißen noch heute die öffentlichen Toiletten „Vespasienne“, in Italien „Vespasiani“. Woran man sieht, wie eindrücklich und nachhaltend die Latrinensteuer des Kaisers Vespasian die Gemüter erregt hat.

Ehrlich währt am längsten

Nun ist es natürlich nicht so ganz und auch nicht immer wahr, daß Geld nicht stinkt. Die Versuchung, möglichst einfach und schnell an Geld zu kommen, hat schon viele Menschen so weit gebracht, daß sie sich vor Gericht verantworten mußten. Da erfuhren sie dann, was das andere Sprichwort sagt: „Ehrlich währt am längsten.“

Eine Studie über Ehrlichkeit

In der heutigen Gesellschaft scheinen jedoch viele Zweifel an dieser Erfahrungstatsache zu haben, wie eine 2018 veröffentlichte Studie der University of Chicago Booth School of Business jetzt ergeben hat. Die meisten Teilnehmer berichteten anfänglich, daß sie gewöhnlich äußerst zurückhaltend sind, wenn es darum geht, die Wahrheit zu sagen. Die meisten hatten Angst, die Wahrheit könnte nicht gut ankommen.

Nach der im Journal of Experimental Psychology General veröffentlichten Studie wurden drei Experimente durchgeführt. Dabei wurden die Teilnehmer gebeten, über einen Zeitraum von drei Tagen ehrlicher zu sein oder ein bestimmtes Gesprächsthema anzuschneiden, das sie bisher vermieden hatten. Zudem sollten sie sich mit einer nahestehenden Person auch über negative Erfahrungen austauschen. Nach den drei Tagen wurden schließlich die Teilnehmer und die Leute, mit denen sie ehrlich sein sollten, darüber befragt, welche Auswirkungen die Ehrlichkeit hatte. Überraschenderweise hatten alle drei Experimente das Ergebnis, daß die Konsequenzen der Ehrlichkeit falsch eingeschätzt wurden. „Das Fokussieren auf Ehrlichkeit (aber nicht Freundlichkeit oder Kommunikations-Bewusstsein) ist angenehmer, mehr sozial verbindend und vergleichsweise weniger schadenanrichtend als die Leute glauben“, stellten die Forscher fest.

Die Studie zeigt, wie sehr der moderne Mensch gewöhnlich Angst davor hat, die Sympathie bei anderen zu verspielen. Darum traut er sich nicht mehr, unangenehme Wahrheiten zu sagen und beginnt lieber zu lügen. „Menschen nehmen pauschal an, dass Andere auf die erhöhte Ehrlichkeit negativ reagieren“, sagt Emma Levine, die als Co-Autorin an der Studie mitgearbeitet hat, im Interview mit Quartz. „Folglich denken die Leute, daß ehrliche Konversationen erschöpfend sind und ihrer Beziehung schaden. Dabei ist Ehrlichkeit in der Realität viel angenehmer und weniger schadend, als Leute erwarten.“

Wir sagen natürlich nicht „angenehmer“, sondern richtig und zudem vom göttlichen Gebot gefordert. Denn während die Wahrheit Wirklichkeit benennt, benennt die Lüge eine Illusion. Nun holt einen aber im täglichen Leben die Wirklichkeit immer wieder ein und entlarvt darum die Lüge, weshalb wiederum ein Sprichwort sagt: „Lügen haben kurze Beine.“ Wobei aber diese Erfahrung immer seltener werden wird, je mehr sich eine Gesellschaft daran gewöhnt hat zu lügen. Viele schwindeln sich dann nur noch durchs Leben und versuchen die gesellschaftlich tolerierten Grauzonen soweit möglich auszunützen.

Der Schein der Ehrlichkeit

Mark Twain meinte darum einmal: „Ehrlich währt am längsten, sagt das Sprichwort; aber mit dem Schein der Ehrlichkeit kommt man oft sechsmal so weit.“ Daraus ergibt sich, daß die Versuchung, sich mit dem Schein der Ehrlichkeit zufrieden zu geben, sehr groß ist. Das gilt bekanntermaßen vor allem dann, wenn es um Geld geht.

Natürlich braucht auch die Kirche Geld. Ganz ohne Besitz könnte sie ihre Aufgaben auf Dauer sicher nicht erfüllen. Auch wenn es in der Kirche Bettelorden gibt, also Gemeinschaften, die selbst kein Vermögen haben und von Almosen leben, ist sie weltweit gesehen immer auch ein großes Unternehmen gewesen. Vor allem der Land- und Immobilienbesitz war beachtlich. Da zeigt es sich dann nicht selten, daß auch kirchliche Männer aus Fleisch und Blut sind und die erbsündlichen Begehrlichkeiten durch die Weihe nicht einfach überwunden werden.

Reichtum und Armut

Im Auf und Ab der Kirchengeschichte ist letztlich immer wieder der Spagat zwischen dem notwendigen Besitz und dem Geist der Armut festzustellen. Wie leicht und wie schnell wird der Reichtum zur Versuchung! Welch ernste Mahnung spricht unser göttlicher Herr aus, nachdem der reiche Jüngling betrübt weggegangen war, „er hatte nämlich viele Besitztümer“: „Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich eingehen. Noch einmal sage ich euch: Leichter ist es, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgeht, als daß ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt. Als die Jünger das hörten, erschraken sie sehr und fragten: Wer kann dann gerettet werden? Jesus schaute sie an und sagte zu ihnen: Bei Menschen ist das unmöglich, bei Gott aber ist alles möglich“ (Mt. 19, 23-26).

Allioli erklärt dazu: „Die Jünger sollen vor den Gefahren der Habsucht bewahrt werden und sich der Armut nicht schämen, deshalb erklärt der Heiland ihnen den Grund, weshalb es ihnen nicht gestattet ist, etwas zu besitzen (Chrys.) – Die Ausdrucksweise ist in solchen sprichwörtlichen Vergleichen stets eine etwas stärkere. Vergl. Sprüche 17, 12, Predig. 22, 18, Jer. 13, 23. Der Sinn ist: Es ist für einen Reichen sehr schwer, in das Himmelreich einzugehen. Die Schwierigkeiten, welche anderen Lastern einzeln eigen sind, finden sich in der Habsucht vereint. Ist es schwer, mit einem Feinde im eigenen Herzen sein Heil zu wirken, wie viel mehr, wenn eine ganze Schar von solchen das Herz besitzt. (Hil. Orig.)“

Der letzte Satz – „Bei Menschen ist das unmöglich, bei Gott aber ist alles möglich.“ – mildert zwar scheinbar die Aussage, nimmt aber dennoch nichts vom Ernst hinweg. Allioli kommentiert: „Gott muß ein neues Herz geben, aus sich allein vermag der Mensch nichts für den Himmel.“ Dieses neue Herz ist dem Himmel zugewandt und erwartet als Lohn für alle Mühen dieses irdischen Lebens ein ewiges Glück, ein Glück, das Gott allein zu schenken vermag. Diesem himmlischen Glück steht das Irdische entgegen. Gerade der Reichtum verspricht dem Menschen ein schönes Leben ohne Gott. Ein Leben voller Vergnügen, aber auch Macht und Ehre.

Hierzu kann ein Blick auf den hl. Franziskus helfen, einen tieferen Sinn für die Armut zu bekommen. Denn dieser reiche Kaufmannssohn hat die Armut als seine Braut erwählt. Nicht nur irgendeine Armut, sondern eine ganz und gar evangelische. Der hl. Franziskus verachtete das Geld, weil er die Mahnung unseres göttlichen Lehrmeisters ernst nahm. Es heißt:

„Er wollte, daß man es nicht für mehr achte, als was es in sich ist, ein Stücklein Metall und damit etwas Gleichwertiges wie ein Stein. Die nach ihm verlangen, oder es für wertvoller als Stein halten, die sucht der Teufel zu verblenden. Hüten wir uns also, die wir alles verlassen haben, dass wir nicht wegen etwas so Geringem das Himmelreich verlieren. Und wenn wir irgendwo Münzen finden sollten, so wollen wir uns um sie nicht mehr kümmern als um den Staub, den wir mit unseren Füßen treten. Und sollte es doch vorkommen, was Gott verhüte, daß ein Bruder Geld oder Münzen sammelt oder besitzt, dann wollen wir Brüder alle ihn für einen falschen Bruder und Abtrünnigen, für einen Dieb und Räuber halten, ja für einen, der den Geldbeutel trägt (Judas), wenn er nicht Buße tut“ (Erster Band der „Franziskanischen Quellenschriften, Dietrich Coelde-Verlag, Werl 1982, S. 182; vgl. auch Joh. 12, 6).

Die Münze auf dem Eselsmist

Das Geld gibt dem Menschen die Möglichkeit, sich einzubilden, daß er ganz gut ohne Gott zurechtkommen könne. Je reicher jemand ist, desto stärker wird ihn diese Einbildung plagen, weil der Teufel ihn zu verblenden sucht. Gott hat dem hl. Franziskus eine außerordentliche Gnade geschenkt, die Gefahren des Reichtums und des Geldes zu durchschauen. In seiner Lebensbeschreibung liest man:

„Er hatte von Beginn seiner Bekehrung an eine besondere Verachtung gegen das Geld, und er schärfte denen, die ihm nachfolgen wollten, immer wieder ein, sie sollten es fliehen wie den leibhaftigen Teufel. Den klugen Rat gab er den Seinen, Kot und Geld mit ein und demselben Gewichte der Wertschätzung zu wiegen.
Eines Tages betrat ein Mann aus der Welt die Kirche S. Maria von Portiuncula, um zu beten. Er legte ein Geldopfer neben dem Kreuze nieder. Als er fortgegangen war, nahm es ein Bruder in seiner Einfalt in die Hand und warf es in eine Fensternische. Was der Bruder getan, kam dem Heiligen zu Ohren. Wie jener sich ertappt sah, kam er eilends um Verzeihung zu bitten und bot sich, auf den Boden hingestreckt, der Züchtigung dar. Der Heilige wies ihn zurecht und fuhr ihn hart an, weil er das Geld berührt hatte. Er gebot ihm, mit seinem eigenen Munde das Geld vom Fenstersims aufzuheben und es außerhalb der Einfriedung der Niederlassung mit seinem Munde auf Eselsmist niederzulegen. Während jener Bruder willig den Befehl erfüllte, befiel Furcht alle, die es hörten. Alle verachteten in Zukunft das Geld noch mehr, das so dem Mist gleichgesetzt wurde, und von Tag zu Tag wurden sie durch neue Beispiele zu seiner Verachtung angeregt“ (Thomas von Celano, Leben und Wunder des heiligen Franziskus von Assisi, 5. Band der Franziskanischen Quellenschriften, Dietrich Coelde-Verlag, Werl 1980, S. 65).

Das ist nun eine zutiefst symbolträchtige Handlung. Zunächst der gedankenlose Bruder, der das Geldstück einfach nimmt und in die Fensternische wirft. Sodann die eigenartige Bestrafung durch den Heiligen. Hätte man nicht sage können: Der Bruder hat sich doch gar nichts dabei gedacht! Was ist daran so schlimm, eine Geldmünze in die Hand zu nehmen und in eine Fensternische zu werfen? Immerhin hat der Bruder sie nicht behalten!

Franziskus sieht weiter und tiefer. Er ist als Ordensstifter dazu beauftragt, den Geist zu formen. Darum seine Strenge und seine Konsequenz: Geld rührt man nicht einmal an. Dies soll der Bruder beispielhaft demonstrieren, indem er das Geldstück mit dem Mund aufnimmt und auf Eselsmist niederlegt. Damit wird das Geld entzaubert und der eigentliche Wert sichtbar: „Alle verachteten in Zukunft das Geld noch mehr, das so dem Mist gleichgesetzt wurde, und von Tag zu Tag wurden sie durch neue Beispiele zu seiner Verachtung angeregt.“

Es ist eine ständige Versuchung für den Menschen, alles kaufen zu wollen, wozu ihm das Geld die Möglichkeit gibt. Diese Versuchung muß man überwinden, wenn man in den Dienst Gottes tritt. Der hl. Franziskus möchte, daß seine Minderbrüder diese Versuchung möglichst ganz besiegen.

Die Armut der Franziskaner

„Eines Tages kommen zwei Brüder auf ihrer Wanderung in die Nähe eines Aussätzigenspitals. Da finden sie auf dem Wege eine Geldmünze. Sie bleiben stehen und beraten, was mit dem ‚Kote‘ zu tun sei. Der eine von ihnen lacht über die Gewissensbedenken des Bruders und macht Miene, die Münze aufzuheben, um sie den geldgierigen Aussätzigen zu bringen. Der Gefährte will ihn zurückhalten; es sei falsche Liebe, die ihn täusche; er schärft dem Verwegenen das Wort der Regel ein, aus dem ganz klar hervorgeht, daß man eine gefundene Geldmünze wie Staub mit Füßen treten müsse. Jener verhärtet sein Herz der Mahnung, denn er war stets aus Gewohnheit hartnäckig. Er mißachtet die Regel, bückt sich und nimmt die Münze. Doch Gottes Strafgericht entgeht er nicht. Auf der Stelle verliert er die Sprache; er knirscht mit den Zähnen und kann nicht mehr sprechen. So stellt die Strafe den Wahnwitzigen bloß, so lehrt die Rache den Übermütigen, den Gesetzen des Vaters zu gehorchen. Schließlich wirft er den stinkenden Schmutz von sich und reinigt seine befleckten Lippen mit den Wassern der Buße, da lösen sie sich wieder zum Gotteslob“ (Ebd. S. 66).

Wenn das Beschriebene keine bloße Legende ist – womit im modernen Sinn des Wortes ein bloßes Märchen gemeint ist –, dann ist es schon etwas unheimlich. Für einen Minderbruder ist das Geld nur stinkender Schmutz und wer das mißachtet, der wird von Gott auffallend bestraft, er verliert die Sprache und knirscht mit den Zähnen. Was will Gott damit sagen? Der letzte Satz ist der Schlüssel zum Verständnis: Die Lippen „lösen … sich wieder zum Gotteslob“. Die Liebe zum Geld, zum irdischen Reichtum bindet die Seele an die irdischen Güter – und das nicht selten so sehr, daß Gott ganz und gar aus dem Blickfeld rückt. Das Gotteslob der Seele verstummt also – es ist wie eine Besessenheit, denn der Bruder knirscht mit den Zähnen. Weil die Anhänglichkeit seit der Erbsünde so groß ist, wie die Erfahrung zeigt und lehrt, hat der hl. Franziskus ein so strenges Gesetz erlassen, die Minderbrüder dürfen das Geld nicht einmal berühren.

Aber damit ist immer noch nicht genug gesagt über die Armut der Franziskaner.

„Als einmal der Vikar des Heiligen, Bruder Petrus Cathanii, sah, wie ganze Scharen von auswärtigen Brüdern S. Maria von Portiuncula zu besuchen kamen und kein Überfluß an Almosen da war, um sie mit dem Notwendigen zu versorgen, sprach er zum heiligen Franziskus: Bruder, ich weiß nicht, was ich tun soll. Haufenweise strömen die Brüder von überallher zusammen, und ich habe nichts, womit ich sie hinreichend versorgen könnte. Ich bitte dich, gib deine Zustimmung, daß etwas vom Vermögen der eintretenden Novizen aufbewahrt werde, damit man zur rechten Zeit darauf zurückgreifen kann, um Auslagen zu bestreiten. Der Heilige gab zur Antwort: Diese Art von Liebe sei ferne, liebster Bruder, dass wir uns um irgendeines Menschen willen gegen die Regel versündigen. Darauf erwiderte jener: Was soll ich denn aber tun? Beraube, so sprach Franziskus, den Altar der Jungfrau und entferne den mannigfachen Schmuck, wenn du auf andere Weise den Bedürftigen nicht helfen kannst! Glaube mir, sie wird es lieber haben, wenn wir das Evangelium ihres Sohnes beobachten und ihren Altar berauben, als wenn ihr Altar geschmückt bleibt, ihr Sohn aber verachtet wird. Der Herr wird jemand schicken, der der Mutter zurückerstattet, was sie uns geliehen hat“ (Ebd. S. 67).

Die Hoffnung auf Gott allein

Man steht vor einem Geheimnis, so hat man unwillkürlich den Eindruck. Der Bruder soll lieber den Altar der Gottesmutter berauben als eine Rücklage zu bilden, mit der man einer solchen Not begegnen könnte. Der Sinn der franziskanischen Armut besteht darin, daß man durch diese Armut gezwungen ist, ganz auf die Vorsehung Gottes zu vertrauen. Der hl. Franziskus möchte nicht, daß man diese Notwendigkeit durch menschliche Zugeständnisse mildert. Ein Franziskaner lebt vollkommen aus dem Vertrauen auf Gottes Güte und Vorsehung, deshalb schenkt er am Ende des Tages alles her, was evtl. von dem Erbettelten übrig sein sollte. Am nächsten Morgen beginnt er wieder in völliger Armut den neuen Tag. Seine Hoffnung ist allein Gott. Es ist wohl am besten, hierzu jene wunderbare Stelle aus dem Matthäusevangelium anzufügen, die von diesem Vertrauen in so vertrauenserweckenden schönen Worten spricht, daß man es gar nicht schöner sagen kann:

„Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib nicht mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen: doch euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht mehr wert als sie? Wer von euch vermag mit seinen Sorgen seine Lebenszeit um nur eine kleine Spanne zu verlängern? Und was seid ihr besorgt um eure Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes! Wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Ich sage euch aber: Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn nun Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch, ihr Kleingläubigen! Seid also nicht besorgt und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Womit sollen wir uns bekleiden? Denn nach all dem trachten die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß ja, daß ihr dies alles nötig habt.
Sucht vielmehr zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben werden. Seid nicht so besorgt um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. – Jeder Tag hat genug seiner eigenen Plage“ (Mat 6, 25-34).

Wird bei diesen Worten unseres göttlichen Lehrmeisters nicht die herrliche Freiheit der Kinder Gottes greifbar? Die eine wahre Sorge befreit uns von den vielfältigen falschen Sorgen unseres Menschenlebens: „Sucht vielmehr zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben werden.“ Diese Wahrheit ist die Grundlage der evangelischen Armut. Und wenn auch nicht jeder zu einer solch radikalen Armut wie der hl. Franziskus sie gelebt hat, berufen ist, so muß doch auch jeder Weltmensch sich die Armut des Geistes insoweit aneignen, als sie notwendig ist, allen Versuchungen des Fürsten dieser Welt zu überwinden. Der Teufel kennt nämlich den verführerischen Glanz des Reichtums für uns erbsündlich belasteten Menschen. Auch darauf weist der hl. Franziskus vorbildlich hin, wie wir im folgenden sehen werden.

Pecunia et serpens (Das Geld und die Schlange)

„Einmal zieht der Mann Gottes mit einem Gefährten durch Apulien. In der Nähe von Bari findet er auf dem Wege eine große, geldgespickte Börse, die in der Kaufmannssprache Geldkatze heißt. Der Gefährte fordert den Heiligen auf und dringt beharrlich in ihn, er möge die Börse vom Boden aufheben und das Geld unter die Armen verteilen. Er ruft besonders seine Liebe zu den Bedürftigen an und spricht von der Barmherzigkeit, die er beim Verschenken des Geldes üben könne. Entschieden weigert sich der Heilige, das zu tun, und versichert, das sei nur eine List des Teufels. Es ist nicht erlaubt, mein Sohn, spricht er, fremdes Gut wegzunehmen. Ein strafwürdiges Vergehen, nicht ruhmvoller Verdienst ist es, wenn man fremdes Gut verschenkt.
Sie verlassen den Ort und eilen, um ans Ziel ihrer Reise zu kommen. Doch der Bruder, von falscher Liebe betört, findet keine Ruhe. Er hört nicht auf, Franziskus zur Übertretung zu verleiten. Da läßt sich der Heilige herbei, an den Ort zurückzukehren, nicht um den Wunsch des Bruders zu erfüllen, sondern um dem Toren das göttliche Geheimnis zu zeigen. Er ruft einen jungen Mann herbei, der auf einem Brunnenrand am Wege sitzt, damit das Geheimnis der Dreifaltigkeit solle im Munde von zwei oder drei Zeugen offenbar werden. Die drei kommen wieder zur Geldkatze zurück und sehen sie prall voll Geldmünzen. Der Heilige läßt keinen der beiden an sie herantreten. Die Kraft des Gebetes sollte nämlich die Betrügerei des Satans ans Licht bringen. Er entfernt sich etwa einen Steinwurf weit von der Stelle und versenkt sich in heiliges Gebet. Dann kehrt er zurück vom Gebete und befiehlt dem Bruder, die Börse aufzuheben. Der Bruder zittert und stutzt, als ob er schon etwas im voraus ahnte; es ist ihm ganz eigentümlich zumute. Schließlich macht er, aus Furcht, den heiligen Gehorsam zu verletzen, seinem Schwanken ein Ende und nimmt die Börse in die Hand. Und siehe da, eine Schlange von beträchtlicher Größe springt aus der Geldbörse und beweist dem Bruder den teuflischen Trug. Da spricht der Heilige zu ihm: Bruder, das Geld ist für die Diener Gottes nichts anderes als der Teufel und eine giftige Schlange“ (Thomas von Celano, S. 68).

Was soll nun das?

Das materialistische Weltbild –

Den hl. Franziskus versteht man nur, wenn man seinen göttlichen Auftrag versteht, die Kirche wieder aufzurichten, also das Reich Gottes neu aufbauen zu helfen. Im Reich Gottes aber ist alles Gnade. Im Reich Satans dagegen alles – man ist schon geneigt als Gegenthese zu formulieren: Natur – nein, im Reich Satans ist alles Materie. Die Materie ohne Geist und ohne Gnade ist aber ein Nichts. Dem hl. Franziskus geht es darum, das sakramentale Weltbild zu festigen und es vor dem Verfall zu bewahren – der übrigens ab dem 16. Jahrhundert eintreten wird. Das Endergebnis dieses Verfalls ist das heute sog. naturwissenschaftliche Weltbild, das ganz und gar materialistisch ist.

im Gegensatz zum wirklichen Schöpfungsgrund

Der hl. Franziskus dagegen sieht jedes Ding als Geschöpf und als solches sieht er es im Lichte Gottes, ja vom Lichte Jesu Christi durchscheint. Dazu gibt der hl. Paulus im Römerbrief die geheimnisvolle Erklärung:

„Denn die Schöpfung wurde der Nichtigkeit unterworfen, nicht nach eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterwarf. Doch bleibt ihr die Hoffnung, daß sie von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes befreit wird.
Wir wissen ja, daß die ganze Schöpfung bis zur Stunde seufzt und in Wehen liegt; nicht allein sie, sondern auch wir, die wir die Erstlingsgabe des Geistes bereits besitzen: wir seufzen in unserem Innern und harren auf die Gotteskindschaft und die Erlösung unseres Leibes“ (Röm 8, 20-23).

Durch den ewigen Hohepriester Jesus Christus ist die ganze Schöpfung zu einer sakramentalen Weltordnung zusammengebunden. Nicht nur die Menschen seufzen unter der Last der Sünde – nein, die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Wehen und harrt auf die Erlösung, „daß sie von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes befreit wird“.

Darum kann der hl. Franziskus Gold und Silber, Nickel und Kupfer und selbst eine Stück Papier als von Gottes Licht durchstrahlt lieben und mit Ehrfurcht behandeln. Er, der so streng auf die Armut in den franziskanischen Klöstern achtet, schreibt zugleich: „Die Kelche und Korporalien, den Altarschmuck und alles, was zum Opfer gehört, sollen sie in kostbarer Ausführung haben“ (Schriften 74). Ist das nicht ein Widerspruch zum Geist der Armut? Nein, denn alles was geschaffen wurde, wurde zu Verherrlichung Gottes geschaffen. Die Ehre Gottes ist der erste und höchste Schöpfungsgrund.

Das lehrt ein ebenfalls seltsames Verhalten des hl. Franziskus. Er achtete auf seinen Wanderungen auf jedes Papierstückchen, auf dem geschriebene Worte standen und hob sie auf. In seinen erhaltenen Schriften bittet er gleich an fünf Stellen inständig, man möge doch alle Papierstücklein, auf denen Namen oder Worte Gottes geschrieben sind, sorgfältig sammeln und an ehrbaren Stellen niederlegen. Seine Begründung ist überaus tief und bezaubernd: Denn man könne aus den Buchstaben den Namen Jesus zusammenfügen. Was für eine Ehrfurcht vor jedem kleinsten Ding zeigt sich in seinem außerordentlichen Leben!

Wie verträgt sich aber nun diese Ehrfurcht mit der Verachtung und Ablehnung des Geldes? Das Geld ist als dieses Metall und dieses Stück Papier als heiliges Zeichen entwertet. So werden diese Dinge nur allzu leicht und allzu schnell zu einem Zeichen der Gier nach Macht, Besitz, Genuß und Ehre. Ja nur allzu leicht wird es deswegen von dämonischer Magie besetzt, weshalb „das Geld für die Diener Gottes nichts anderes als der Teufel und eine giftige Schlange“ ist.

Der Zusammenbruch der sakramentalen Welt

Ist das heute anders? War der hl. Franziskus nur deswegen so radikal, weil damals das Geld noch viel weniger verbreitet war, während der Tauschhandel noch überall gepflegt wurde? Wollte der Heilige mit seiner Armut ein Zeichen setzen und der Entwicklung zu immer mehr Geld entgegensteuern?

Ob das mit dem Tauschhandel überhaupt stimmt und nicht vielmehr dem modernen Vorurteil über das Mittelalter entspringt, wäre erst noch zu untersuchen. Jedenfalls kann nur jemand so reden, der den hl. Franziskus nicht versteht. Diesem ging es sicherlich nicht um dieses oder jenes Wirtschaftssystem, sondern um die Bewahrung der sakramentalen Weltordnung. Es ist bezeichnend, daß seine modernen Nachfolger in der Menschenmachwerkskirche keinerlei Ahnung mehr zu haben scheinen. Es ist nur noch Armut als eine spirituelle Erfahrung übriggeblieben oder Armut als Nostalgie. Wobei diese Armut in den Rahmen ziemlich reicher Klöster gebettet erscheint.

Dem hl. Franziskus geht es darum, daß vor Gott jeder Mensch arm ist und immer ein Bettler. Denn die Gnade Gottes allein macht uns reich und diese kann sich der Mensch nicht kaufen. Dennoch ist sie nicht gratis, worauf der hl. Petrus in seinem ersten Brief so eindrücklich hinweist:

„Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person jeden nach seinen Werken richtet, wandelt in Furcht, solange ihr in der Fremde weilt, im Wissen, daß ihr von eurem verkehrten, von den Vätern ererbten Wandel nicht mit vergänglichen Werten, mit Gold und Silber, losgekauft seid, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. Schon vor Erschaffung der Welt war er dazu ausersehen, erschienen aber ist er um euretwillen am Ende der Zeiten. Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und verherrlicht hat, so daß euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott gerichtet sind“ (1 Petr. 1, 17-21).

Der hl. Franziskus sah, wie diese sakramentale Welt zusammenbrach und er erhielt den göttlichen Auftrag: „Geh, bau mein Haus wieder auf!“

Der Mißbrauch des heiligen Franziskus als Klimaapostel

Der Chef der Menschenmachwerkskirche hat sich mit dem Namen des hl. Franziskus geschmückt, was gleich in mehrerer Hinsicht auffallend und äußerst bedauerlich ist. Äußerst bedauerlich zunächst für den hl. Franziskus, der nun wirklich nichts mit Herrn Bergoglio gemein hat, weshalb es von diesem überaus niederträchtig ist, den Namen des Heiligen so zu mißbrauchen.

Zweitens hat sich noch niemals ein Papst diesen Namen gewählt, weil der hl. Franziskus zwar ein großer Heiliger, aber kein Priester oder Bischof oder gar Papst und natürlich auch kein Apostel war. Verbirgt sich nicht schon allein in der Wahl dieses Namens das Programm einer priesterlosen Kirche, wie sie Herr Bergoglio eifrig zu verwirklichen sucht?

Drittens erscheint der arme hl. Franziskus in „Papst“ Franziskus als grüner Politiker, der sich vor allem den Klimaschutz und deswegen der Reduzierung der Weltbevölkerung verschrieben hat.

Der Chefbankier des „Papstes“…

Auch der Vatikan hat offensichtlich die Meinung des römischen Kaisers Vespasian übernommen: „Pecunia non olet“ – Geld stink nicht. Diese legere Haltung zum Geld hat jedoch die römischen Monsignori öfters in die Schlagzeilen der Weltpresse gebracht. Denn wenn man zu viel Geld in den Händen hält, werden diese doch recht leicht schmutzig.

Der erste ganz große Skandal liegt schon einige Jahre zurück. Und weil das Gedächtnis der Traditionalisten recht kurz ist, wollen wir an den Fall von Erzbischof Marcinkus, seinerzeit Chefbankier des „Papstes“ Johannes Paul II. erinnern. Auf der Internetseite „spiegel.de“ stand mit dem Datum vom 02.03.1987 zu lesen:

VATIKAN Gott und Geld
Gegen den Chefbankier des Papstes, Erzbischof Marcinkus erließ die italienische Justiz Haftbefehl wegen Beihilfe zum betrügerischen Bankrott – aus guten Gründen.

Der Tod des italienischen Bankiers Roberto Calvi, der am 18. Juni 1982 mit 62 Jahren auf grausame Weise ums Leben kam, war der Auslöser der Aufdeckung von kriminellen Machenschaften Marcinkus‘. Der Tote hing mit fünf schweren Backsteinen in den Taschen beladen an einem Pfeiler der Londoner Blackfriars Bridge. Auf „spiegel.de“ heißt es:

„Scotland Yard wollte einen Ritualmord nicht ausschließen. Detektive deuteten die Backsteine als Zeichen der illegalen Loge P2, bei der Calvi Mitglied gewesen war. Ein Londoner Gericht verzichtete 1983 auf ein abschließendes Urteil – auch ein Selbstmord schien möglich.
Calvis Familie jedoch hielt einen Selbstmord für undenkbar. Clara Canetti, die Witwe des Bankiers, erklärte, ihr Mann habe unter Tränen beteuert: ‚Wenn mir etwas zustößt, muß der Papst zurücktreten.‘ Schuld an seiner mißlichen Lage seien ‚die Priester‘.“

Es dauerte dann viereinhalb Jahre, bis endlich etwas Licht in die mysteriösen Andeutungen der Witwe Calvis kamen. „Die Mailänder Untersuchungsrichter Antonio Pizzi und Renato Brichetti erließen vorigen Mittwoch Haftbefehl gegen den Chefbankier des Papstes. Monsignor Paul Casimir Marcinkus, 65, sowie gegen weitere zwei Vatikan-Banker. Die drei kümmern sich um die Geldgeschäfte des Heiligen Stuhls.“

… und der Bankrott des Ambrosiano-Bankhauses

Damals war ein solcher Fall noch ungewohnt und darum auch entsprechend medienwirksam:

„Zum erstenmal in der Geschichte der Italienischen Republik schritt die weltliche Gewalt gegen einen derart hochgestellten Papst-Gehilfen ein – für die katholische Kirche eine bislang unvorstellbare Demütigung. Es ist auch vorläufiger Endpunkt eines unerhörten Skandals.“

Damals ging es um den Zusammenbruch der von Calvi geleiteten größten Privatbank Italiens, des „Banco Ambrosiano“. Der Mailänder Untersuchungsrichter war zu der Überzeugung Haftbefehl gekommen, daß Erzbischof Marcinkus als Chef der vatikanischen Staatsbank „Istituto per le Opere di Religione“ (IOR) maßgeblich an dem betrügerischen Bankrott des Ambrosiano-Bankhauses mitgewirkt habe.

Wie „spiegel.de“ weiter berichtet, war das Mailänder Geldinstitut „im Mai 1982 unter einer Schuldenlast von fast 1,5 Milliarden Dollarn zusammengebrochen. Die Privatbank hatte über rund zwei Dutzend Briefkastenfirmen, die vermutlich von IOR-Chef Marcinkus eingerichtet worden waren, waghalsige Eurodollar-Transaktionen und Waffengeschäfte abgewickelt und überdies Kapital aus dem Drogenhandel gewaschen.“

Der damalige Chef der Menschenmachwerkskirche, der „heilige“ Johannes Paul II., behauptete doch glatt, „die Vatikanbank treffe keine Schuld, sie sei lediglich Opfer finsterer Machenschaften geworden.“ Trotz dieses Dementis, „zahlte die Vatikanbank 241 Millionen Dollar an 120 Gläubiger der bankrotten Privatbank. ‚In Anerkennung moralischer Mitbeteiligung‘, wie der Heilige Stuhl verlauten ließ.“

Nun, wie wir alle heute wissen, ist der „heilige“ Johannes Paul II. nicht zurückgetreten, wie Calvi meinte, sondern er wird von der Menschenmachwerkskirche als Heiliger verehrt. Höchst erstaunlich, aber dennoch wahr, bei einer moralischen Mitverantwortung für einem solch millionenschweren Banken-Bankrott.

„Mafiöse Strukturen“ beim Geld im Vatikan

Die Skandale um die Vatikanbank sind seither nicht abgerissen. Erst kürzlich gab es wieder Schlagzeilen. Auf „taz.de“ stand zu lesen:

Finanzskandal im Vatikan
Hauptsache, fromm
Hunderte Millionen Euro sind anstatt für karitative Zwecke für den Kauf teurer Immobilien verwendet worden. Nun heißt es prüfen und aufklären.

Wir lassen einen Teil des Textes von „taz.de“ folgen, weil er gar so flott formuliert ist:

„Man muss nicht lange drum herumreden, und auch Papst Franziskus tut es nicht: Es ist ein Skandal, was nun wieder aus dem Vatikan dringt. Mit Mitteln des ‚Peterspfennigs‘, eigentlich gedacht für die Armenhilfe, haben Mitarbeiter der Kurie in London eine Luxusimmobilie gekauft. Auch Korruption war nach den Aussagen des Papstes im Spiel. Man kennt das schon aus der Zentrale der Weltkirche: Wenn es um das große Geld geht, wird getrickst – und manch einer der geistlichen Herren hält die Hand auf.
Damit setzt sich auch unter Franziskus fort, was leider seit Jahrzehnten eine unselige Tradition in der Kurie hat: Es wird beim Geld so gemauschelt, dass man durchaus von mafiösen Strukturen sprechen kann. Franziskus ist vor bald sieben Jahren angetreten, auch um in Finanzfragen im Vatikan aufzuräumen. Wie man von dort hört, geht es voran – leider jedoch sehr langsam. Schlechte Mentalitäten lassen sich eben nur langsam ändern, und lange Zeit gerierte man sich im Vatikan wie in einem Selbstbedienungsladen: Hauptsache, konservativ und marienfromm, dann durften viele fast alles, auch in Pomp leben.
Nun aber muss Schluss damit sein. Eine Kirche der Armen, wie sie Franziskus vorschwebt, verträgt sich nicht mit einem Laisser-faire in finanziellen Angelegenheiten. Die Kirche selbst muss arm oder doch zumindest bescheiden sein, sonst verliert sie jegliche Glaubwürdigkeit. Das bedeutet nicht, dass man Geld, auch für die Armenhilfe, nicht anlegen soll.“

Aus anderen Informationsquellen erfährt man dann auch das Ausmaß des Finanzskandals. Es hat sich um immerhin 200 bis 300 Millionen Euro gehandelt, die der Vatikan in der Sloane Avenue im vornehmen Stadtteil Chelsea zum Erwerb einer Luxusimmobilie investiert hatte. Nach offiziellen Angaben war es eine Geldanlage, inoffiziell ein ausgeklügelter Betrug, an dem auch externe Manager beteiligt waren und horrende Gebühren kassierten – womöglich sogar Schmiergelder! Jedenfalls machte der Heilige Stuhl bei dem Geschäft Millionenverluste.

Eigentlich sollte das Geld für die Armen gewesen sein, weil es aus dem sog. Peterspfennig stammt, der jährlich gut 60 Millionen Euro in die vatikanischen Kassen spült. Freilich ist seit den weltweiten Missbrauchsskandalen das Spendenaufkommen rückläufig. Im Jahr 2017 sollen von den 63 Millionen Euro laut Vatikan rund 24 Millionen Euro für karitative Projekte des „Papstes“ ausgegeben worden sein. Der Rest – immerhin noch 39 Millionen Euro! – landet dann wohl nicht bei den Armen, sondern in solch gewagten Investitionen wie in London.

Nun fragt man sich unwillkürlich: Kann es bei der weltweiten Verbreitung so schwer sein, für das ganze Geld genügend Werke zu finden, die die Armen sofort unterstützen? Das ist doch nun wirklich schwer vorstellbar! Es dürfte also gar nicht so sehr um die Armen gehen, diese sind vielmehr nur ein Vorwand für die vatikanischen Finanzmanager, Spenden in Millionenhöhe zu veruntreuen oder eine Luxusimmobilie in London kaufen zu können – denn bekanntlich stinkt ja Geld nicht –, und das gilt natürlich vornehmlich in Rom, wo der Kaiser seine Latrinensteuer einführte.

Besonders spaßig war die Bemerkung von Bergoglio: „Es gibt Korruption, man sieht es.“ Man frag sich nur: Wenn das so ist, warum hat er es denn dann eigentlich nicht vorher gesehen und sodann verhindert? Immerhin ist er nicht erst ein paar Monate im Amt und immerhin hat sich schon sein Vorgänger um Aufklärung der Vatikanfinanzen bemüht.

„Wie der Herr so‘s G‘scher!“

Ganz dem Sprichwort gemäß handeln auch die Herren Bischöfe – denken wir an den „Protzbischof“ in Limburg, der freilich nur die Spitze des Eisberges war. Nun, die Spitze hat man abgehauen, den Eisberg jedoch stehengelassen.

Aber nicht nur die Bischöfe lieben es, weltmännisch aufzutreten, auch unter den Traditionalisten gibt es diese Allüren. Die FSSPX hat ganz im Stil der Menschenmachwerkskirche ein Protzseminar in den USA gebaut, und entsprechend diesem modernen Stil veranstaltet das Seminar zusammen mit dem aus Argentinien eine Lotterie.

Veranlassung für die Lotterie ist der Wunsch, mit beiden Seminaren in diesem Jahr 2020 zum Jubiläum des 50-jährigen Bestehens der Piusbrüder nach Lourdes zu reisen. Das ist nun ein recht kostspieliges Unternehmen, da ausgerechnet das Seminar in den USA das zahlenmäßig größte in der FSSPX und zudem bekanntermaßen Amerika recht weit von Lourdes entfernt ist. Würde das deutsche Seminar zu einer solchen Reise nach Lourdes aufbrechen, wäre das viel billiger, sind doch die Seminaristen dort nicht gerade viel an Zahl und ist Lourdes von Deutschland aus immerhin mit einem Bus oder mit dem Zug erreichbar.

„Wie kommt man nun zu so viel Geld?“, fragen sich die Regenten der beiden amerikanischen Seminare angesichts ihrer Jubiläums-Reisepläne. Bekanntermaßen ist Amerika des Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und zudem wissen wir inzwischen – „pecunia non olet“ – Geld stinkt nicht, weshalb die beiden Regenten auf die Idee gekommen sind, einen Jaguar zu – ja was eigentlich? – als Hauptgewinn einer Lotterie zu verlosen! Mit dem „Jaguar“ ist natürlich kein Tier gemeint, sondern ein Auto, ein Luxusauto, so muß man ergänzen, ein Sport-Luxusauto sogar.

Nach „Wikipedia“ ist Jaguar „seit 1951 Hoflieferant des britischen Königshauses. Nach der Fusion ist Jaguar Land Rover der einzige Automobilhersteller, der alle drei königlichen Wappen, die ‚Royal Warrants‘, tragen darf“. Und weiter: „Ab Ende 1989 gehörte das Unternehmen zur Premier Automotive Group von Ford, die es im März 2008 zusammen mit Land Rover an Tata Motors verkaufte.“„Tata Motors (Hindi: टाटा मोटर्स, ṭāṭā moṭars) ist der größte Automobilhersteller in Indien und gehört mehrheitlich zur Tata Group. Das Unternehmen ist im Finanzindex BSE Sensex gelistet.“

Soweit zu den Fakten. Auf einem Informationsblatt des Seminars wird die Lotterie beworben und der Versuch unternommen, dieselbe zu rechtfertigen. So ganz reinen Gewissens scheinen die Hochw. Herren ihren Jaguar nicht anpreisen zu können. In dem Brief an die Freunde und Wohltäter von Pater Le Roux heißt es nämlich erklärend:

„Der [Haupt-]Preis ist ein Jaguar, nicht [etwa] um eine ungeordnete Begierlichkeit anzustacheln, sondern um diesen ‚Wohltätigkeitsbasar‘ für andere Menschen attraktiv zu machen, die sonst vielleicht nichts zu dem Ziel, das wir im Sinne haben, beitragen würden.
Im Bewußtsein, daß Ihre persönlichen Ressourcen nicht unbegrenzt sind, richtet sich dieser ‚Gewinn‘ in erster Linie an Leute aus Ihrem Bekanntenkreis, die nicht in der Tradition sind, und diese vielleicht auf diesem Umwege entdecken…“

Also wirklich: Wer dabei Schlechtes denkt, ist ein Miesmacher! „Pecunia non olet!“ – Geld stinkt nicht! Nachdem wohl die Ressourcen der armen Piusgläubigen durch die dauernden Betteleien der Piusbrüder aufgebraucht sein dürften, geht es nun darum, fremde Ressourcen anzuzapfen – natürlich unter dem Mantel der Frömmigkeit. Auch ist der Jaguar natürlich nicht für die eigenen Leute gedacht, sondern für die fremden Ressourcen – denn wir wollen doch nicht zur ungeordneten Begierlichkeit anstacheln, sondern zur Tugendübung aneifern. Und wenn dennoch ein Piusgläubiger den Hauptgewinn einstecken sollte, dann kann er ja den Jaguar wieder verkaufen und das Geld dem Seminar spenden – oder etwa nicht?

Es könnten freilich auch die beiden Seminare auf ihre teure, aufwendige und unnötige Reise nach Lourdes verzichten und ein wenig den Geist der Armut üben, das wäre doch ein echter Ansporn zur Tugend. Aber das mit der Tugend scheint schon recht amerikanisiert zu sein. Hat man doch im Amerikanismus von den aktiven und den passiven Tugenden gesprochen. Der gemeinsame Flug von gleich zwei Seminaren mit wohl gut 80 Personen nach Lourdes ist sodann eine aktive Tugend, weil man doch dabei ganz schön aktiv sein muß – gleich mit Lotterie und Jaguar und Bekehrung fremder Ressourcen! – wohingegen die Armut sehr passiv ist, weil man damit in den USA oder Argentinien bleiben müßte, was einen ja fast schon depressiv machen könnte.

Nun sind aber nach dem Amerikanismus (oder Modernismus) die passiven Tugenden überholt, allein die aktiven sind wichtig und entscheidend. Also, auf nach Lourdes! – Insofern der Jaguar genügend fremde Ressourcen erschließt, d.h. genügend Geld in die Kassen spült. Das Ergebnis des ‚Wohltätigkeitsbasars‘ wird während der Weihen im Sommer 2020 bekannt gegeben werden. Dann kann der stolze Gewinner seinen Jaguar XE am besten gleich mit nach Hause nehmen.

Was aber, wenn der ‚Wohltätigkeitsbasar‘ nicht genügend Geld in die Kassen spült? Nun, dann bleibt nur noch, die zur Verfügung stehenden Plätze unter den Seminaristen zu verlosen – und die Daheimgebliebenen dürfen dafür mit dem Jaguar fahren. Der Hauptgewinner muß halt noch ein wenig warten. Wobei das Ganze auch wieder schwierig wäre, weil man dann eigentlich zwei Jaguare bräuchte, sind es doch zwei Seminare.

Nun, vielleicht nicht unbedingt. Auf einem Foto, aufgenommen vor dem „Pius“-Seminar in den USA, sind einige Seminaristen zu sehen, die ein Auto umstehen oder besser gesagt sehr interessiert, um nicht zu sagen andächtig, besichtigen. Das Auto ist zwar kein Jaguar, aber immerhin ein Mercedes. Die Lösung des Problems ist also ganz einfach: Die Seminaristen in den USA fahren mit dem Mercedes und die in Argentinien mit dem Jaguar…, denn: „pecunia non olet!“ – Geld stinkt nicht! – und ein Jaguar und ein Mercedes auch nicht. Der Jaguar jedoch nur, wenn er ein Auto und kein Tier ist.